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Jemand legt die Hand auf die Hand eines Obdachlosen

© Gettyimages, Albert Shakirov

Wohnen ist ein Menschenrecht - die Realität zeigt aber, dass noch immer viele Menschen auf der Straße oder in Notunterkünften leben
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Wohnungslosigkeit: Diakonie Hessen fordert mehr bezahlbaren Wohnraum

veröffentlicht 10.09.2026

von Pressestelle der Diakonie Hessen, Online-Redaktion der EKHN

Anlässlich des Tages der wohnungslosen Menschen am 11. September informiert Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, dass Kinder, Jugendliche und Frauen immer länger in Notunterkünften für Wohnungslose verweilen. Er mahnt entschlossenes politisches Handeln an.

Eine ganze Kleinstadt in Hessen ohne Wohnung: Mehr als 26.000 Menschen leben laut genesis.destatis.de in Hessen in Notunterkünften, so viele Menschen wie etwa in Büdingen oder Pfungstadt. Dazu kommen geschätzt 1.700 Menschen, die in Hessen auf der Straße leben sowie etwa 1.400 verdeckt wohnungslose Personen, die laut der Studie von giss-ev.de vorübergehend bei Freunden oder Verwandten unterkommen. In Rheinland-Pfalz sind 15.265 wohnungslose Menschen untergebracht. 
Für die Diakonie Hessen zeigt die hohe Zahl: Beim bezahlbaren Wohnen und bei der Prävention von Wohnungslosigkeit wird seit Jahren zu wenig getan. „Wir sagen: Es reicht! Jeder Mensch ohne dauerhafte eigene Wohnung ist ein Mensch zu viel. Menschen brauchen ein Zuhause. Wohnen ist ein Menschenrecht und Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheit und ein selbstbestimmtes Leben“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, zum Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September. „Trotzdem fehlt es in Hessen weiterhin an ausreichend bezahlbarem Wohnraum, wirksamer Prävention und nachhaltigen Investitionen in den sozialen Wohnungsbau.“

Wohnungslose Menschen verweilen immer länger in Notunterkünften

Besonders alarmierend: Die Verweildauer in Notunterkünften wird immer länger. So leben mehr als die Hälfte der unter 18-jährigen wohnungslosen Menschen und drei Viertel der Frauen über 25 Jahre seit mehr als zwei Jahren in einer Notunterkunft. Einrichtungen, die ursprünglich nur für wenige Wochen vorgesehen sind, werden für viele Kinder, Jugendliche und Frauen zum dauerhaften Lebensort. Die Diakonie Hessen mahnt entschlossenes politisches Handeln an. Carsten Tag: „Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Schicksal. Sie ist vielmehr Ausdruck politischer Entscheidungen und struktureller Versäumnisse. Sie markiert das Versagen einer Gesellschaft.“

Forderung: Mittel für finanziebezahlbaren Wohnraum

Hessen setzt aktuell auf die „Landesstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit“. Carsten Tag: „Ihr Erfolg wird sich daran messen lassen müssen, ob aus Modellprojekten dauerhaft finanzierte Strukturen und vor allem zusätzlicher bezahlbarer Wohnraum entstehen.“ Ein Teil der notwendigen Investitionen in Wohnungsbau und Infrastruktur könnte nach Auffassung der Diakonie Hessen aus den zusätzlichen Mitteln des Sondervermögens finanziert werden. Bislang ist jedoch offen, welchen Stellenwert die Schaffung bezahlbaren Wohnraums bei der Verwendung der zusätzlichen Investitionsmittel des Landes tatsächlichen haben wird. 

Keine Besserung in Sicht

Die Beratungsstellen der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Hessen berichten von anhaltendem Druck der hilfesuchenden Menschen durch steigende Mieten, drohende Wohnungsverluste und fehlende Unterbringungsmöglichkeiten. „Schon viel zu lange werden zu wenige bezahlbare Wohnungen gebaut“, sagt Katharina Alborea, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe bei der Diakonie Hessen. Die Gründe sind etwa steigende Bau-, Material- und Personalkosten, höhere Kreditzinsen und geringe Renditen für Investoren. Gleichzeitig sinkt der Bestand an Sozialwohnungen, weil immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen oder die Mieten so hoch sind, dass die Angemessenheitsgrenze überschritten wird. „Ohne entsprechende Anreize seitens der Politik ist bezahlbarer Wohnraum für Investoren schlichtweg nicht attraktiv.“ Die vielen geplanten Kürzungen im Sozialstaat – darunter auch mögliche Kürzungen beim Wohngeld – erhöhen das Risiko, dass immer mehr Menschen ihre Wohnung verlieren oder gar nicht erst eine bezahlbare Wohnung finden, ist sich die Expertin sicher. Katharina Alborea: „Wohnungslosigkeit betrifft längst nicht mehr nur Menschen, die von vielfältigen Problemen betroffen sind. Immer häufiger geraten auch Familien, Alleinerziehende, ältere Menschen und Menschen mit eigenem Einkommen unter Druck oder verlieren den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum.“

Wohnraum schaffen, Wohnungslosigkeit verhindern

„Seit Jahrzehnten begehen wir schon den Tag der wohnungslosen Menschen. Er erinnert daran, dass in Hessen die Menschen noch immer ihre Wohnung verlieren, weil bezahlbarer Wohnraum fehlt und es für Prävention oft zu spät ist“, sagt Carsten Tag. „Wir dürfen wirtschaftliche Bedingungen nicht über das Wohl eines Menschen stellen. Wir müssen endlich verstehen: Wohnungslosigkeit ist kein Naturgesetz. Sie lässt sich verhindern und überwinden. Dafür braucht es weniger Absichtserklärungen und mehr bezahlbaren Wohnraum.“

„Unsere Mitarbeitenden gleichen oft aus, was andere Systeme nicht leisten“, sagt Carsten Tag. „Sie begleiten Menschen mit großer Fachlichkeit, Beharrlichkeit und oft an der Grenze ihrer Kräfte. Wer Wohnungslosigkeit überwinden will, muss ausreichend Wohnraum schaffen. Und solange Menschen keine Wohnung finden, müssen wir diejenigen stärken, die sie Tag für Tag begleiten. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen: unbequem, konkret und gemeinsam mit den Betroffenen.“

Die Forderungen der Diakonie Hessen im Überblick:

  • Mehr Investitionen in bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau
  • Ausbau von Angeboten zur Verhinderung von Wohnungsverlusten
  • Effektive Begrenzung der Mietpreisentwicklung

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