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Vom Spielfeld ins Leben: Was die WM über Vertrauen, Gemeinschaft und Missstände verrät
veröffentlicht 08.06.2026
von Online-Redaktion der EKHN
Die Fußball‑WM begeistert Millionen – und zeigt zugleich, wie wichtig Teamgeist, Fairness und ein kritischer Blick auf Strukturen sind. Präses Thorsten Latzel betont die verbindende Kraft des Sports, während Pfarrer Florian Wächter erklärt, wie echte Gemeinschaft entsteht – auf dem Platz und im Alltag.
Während der Fußball‑Weltmeisterschaft der Männer vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in Kanada, den USA und Mexiko sind viele Fans wieder im Ausnahmezustand. Zum Start des Turniers erinnert der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Thorsten Latzel, an die besondere Kraft des Sports. Fußball könne Menschen weltweit verbinden und in herausfordernden Zeiten Gemeinschaft stiften. „Sport ist eine wunderschöne Gabe Gottes. Die WM bietet die Chance, Freude zu teilen und Grenzen zu überwinden“, sagt der Sportbeauftragte und rheinische Präses Latzel. Christliche Werte wie Teamgeist, Fairness und Mitmenschlichkeit seien heute wichtiger denn je.
Wie echter Teamgeist entsteht – auf dem Platz und im Alltag
Pfarrer Florian Wächter aus der Region Büdingen greift diesen Gedanken in einer Instagram‑Andacht auf dem Kanal ekhn.gemeinsam auf. Er beschreibt, wie herausfordernd es sein kann, ein Team zu bilden – besonders wenn frühere Rivalen plötzlich zusammenarbeiten sollen.
„Ihr müsst nicht mit jedem privat bestens befreundet sein, um Großes zu bewegen. Aber fokussiert euch auf eure Stärken, bringt andere zum Glänzen und spielt euch im Alltag die Bälle zu! “
Pfarrer Florian Wächter
Für Wächter beginnt Teamgeist mit einer bewussten Entscheidung: „Vertrauen ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung.“
Er benennt drei Prinzipien, die Teams stark machen:
- Vorschuss‑Vertrauen, das wachsen darf,
- Fokus statt Ego, denn das gemeinsame Ziel ist größer als alte Konflikte,
- Rollen akzeptieren, denn nicht alle müssen Kapitän sein.
Ein biblisches Bild findet er bei Paulus: „Der Leib ist einer und hat doch viele Glieder“ (1. Kor 12). Für Wächter zeigt das, dass Gemeinschaft nicht Gleichmacherei bedeutet, sondern das Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken. Seine Ermutigung: „Spielt euch im Alltag die Bälle zu", so entstehe ein Team, das stärker ist als jede und jeder allein.
WM mit wachem Blick: Begeisterung und Kritik gehören zusammen
Neben der Freude am Turnier mahnt Latzel in einer EKD-Mitteilung zu einem kritischen Blick auf einige Rahmenbedingungen. Die WM sei ein Fest der Fans – nicht der Konzerne oder politischen Interessen. Wo Fußball instrumentalisiert werde, brauche es kreativen Protest und klare Worte.
Besonders problematisch sieht er:
- die zunehmende Kommerzialisierung und künstliche Spielunterbrechungen,
- ökologische Belastungen durch Reisen und Austragungsorte,
- steigende Ticketpreise und sinkende Teilhabe.
Einen Boykott lehnt er ab. Stattdessen wirbt er für eine Sportkultur, die Fairness unterstützt, demokratische Kräfte stärkt und Missstände klar benennt „ohne den Fußball selbst aus dem Blick zu verlieren.“
Verbindung zwischen Glaube und Sport
Zwischen Glaube und Sport sieht Latzel viele Parallelen: „In beiden geht es um Haltung, Fairness, Teamgeist und Freiheit. Sport ist eine herrliche Schöpfungsgabe Gottes – eine der schönsten Nebensachen der Welt.“ Zugleich warnt er vor einer Überhöhung des Fußballs: „Es gibt keinen Fußball-Gott, sondern nur den einen Gott, der uns Menschen liebt – einschließlich unserer Leidenschaft für den Sport.“
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