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EKHN-Pionierin Christel Keller-Wentorf verstorben
veröffentlicht 27.02.2026
von Öffentlichkeitsarbeit
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) trauert um eine profilierte Wegbereiterin der feministischen Theologie und der wissenschaftlichen Erforschung christlicher Spiritualität: Prof. Dr. Christel Keller-Wentorf ist im Alter von 83 Jahren verstorben, wie die Familie mitteilte.
Christel Keller-Wentorf galt als evangelische Pionierin und prägte als Professorin viele Theologinnen und Theologen. Wie ihre Familie mitteilte starb sie am 25. Februar 2026 im Alter von 83 Jahren. Ihre Biografie ist von Aufbruchsbewegungen geprägt: Nach ihrer Zeit als Gemeindepfarrerin in Wiesbaden und Steinfurth sowie als Schulpfarrerin in Bad Nauheim und Frauenpfarrerin in Lübeck übernahm sie als erste Frau 1983 in Gießen das Amt einer Studierendenpfarrerin in der EKHN. Später wurde sie als erste Frau an das Theologische Seminar in Friedberg berufen, wo sie von 1991 bis 1997 Professorin für Homiletik und Liturgik (Predigtlehre und Gottesdienstgestaltung) war. Danach hatte sie unter anderem einen Dienstauftrag an der Universität Mainz inne, an der sie an der Theologischen Fakultät ebenfalls das Fach Homiletik unterrichtete.
Zwischen Wissenschaft und Praxis
In ihrer Forschungsarbeit widmete sie sich ‑ in Aufnahme und Weiterführung mancher Impulse ihres Lehrers Carl Heinz Ratschow - insbesondere der theologischen Reflexion von Spiritualität und christlicher Lebensführung. Als Mitgründerin und zweite Direktorin des Instituts für Evangelische Aszetik an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau profilierte sie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Frömmigkeitsstilen und gelebtem Glauben. Dort war sie bis zuletzt auch Lehrbeauftragte für Praktische Theologie. Ihr wissenschaftliches Engagement zielte auf die Stärkung des geistlichen Lebens. So initiierte sie unter anderem das Treffen der Geistlichen Gemeinschaften in der EKHN.
Engagement für Gleichstellung
Ein zentrales Anliegen von Keller-Wentorf war neben der Predigtlehre und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Fragen der Spiritualität auch die feministische Theologie sowie die rechtliche und praktische Gleichstellung von Frauen in der Kirche. Am Theologischen Fachbereich der Johann Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt hatte sie einen Lehrauftrag für feministische Theologie inne. Als Mitinitiatorin des Pfarrerinnentags der EKHN, als Mitglied im „Beirat zur Förderung der Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche“ sowie als Mitglied des Theologischen Ausschusses der Kirchensynode gestaltete sie Reformprozesse der Landeskirche maßgeblich mit.
Würdigung durch die Kirchenleitung
Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf würdigte Keller-Wentorf für die EKHN-Kirchneleitung als profilierte Theologin und als Wegbereiterin des feministischen Aufbruchs in Hessen-Nassau: „Christel Keller-Wentorf hat mit akademischer Präzision und persönlichem Mut Wege der Gleichberechtigung aufgezeigt. Die EKHN verliert mit ihr eine leidenschaftliche Theologin und Lehrerin der Spiritualität, die wissenschaftliche Klarheit mit gelebtem Glauben zu verbinden wusste.“ Keller-Wentorf habe Scherf nicht nur als Ausbilderin am Theologischen Seminar, sondern auch persönlich sehr geprägt.
Die Beisetzung findet am 6. März um 11 Uhr in Seedorf (bei Ratzeburg, Schleswig-Holstein) statt.
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