Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Sabine Müller-Langsdorf

© Zentrum Oekumene

Als Friedenspfarrerin hatte Sabine Müller-Langsdorf ein Arbeitsfeld gefunden, in dem sich ihre theologischen Überzeugungen und ihr gesellschaftliches Engagement gut verbinden ließen

Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf in den Ruhestand verabschiedet

veröffentlicht 17.06.2026

von Ulrike Bohländer, Online-Red.

Mit einem musikalischen Friedensgottesdienst hat das Zentrum Oekumene Pfarrerin Sabine Müller‑Langsdorf in den Ruhestand verabschiedet. Seit vielen Jahren stand sie für Frieden, Gerechtigkeit und ökumenische Verbundenheit – in Deutschland, in Europa und an der Seite von Menschen auf der Flucht.

Mit einem musikalischen Friedensgottesdienst und einem anschließenden Empfang hat das Zentrum Oekumene vergangenen Freitag Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf in den Ruhestand verabschiedet und ihr langjähriges Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und ökumenische Verständigung gewürdigt.

Kompass: Rechenschaft ablegen können

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Bibelwort aus 1. Petrus 3,15: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ Dieses Wort war Sabine Müller-Langsdorf bereits bei ihrer Ordination am 23. Juni 1996 zugesprochen worden und zog sich wie ein roter Faden durch die Würdigung von Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer. Im Gottesdienst wurde zudem eine besondere Verbindung deutlich: Der Hausspruch des Zentrums Oekumene ist zugleich der Ordinationsvers von Sabine Müller-Langsdorf. Diese Koinzidenz verlieh dem Abschied eine zusätzliche symbolische Tiefe – der Ort ihres Wirkens und ihr beruflicher Ausgangspunkt waren auf besondere Weise miteinander verbunden.

Berufliche Laufbahn

Pröpstin Bertram-Schäfer zeichnete den beruflichen Weg der Theologin nach, der von ihrem frühen Engagement in der Friedensbewegung und ihrem Interesse an Fragen von Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung geprägt war. Nach Stationen in der Gemeindearbeit in Offenbach, als Studierendenpfarrerin in Darmstadt sowie in der religionspädagogischen Arbeit am dortigen Elisabethenstift führte ihr Weg 2012 nach Frankfurt. Im Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das seit 2015 gemeinsam von EKHN und Evangelischer Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) getragen wird, fand sie als Friedenspfarrerin ein Arbeitsfeld, in dem sich ihre theologischen Überzeugungen und ihr gesellschaftliches Engagement in besonderer Weise verbinden konnten.

Menschen begleitet, die nach Frieden suchen

In ihrer Würdigung hob die Pröpstin von Nord-Nassau hervor, dass Sabine Müller-Langsdorf immer wieder „Rede und Antwort“ gestanden habe für die Hoffnung auf Gottes Frieden und Gerechtigkeit – gerade in Zeiten, in denen Hoffnung keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Sie habe Menschen begleitet, die nach Wegen des Friedens suchten, sich für die Gewissensfreiheit von Kriegsdienstverweigerern eingesetzt und kirchliche wie gesellschaftliche Debatten mit fachlicher Kompetenz und großer Sensibilität mitgestaltet.

Besonders prägend war ihr Engagement in den Jahren des syrischen Bürgerkriegs und der Fluchtbewegungen nach Europa. Gemeinsam mit Partnerorganisationen und ökumenischen Netzwerken setzte sie sich für die Begleitung von Geflüchteten ein und engagierte sich in Friedensprojekten, unter anderem auf Lesbos und in Thessaloniki.

Ökumenische Verbundenheit auch während des feierlichen Abschieds

Die internationale und ökumenische Verbundenheit, die ihr Wirken über viele Jahre geprägt hat, wurde auch im Gottesdienst sichtbar. Musikalische Beiträge des Chors der Koreanischen Gemeinde sowie einer Partnerschaftsdelegation aus Tansania und Schweden verliehen der Feier eine besondere Note. Dabei wurde auch die enge Verbindung zur Koreanischen Gemeinde deutlich, die sie unter anderem im gemeinsamen Engagement für Frieden, Erinnerungskultur und Versöhnung rund um die Friedensstatue für die sogenannten „Trostfrauen“ gepflegt hat.

Verlässliche Wegbegleiterin als stellvertretende Leiterin

Seit 2023 war Sabine Müller-Langsdorf zudem stellvertretende Leiterin des Zentrums Oekumene der EKHN und der EKKW. In Erinnerung bleibt sie dort als eine engagierte Theologin, kluge Impulsgeberin und verlässliche Wegbegleiterin, die auch in kontroversen Diskussionen den Dialog suchte und den Menschen hinter den unterschiedlichen Positionen im Blick behielt. So beschrieb es Oberkirchenrätin Christina Schnepel als Leiterin des Zentrums Oekumene in ihren Dankesworten stellvertretend für die Mitarbeitenden.

Im Namen der Kirchenleitung dankte Pröpstin Bertram-Schäfer ihr für ihren langjährigen und segensreichen Dienst: „Die Hoffnung, für die Sie eingestanden sind, bleibt Aufgabe der Kirche. Sie bleibt Auftrag für die Menschen, die nach Ihnen kommen. Sie bleibt unser aller Aufgabe. Und sie bleibt Geschenk Gottes.“

Mit guten Wünschen und Gottes Segen wurde Sabine Müller-Langsdorf schließlich in den neuen Lebensabschnitt verabschiedet. Ganz von ihrer Berufung lässt sie dabei nicht: Ab September übernimmt sie als Pfarrerin im Ruhestand eine Auslandspfarrstelle in Thessaloniki.

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