
© Ev. Hochschule Hessen
Aufbruchsstimmung lag in der Luft: Auf dem Hephata-Gelände in Schwalmstadt-Treysa haben am Sonntag, 27. September 2026, rund 150 Gäste die Eröffnung der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH) im Rahmen eines Festakts gefeiert. Im April dieses Jahres war die neue Hochschule aus der Fusion der ehemaligen Evangelischen Hochschule Darmstadt und der CVJM-Hochschule Kassel hervorgegangen.
Zur Feier kamen Studierende, Mitarbeitende, Wegbegleiter:innen sowie zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen dabei auch diejenigen, die die Gründung der EHH ermöglicht haben: das Land Hessen, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und der CVJM Deutschland. Gemeinsam haben sie den Weg für die Fusion bereitet und die neue Hochschule auf ein langfristig tragfähiges finanzielles Fundament gestellt.
Gefeiert wurde deshalb nicht nur die gelungene Fusion im April. Auch das erste Semester der EHH an drei Standorten, die begonnenen Bau- und Umbaumaßnahmen in Treysa, und die Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Trägern, Kuratorium und Land Hessen gaben Anlass zum Zusammenkommen, was man auch an der Eröffnungsrede von Prof. Dr. Uwe Becker, dem Präsidenten der EHH merkte: Mit großer Dankbarkeit blickte dieser zurück auf das gemeinsam Erreichte und mit ebenso großer Dankbarkeit blickte er auf das, was noch kommt – in dem Wissen, dies mit breiter Unterstützung der Anwesenden angehen zu können.
Gottesdienst zeigt neue Identität der Hochschule
Den offiziellen Auftakt bildete ein Gottesdienst, der von den drei Trägervertretungen, Ulrike Scherf, Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, Prof. Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der EKKW, und Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland, gemeinsam gestaltetet wurde. Dabei ging es um eine neue Identität in der EHH, um ihre Verwurzelung im christlichen Menschenbild und ihre Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben.
„Gemeinsam neu zu werden bedeutet nicht, die eigene Herkunft zu vergessen. Die unterschiedlichen Geschichten dürfen sichtbar bleiben – und zugleich entsteht daraus etwas Neues, auf das wir uns freuen“, betonte Hansjörg Kopp, und formulierte in der Predigt: „Unterschiede gab es. Das gilt nicht mehr. Jetzt gilt: Ihr seid. Nicht: Ihr solltet sein. Werdet endlich. Oder strengt euch an, damit ihr irgendwann zusammengehört. Sondern: Ihr seid.“
Die EHH stehe für ein Bildungsverständnis, das Menschenwürde, Diversität, soziale Verantwortung sowie wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen miteinander verbinde, hob die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Beate Hofmann, in ihrem Predigtteil hervor. Jesus Christus als „Eckstein“ einer christlichen Hochschule zu betrachten, bedeute, „dass wir uns in unserem Denken und Handeln immer wieder von den biblischen Traditionen überprüfen und herausfordern lassen“, so die Bischöfin. Sie ermutigte, zu hinterfragen: „Entsprechen unsere Lehre und unsere Entscheidungen christlichen Werten und einem christlichen Menschenbild?“ Auch das präge die neue Identität der EHH.
Ulrike Scherf richtete, als Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, den Blick anschließend auf die Menschen, die an der EHH ausgebildet werden: „Die Evangelische Hochschule Hessen bildet Menschen für soziale Berufe aus. Damit leistet sie weit mehr als einen Beitrag zur beruflichen Qualifizierung. Sie stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie stärkt das gelingende, solidarische und demokratische Miteinander. Oder anders gesagt: Die Hochschule fördert Menschen, die anderen Menschen Würde zusprechen. Zusammengehalten von Christus, dem Eckstein. Und offen für das Wirken des Heiligen Geistes. Dafür lohnt es sich zu lernen. Dafür lohnt es sich zu lehren. Dafür lohnt es sich, diese neue Hochschule heute mit Hoffnung zu eröffnen.“
Ein starkes Signal für die Region
Im Anschluss würdigten Kuratoriumsvorsitzender Dr. Klaus Bartl, Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels, Staatssekretärin Manuela Strube und Schwalmstadts Bürgermeister Tobias Kreuter die Gründung der EHH in ihren Grußworten. Dabei wurde deutlich, wie breit die Unterstützung für die neue Hochschule ist. Diese neue Hochschule werde gebraucht, hieß es. Nicht nur, weil sie junge Menschen zu dringend benötigten Fachkräften im sozialen und Gesundheitsbereich sowie für die Kirchen und Jugendverbandsarbeit ausbilde, sondern auch, weil sie durch ihre christliche Werteorientierung einen wichtigen Beitrag für eine demokratische Gesellschaft liefere. Der EHH gelänge es schon jetzt, nach so kurzer Zeit, Teilhabe, Bildung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden ebenso wie wissenschaftliche Fundierung und Empathie.
Besonders die Bedeutung des künftigen Standorts Treysa für die Region wurde hervorgehoben. Mit der Hochschule komme ein wichtiger Bildungs- und Wissenschaftsstandort nach Nordhessen, der den ländlichen Raum nachhaltig stärken und neue Impulse für die Region setzen könne. Dies unterstrich auch der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels in seiner Rede: „Wir feiern heute die offizielle Eröffnung der Evangelischen Hochschule Hessen am Standort Treysa – und lösen damit ein wichtiges Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein: Der Zusammenschluss der CVJM Hochschule und der Evangelischen Hochschule Darmstadt schafft eine gute Perspektive für das hessische Hochschulsystem, die Mitglieder und Angehörigen der Hochschule sowie den Bildungsstandort Nordhessen“, so Gremmels. „Wir stellen die Hochschule auch wissenschaftlich stärker auf: Der Staatsvertrag sieht eine Gleichstellung der Evangelischen Hochschule Hessen mit staatlichen Hochschulen vor, was das Promotionsrecht und eine bestimmte Antragsberechtigung betreffen. Ich freue mich, dass mein Ministerium diese Prozesse im Kuratorium begleitet.“
Auch das gemeinsame Fundament der neuen Hochschule wurde an diesem Tag ganz praktisch sichtbar: Vor der Bibliothek auf dem Hephata-Gelände gossen die Gäste gemeinsam den Gründungsbaum der EHH. Er soll dort in den kommenden Jahren wachsen –und damit zu einem sichtbaren Zeichen für die junge Hochschule werden. Das hob auchder theologische Vorstand der Hephata-Diakonie, Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt, hervor: Nicht nur der Baum wachse und nehme Form an, auch die Gebäude, die Lernende und Lehrende der EHH ab dem nächsten Spätsommer nutzen, werden gerade auf die Bedürfnisse der neuen Hochschule hin angepasst. Im Johannes-Falk-Haus auf dem Hephata-Gelände wird studentisches Wohnen möglich werden. Die Sanierungskosten hierfür werden auf 3,86 Millionen Euro geschätzt, für die die Hephata-Diakonie Fördermittelder Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen beantragt hat. Im Haus Bethanien wird eine weitere Etage für die EHH renoviert. Für die Umbaumaßnahmen sind 925.000 Euro veranschlagt, die über eine Mitkostenvorauszahlung und Vermietung an die EHH refinanziert werden sollen. „Der Hephata-Campus wird so zu einem attraktiven Lern- und Lebensort für Studierende aus dem gesamten Bundesgebiet“, sagt Dietrich-Gibhardt. „Und wir freuen uns, dass wir dies mit unserer Energie, unserer Unterstützung und unseren –auch finanziellen – Ressourcen umsetzen können.“
Beim anschließenden Empfang blieb schließlich viel Zeit für Gespräche. Bei Getränken und Grillbuffet wurde bis in den Abend hinein auf die neue Hochschule angestoßen.
Hintergrund:
Die Evangelische Hochschule Hessen (EHH) ist ein Zusammenschluss der beiden vormaligen Hochschulen Evangelische Hochschule Darmstadt und CVJM-Hochschule Kassel. Sie hat zum 01. April 2026 ihren Betrieb aufgenommen. Die EHH mit ihren 1650 Studierenden, 14 akkreditierten Studiengängen und etlichen Weiterqualifizierungsangeboten sowie knapp 150 Mitarbeitenden ist das Ergebnis eines intensiven, mehrjährigen Entwicklungsprozesses, der von kirchlichen, politischen und hochschulinternen Akteur*innen gemeinsam gestaltet wurde. Ziel ist eine starke, zukunftsfähige Hochschule, die akademische Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung, diakonischer Praxis und werteorientierter Bildung verbindet.
Die EHH ist eine kirchliche Einrichtung öffentlichen Rechts unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Die Evangelische Kirche in Kurhessen-Waldeck und der CVJM Deutschland beteiligen sich –ebenso wie das Land Hessen – an der Trägerschaft der Hochschule.



