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Wenn Menschen sich nicht gesehen fühlen – warum das belastet
veröffentlicht 26.08.2026
von epd, Karsten Packeiser
Viele Menschen kennen das Gefühl, von nahestehenden Personen nicht wirklich gesehen zu werden – Kinder, Jugendliche, aber auch Menschen in Partnerschaften. Ein Mainzer Psychologe erklärt, warum dieses Muster Beziehungen belastet und wie Eltern und Paare ihr Gegenüber wieder direkter wahrnehmen können.
(epd). Der Eindruck, von den eigenen Eltern oder dem Ehepartner nicht «gesehen» zu werden, kann nach Aussage des Mainzer Psychologen Olaf Jacobsen-Vollmer ernsthafte psychische Probleme auslösen. Mit der Zeit könne ein chronisches Gefühl entstehen, mit seinen Bedürfnissen grundsätzlich nicht wahrgenommen zu werden: «Diese Menschen erleben das dann in vielen Lebensbeziehungen.»
Angebote der Eltern passen nicht immer zu den Bedürfnissen der Jugendlichen
Gerade Jugendliche hätten oft den Eindruck, nicht gesehen zu werden, sagte der Leiter der Evangelischen Psychologischen Beratungsstelle in Mainz. Der Trend bestehe ungeachtet des Umstands, dass viele moderne Eltern extrem darauf achteten, bei der Erziehung ja nichts falsch zu machen. Doch auch, wer jeden Tag überlege, welche pädagogisch wertvollen Angebote er seinem Kind machen könne, laufe Gefahr, dessen tatsächliche Bedürfnisse zu übersehen.
Mit der Sichtweisen, den Gefühlen und Motiven des Gegenübers ernsthaft auseinandersetzen
Entscheidend dabei, die Beziehung zu den eigenen Kindern, aber auch zu Partnerin oder Partner zu stärken, sei nicht, in allen Fragen deren Sichtweise zu übernehmen, sagte Jacobsen-Vollmer: «In der Regel geht es darum, wieder den emotionalen Anteil der Beziehung zu stärken.» Das Problem des «Nicht-gesehen-Werdens» tauche in der Beratung bei vielen Paaren auf, die in einer Ehekrise Hilfe suchten: «Es gibt Personen, die fühlen sich auch in der eigenen Ehe ausgeschlossen.» Menschen wollten nicht bei allen Kontroversen Recht behalten, aber das Gefühl haben, dass ihre Bezugspersonen sich mit ihrer Sicht und ihren Motiven ernsthaft auseinandersetzen.
Akzeptanz von Menschen, die einem etwas bedeuten
Die Verfügbarkeit von Social-Media-Plattformen zur ständigen Selbstdarstellung sei keine Hilfe für Menschen, die sich nicht wahrgenommen fühlen, betonte der Psychologe: «Wenn ich mich auf Social Media inszeniere, bedeutet das nicht, dass Leute mich so sehen, wie ich gesehen werden will.» Im Gegenteil könne dies Gefühle von Verzweiflung und Einsamkeit sogar steigern, wenn lobende Kommentare ausbleiben oder Abonnenten mit Häme auf gepostete Inhalte reagieren. Entscheidend sei das Bedürfnis, von Menschen akzeptiert zu werden, die einem selbst etwas bedeuteten.
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