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Schokoladen-Nikoläuse als Bischöfe mit Bischofsmützen und Hirtenstäben

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Dem Nikolaustag und anderen Geschenkebringern auf der Spur

veröffentlicht 13.11.2023

von Online-Redaktion der EKHN, Hans Genthe

Kinder und Erwachsene fiebern dem 6. Dezember, dem Nikolaustag entgegen. Tatsächlich steckt hinter dem Tag eine alte Legende. Wie sieht es mit Figuren wie dem Christkind und dem Weihnachtsmann aus?

Mit Süßigkeiten und viel Freude im Bauch – so starten viele Kinder und Erwachsene am 6. Dezember in den Tag. Ein Lieblingsmensch hat vielleicht kleine Geschenke in den Stiefel gesteckt, der am Abend zuvor vor der Zimmertür aufgestellt wurde. Der Brauch, an diesem Tag anderen etwas Gutes zu tun, wurzelt in den christlichen Legenden über Bischof Nikolaus von Myra, der Anfang des 4. Jh. n. Chr. Kindern und armen Menschen geholfen haben soll.

Der Nikolaustag lädt auch Erwachsene dazu ein, sich einen Moment der Stille zu gönnen. In Gedanken oder im Gebet können Erinnerungen daran auftauchen, die sich auf diese Frage beziehen: Womit hat mich Gott schon beschenkt? 

epd-Video: Warum feiern wir am 6. Dezember den Nikolaustag?

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Bedeutung des Nikolaustages in den Kirchen

Wer war der Nikolaus?

Eine Ikone des Heiligen Nikolaus

© gettyimages, kalistenna

Eine Ikone des Heiligen Nikolaus

Tatsächlich sind über den Nikolaus, der auf dem Gebiet der heutigen Türkei gelebt haben soll, mehrere Legenden überliefert.  Zuverlässige Quellen gibt es über ihn aber kaum. Heute wird angenommen, dass sich hinter seiner Figur zwei Persönlichkeiten verbergen: Nikolaus von Pinara und Nikolaus von Myra. Die Überlieferungen sind untrennbar in den Legenden über Nikolaus von Myra verschmolzen.

Die älteste Version seines Lebenslaufes stammt aus dem Jahr 880 n. Chr. , Nikolaus von Myra soll aber um das Jahr 300 n. Chr. gelebt haben – zwischen seinen Lebzeiten und den Aufzeichnungen liegen also 580 Jahre. Die unterschiedlichen Verfasser berichten, dass Nikolaus in der Stadt Patara geboren sein soll, ihre Ruinen liegen heute auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Sein Vater soll Epiphanius geheißen haben, seine Mutter Johanna. Mit 19 Jahren wurde Nikolaus zum Priester geweiht. Nikolaus soll auch ins Heilige Land gepilgert sein. Als er zurückkehrte, wurde er in Myra zum Bischof gewählt - daher zeigen ihn ältere bildliche Darstellungen mit bischöflicher Amtstracht.

Nachdem seine Eltern an der Pest gestorben sind, erbte er ihr Vermögen und konnte dadurch Hilfsbedürftige unterstützen. Die überlieferten Legenden schildern ihn vor allem als Nothelfer. So soll er drei unschuldig verurteilte Feldherren vor deren geplanter Hinrichtung gerettet haben. Man sah ihn als einen heiligen Retter an, der bei Armut hilft, aus Todesgefahr rettet und aus anderen Nöten befreit.

Die Nikolaus-Legenden

Heute ist vor allem der Nikolaus als Gabenbringer bekannt. Dahinter steckt folgende Legende:

Nikolaus hilft drei Schwestern in Not

Ein verarmter adliger Vater dreier Töchter steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Um sein Gesicht als Adliger nicht zu verlieren, scheidet das Betteln für ihn aus. Aber irgendwie muss der Unterhalt verdient werden – und auch die Mitgift für die drei Töchter. Also beschließt der Vater, dass alle drei Töchter, wohlerzogene Mädchen, sich prostituieren müssen. Davon hört der junge Nikolaus, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bischof war, wohl aber gerade ein stattliches Erbe angetreten hatte. Nikolaus zögert nicht lange: In der Nacht wirft er durch das geöffnete Fenster der Mädchen einen Klumpen Gold. Das wiederholt er, bis alle drei Kinder versorgt sind. In der dritten Nacht lauert der verarmte Adlige dem Wohltäter auf, um ihm zu danken. Nikolaus antwortet bescheiden, dass er nichts weiter als die Pflicht eines Christen getan hätte.

Wundersame Hilfe während einer Hungersnot

Als  Nikolaus während einer Hungersnot Schiffe aus Alexandrien mit Korn für Rom vor Anker gehen, bittet er die Kapitäne, der Stadt einen Teil des Korns zu verkaufen. Die Schiffsführer stimmten zu, allerdings nur unter der Bedingung, die Schiffe dürften nicht sichtbar leichter werden. Zur Kontrolle wurden Markierungen an den Schiffsrümpfen angebracht. Und das Wunder geschieht, die Stadt kann Korn für zwei Jahre erwerben. Im Mittelpunkt der Verehrung des Heiligen Nikolaus stehen kleine Geschenke für die Kinder am Nikolaustag.  

Und wer ist das Christkind?

Mädchen als Engel verkleidet

© gettyimages, image source white

Über das Christkind gibt es keine klaren Vorstellungen: Ursprünglich war es das neugeborene Christuskind, die Bevölkerung stellte sich dann aber ein engelgleiches Wesen vor.

Im Mittelalter verändert sich die helfende Rolle des Nikolaus, als die Gestalt des Knecht Ruprecht dazukommt, die den gütigen Nikolaus begleitet und Verfehlungen bestraft. Martin Luther wollte die weit verbreitete Heiligenverehrung in den beliebten Nikolausbräuchen zurückdrängen und empfahl den „Heiligen Christ“ als Geschenkebringer - und zwar zum Weihnachtsfest. Vor allem in protestantischen Gegenden setzte sich das Christkind als Überbringer von Geschenken an Weihnachten durch. Zunächst erinnerte das Christkind in seinem Aussehen an das Jesuskind, im Brauchtum veränderte es sich allerdings. Es entwickelte sich die Vorstellung eines engelsähnlichen Wesens. Nach und nach verbreitete sich das Schenken zum Weihnachtsfest erst im 19. Jahrhundert und hat die Nikolausgeschenke etwas verdrängt. Bis dahin gab es die Geschenke bereits am Nikolaustag und Weihnachten nichts.

An die Vorstellung eines Christkindes lehnen sich noch heute Weihnachtsbräuche in Familien an:

Aus Nikolaus wird Santa Claus

Santa Claus

© gettyimages, choreograph

Die Vorstellungen über den Nikolaus haben sich verselbständigt: Für die Nordamerikaner:innen bringt er die Geschenke als Santa Claus auf einem Rentierschlitten

Im Mittelalter waren es vor allem Kaufleute und Seefahrer, die den heiligen Nikolaus verehrten und ihre Bräuche auch in die neue Welt mitnahmen. Claas, Claus oder Klaus sind Abkürzungen des Namens Nikolaus. Deshalb heißt der holländische Weihnachtsmann Sinterclaas, der amerikanische Santa Claus

In Nordamerika erschien Santa Claus dann als Weihnachtsmann, der mit seinen Geschenkpaketen auf einem von fliegenden Rentieren gezogenen Schlitten daherkommt. Einem Kobold gleich rauscht er durch den Kamin, um Geschenke im Haus zu verteilen. Der Nikolaus vom Nordpol ähnelt stark dem skandinavischen "Tomte", der die Menschen mit Rute und Nüssen auf den langen und kalten Winter vorbereitet und in Lappland wohnt. 

Wie kommt der Weihnachtsmann zu seinem roten Mantel und der roten Mütze?

Weihnachtsmann auf Fahrrad

© gettyimages, demaerre

Auch die Vorstellung über den Weihnachtsmann lässt sich auf den Nikolaus zurückführen

Der traditionelle Nikolaus, trägt ein Bischofsgewand sowie eine Bischofsmütze mit einem Kreuz. Und er hält einen Hirtenstab sowie eine Bibel in der Hand. So sahen auch noch die ersten Nikolausfiguren aus Schokolade aus dem Jahr 1820 aus. Aber schon die Darstellung des Nikolaus im Struwwelpeter aus dem Jahr 1844 ist dem heutigen Bild des Weihnachtsmanns auffallend ähnlich. Der trägt keine Bischofsmütze mehr, sondern eine Zipfelmütze. In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts setzte sich mehr und mehr die heute weitverbreitete rot-weiße Robe des Weihnachtsmanns durch. 
 
Weltweit verbreitet und verfestigt haben das Zeichnungen des amerikanischen Grafikers und Cartoonisten Haddon Sundblom, der von 1931 bis 1966 zwecks Werbung für die Coca-Cola Company jährlich den Weihnachtsmann zeichnete. Auch hier entstand gleich eine neue Legende: Das Modell Sundbloms sei ein pensionierter Mitarbeiter von Coca-Cola gewesen.

Zuwachs: Die Weihnachtswichtel sind da!

Kleinkind vor einer Wichteltür

© gettyimages, filippobacci

Einige Familien haben Bräuche rund um den Weihnachtswichtel eingeführt - dazu gehört auch eine Wichteltür

In der Advents- und Weihnachtszeit bleibt es längst nicht mehr beim Nikolaus, dem Christkind und dem Weihnachtsmann. Seit 2020 sind in den Wohnzimmern auch vieler hessen-nassauischer Familien die Weihnachtswichtel eingezogen. Der Brauch stammt aus Skandinavien und die Eltern erwecken den Eindruck, dass nachts im Verborgenen kleine Wichtel allerlei Streiche spielen, die Kinder um kleine Gefallen bitten oder ihnen eine Aufmerksamkeit schenken. Einige evangelische Religionspädagog:innen ermutigen, den Wichtelbrauch mit christlichen Werten wie Nächstenliebe zu verbinden.

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