Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Jugendliche mit einem Smartphone

© Getty Images, ridofranz

Eine verlässliche Community hilft, dem Hass auf Social Media die Stirn zu bieten
  • Digitale Kirche
  • Jugend

Tipps gegen Hass im Netz

veröffentlicht 06.01.2024

von Stefanie Bock

Der Ton in Social Media kann manchmal rau werden. Hasskommentare wirken ziemlich bestürzend. Die Multimedia-Redaktion der EKHN hat Empfehlungen für den Umgang mit der Hetze im Internet zusammengestellt.

Auf Social Media erleben viele Ermutigung und Bestätigung, beispielsweise Content-Creator:innen, die über ihren Glauben kommunizieren oder sich für eine positive Haltung zum eigenen Körper einsetzen (Body Positivity). Dennoch erleben viele User:innen, dass immer wieder Beleidigungen, persönliche Angriffe und Lügen in den Kommentarspalten auf Instagram und anderen Social Media-Kanälen auftauchen. Doch was ist Hass im Netz eigentlich? „Hass im Netz“ benutzen wir als Oberbegriff für verschiedenen Formen verbaler digitaler Gewalt. Dazu zählen unter anderem Hate Speech, Shit-Storms, Cyber-mobbing, Toxic speech. All diese Formen vereint, dass sie andere Menschen erniedrigen, einschüchtern oder ausgrenzen sollen. Was Hassrede ist, entscheidet übrigens nicht der, der schreibt, sondern die oder der Angesprochene.

Warum dem Hass begegnen?

Soll man auf den Hass reagieren oder ignorieren? Tatsächlich schreiben die wenigsten User:innen überhaupt Kommentare auf Instgram und Co. Die meisten sind stille Mitleser:innen. Umfragen zeigen, dass eine große Zahl von Userinnen und Usern nicht an Diskussionen im Internet teilnimmt, weil sie Angst vor Bloßstellung, Provokation und Anfeindungen haben. Die Forsa-Sonderstudie zu Hate Speech für die Landesanstalt für Medien NRW 2019 zeigt, dass die deutliche Mehrheit der Menschen Beleidungen, Hass und Wut auf Social Media nicht in Ordnung findet. Doch, wenn sie ungekontert stehen bleibt, vermittelt HateSpeech den Eindruck, das Denken der Mehrheitsgesellschaft widerzuspiegeln. „Ziel der Gegenrede ist, Meinungsfreiheit zu ermöglichen, indem sie jenen den Rücken stärkt, die argumentieren und diskutieren können und wollen, ohne andere zu beleidigen“, so schreibt es „No Hate Speech Movement Deutschland“.

10 Tipps für den Umgang mit Hass im Netz

1. Netiquette erstellen:

Stelle klare Regeln für deinen Social-Media-Auftritt auf. Schreibe, wie du dir deinen Account vorstellst, was dir wichtig ist und was auf deinem Account nicht erlaubt ist. Erkläre, welche Folgen es hat, wenn sich ein Internetnutzer:in nicht an die Regeln hältst. So machst du dein Vorgehen transparent. Generell gilt:  Deine eigene Sprache in Social Media-Postings und in der Moderation geben den Ton vor, sie haben einen direkten Einfluss auf die Diskussionen unter deinen Beiträgen. Eine Vorlage für eine Netiquette findest du hier (ekhn.link/socialnetiquette)

2. Gegenrede/Counter Speech:

Wenn Hass nicht widersprochen wird, fühlen sich Angreifender:innen bestärkt. Du hast mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

  • Halte Gegenrede. Frage nach, wie der Kommentar gemeint ist oder ziehe eine klare Grenze, was auf deinem Account erlaubt ist und was nicht. Benenne, dass du Diskriminierungen, Generalisierungen und Herabwürdigungen nicht akzeptierst, Faustregel: Tausche vier gute Argumente aus. Meist sind dann alle Argumente genannt und du kannst dich freundlich aus der Diskussion verabschieden.
  • Verweise auf deine Netiquette und gebe dem oder der Kommentarschreiber: in die Möglichkeit, ihren Kommentar zu ändern. Tut sie es nicht, lösche/verberge ihn.
  • Siehst du einen Hass-Kommentar auf einem fremden Account, dann schreibe doch eine Direktnachricht an diejenigen, die den Kanal betreiben und weise sie auf die Hass-Rede hin.
  • Vorsicht mit Humor und Ironie im Internet. Oft kommen ironische Kommentare bei deinem Gegenüber nicht an. Überlege genau, ob sie zu dir und deinem Kanal passen und keine Missverständnisse entstehen.

3. Hasskommentar löschen:

Dein Account, deine Regeln. Du kannst Kommentare löschen oder verbergen. Verbergen hat den Vorteil, dass der Kommentar-Schreiber nicht über dein Vorgehen informiert wird. Es kann ratsam sein, vorab einen Screenshot des Kommentars zu machen und zu dokumentieren.

4. Die Meldefunktion nutzen

Soziale Netzwerke wie Facebook und Youtube haben eine Meldefunktion. Meldet ein User den entsprechenden Kommentar den Betreibern des Netzwerkes, so hat der Verfasser unter Umständen mit Konsequenzen zu rechnen. Erfolgsversprechender ist es allerdings, Kommentare bei einer externen Meldestelle zu melden, unter anderem kannst du ihn bei „Hessen gegen Hetze“ melden oder der Meldeanstalt Medien.

5. Zeige Kommentarschreiber:innen an:

Hat jemand Kommentare auf deinem Account hinterlassen, die

  • beleidigend sind,
  • drohen,
  • private Daten wie die Adresse oder Telefonnummer von Dritten enthalten oder
  • strafrechtlich relevant sind?

Dann kannst du die oder den Hater bei der Polizei anzeigen. Das Bundeskriminalamt hat eine Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet eingerichtet. 

6. Belohne das Positive:

Unser Fokus liegt häufig auf negativen Kommentaren. Respektvolle, sachliche und am Thema interessierte Kommentare rutschen häufig aus unserem Blickfeld. Versuche dies zu ändern. Richte dein Augenmerkt auf bereichernde statt negative Kommentare und „belohne“ diese durch liken oder einen Dank. Motiviere so deine Community respektvoll und konstruktiv zu sein.

7. Netzwerk aufbauen/Community stärken:

Gemeinsam mit anderen bist du stark. Suche dir Gleichgesinnte, unterstützt euch gegenseitig und baut ein Netzwerk auf. Außerdem solltest du deine eigene Community stärken und mit ihr ein gutes Miteinander schaffen. Bleibe im Austausch mit ihr, nimm ihre Anregungen ernst und belohne positive Rückmeldungen. Studien zeigen, dass die Stimmung auf Kanälen besser ist, wenn die Diskussionen moderiert werden.

8. Bleib ruhig:

Reagiere ruhig und sachlich auf Hass-Kommentare. Vermeide es, überheblich oder aggressiv zu kontern. Sonst könnte es passieren, dass andere sich mit dem Kritisierten solidarisieren.

9. Bereite dich vor:

Viele Hass-Kommentare gehen in dieselbe Richtung. Du musst nicht immer wieder neu überlegen, wie du reagieren sollst. Bereite für immer wieder kehrende Postings Antwortvorlagen vor, auf die du zurückgreifen kannst, wenn es hochhergeht.

10. Versuche den Hass nicht an dich heranzulassen:

Zugegeben, es ist nicht leicht, sich von dem Hass abzugrenzen. Das regelmäßige Lesen von Hass-Kommentare kann seelisch verletzend wirken. Vor allem, wenn man persönlich angegriffen wird. Doch mach dir bewusst, dass es nicht um dich als Person geht.

Beratung und Hilfen vom Social Media-Team

Hast du Probleme mit Hate Speech auf deinem Kanal? Hast du Fragen zum Community-Management oder suchst Vorlagen für eine Netiquette? Das EKHN Social-Media-Team ist für dich da. Schreib uns eine Direktnachricht über Social Media oder eine E-Mail an: Social-Media-Ekhn@ev-medienhaus.de

Social Media

Das könnte dich auch interessieren

Mehr Artikel anzeigen
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Aktuelle Nachrichten, geistliche Impulse

Bleiben Sie digital mit uns in Kontakt und wählen Sie aus, welche Themen Sie interessieren.

Newsletter entdecken