
© Eva Saarbourg
Fürbitten-Gebet und „Fest der Demokratie“ in Gießen
veröffentlicht 28.11.2025
von epd/red
Wie stehen wir für Demokratie ein? Am ersten Adventswochenende 2025 zeigt sich das in Gießen: Beim „Fest der Demokratie“ ist die evangelische Kirche dabei – und begleitet das Engagement mit einem Fürbitten-Gebet.
Parallel zur geplanten Gründung einer AfD-Jugendorganisation setzen zahlreiche Gruppen in Gießen ein Zeichen für Demokratie am kommenden Wochenende. "Viele Leute werden an dem Wochenende auf Gießen schauen", sagte der evangelische Stadtkirchenpfarrer Gabriel Brand.
Die evangelische Kirche ist maßgeblich an der Ausrichtung eines "Festes der Demokratie" vor dem Gießener Rathaus beteiligt. Dort werden sich ab Samstagmittag Gruppen und Initiativen mit Ständen präsentieren, unter anderem die Lebenshilfe, die Jugendwerkstatt und Parteien.
Fürbitten-Gebet anlässlich des „Festes der Demokratie“ in Gießen
Die Kirche möchte ihre gesellschaftliche Verantwortung auch geistlich begleiten. So hat in der zuvor stattfindenden Synode der EKHN der Synodale Gerhard Schulze-Velmede ein Gebet anlässlich des kommenden Ereignisses gesprochen, das weiter geteilt werden kann:
Herr Gott,
Du hast uns geschaffen, so wie wir sind,
in unserer Vielfalt und in unserer Einzigartigkeit,
jeder und jede ist ein von Dir geliebter Mensch.
Wir bitten Dich, lass es uns gelingen,
dass wir als Christinnen und Christen und
als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes deutlich machen,
dass allen Menschen eine unangreifbare Menschenwürde zusteht.
Vor Dir haben alle Menschen denselben Wert,
Gerechte und Ungerechte,
Glaubende und Zweifelnde,
Große und Kleine,
Deine Gnade umfasst alle Menschen –
unabhängig von Geschlecht, Nation oder Religion, Herkunft und Prägung.
Wir bitten Dich,
mach uns stark,
wo dieser Grundsatz in Frage gestellt wird,
gib uns Kraft,
dass wir für Vielfalt eintreten, wo Ausgrenzung gefordert wird,
dass wir uns für Frieden einsetzen, wo Hass gepredigt wird,
dass wir aufeinander zugehen, wo uns Ablehnung entgegenschlägt.
Herr Gott,
wir bitten Dich,
gib allen Menschen,
die sich am Wochenende in Gießen versammeln,
Besonnenheit und Einsicht,
dass Hass und Gewalt der falsche Weg sind.
Wir bitten Dich um Bewahrung und Vernunft bei ihrem Handeln.
Wir bitten Dich
für unsere Regierungen,
dass sie die richtigen Entscheidungen treffen,
damit alle Menschen in Frieden und Gerechtigkeit leben können.
Wir bitten dich
um Bereitschaft,
aufeinander zu hören und miteinander zu reden,
um gemeinsam Wege in eine gute Zukunft zu finden.
So bitten wir Dich um Frieden für uns,
für unser Land und für die ganze Welt.
Amen.
(von Gerhard Schulze-Velmede)
Haltung zeigen
Damit wird deutlich: Kirche und Stadtgesellschaft treten gemeinsam für Demokratie und Vielfalt ein. Auf dem „Fest der Demokratie“ sprechen unter anderem Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) sowie die evangelische oberhessische Pröpstin Anke Spory.
Zur Teilnahme am "Fest der Demokratie" riefen auch die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christiane Tietz, und der Bischof des Bistums Mainz, Peter Kohlgraf, auf.
Bisherige Nachwuchsorganisation löste sich auf
Die Polizei bereitet sich nach eigenen Angaben seit mehreren Wochen auf den Einsatz vor. Die bisherige Nachwuchsorganisation der AfD hatte sich im März aufgelöst. Solange die AfD als Partei nicht verboten sei, stehe es ihr frei, auch wieder eine neue Jugendorganisation zu gründen, sagte die Gießener Politologin Dorothée de Nève in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es geht um die Interessenvertretung und die Selbstorganisation von Bürgern - in diesem konkreten Fall eben um die Selbstorganisation von jungen Bürgern am extremen rechten Rand des politischen Spektrums." Im breiten Protestbündnis gegen die Gründungsversammlung sieht sie "ein starkes Signal für Zusammenhalt und Partizipation".
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