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Eine Frauengruppe spielen mit einem Fallschirm in Regenbogenfarben.

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Neben Diskussionen und Workshops ging es auf der Ersten Frauensynode 1992 in Österreich auch darum, Solidarität und Gemeinschaft zu erfahren.
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Frauensynoden

veröffentlicht 06.11.2025

von Britta Jagusch

Frauensynoden stehen im Kontext der weltweiten ökumenischen FrauenKirche-Bewegung. 1992 fand die Erste Frauensynode in Österreich, 1994 die Erste Deutsche Frauensynode in Gelnhausen statt. Es folgten Europäische Frauensynoden 1996 und 2003.

Entstehung der Frauensynoden

Ab 1980 wurde im Frauenreferat des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Genf die Bedeutung von Frauensynoden in Europa diskutiert. Die beteiligten Frauen wollten die Themen Spiritualität, Politik und Wirtschaft verbinden, sich einmischen in die Gestaltung Europas und die starren von Männer geprägten kirchlichen Strukturen verändern. Der Begriff „Synode“ wurde gewählt, um das Selbstverständnis der beteiligten Frauen als Kirche zu definieren. Sie betonten die ursprüngliche Bedeutung einer Synode „miteinander auf dem Weg sein“ und entschieden sich gegen ein Delegationsprinzip. Bei den Versammlungen ging es den engagierten Frauen um die Wiederaneignung der kirchenpolitischen und ökonomischen Macht.

Sieben Frauen blicken in die Kamera, vier stehen, drei sitzen vor den Stehenden. Eine Frau hat einen kleinen Hund auf dem Schoß

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Engagierte Frauen auf der Europäischen Frauensynode in Gmunden, Österreich 1996, unter anderem Lideke In`t Veld, Marlene von Oettingen, Ute Knie und Ute Wild (stehend v.l.).

Ökumenische FrauenKirche-Bewegung

Die Frauensynoden standen im Kontext der weltweiten ökumenischen FrauenKirche-Bewegung. Sie waren interkonfessionell und gut vernetzt mit den bundesweiten Werkstätten Feministische Theologie. In der EKHN gab es zudem gute Verbindungen zur AG Feminismus und Kirchen, der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR), der Initiative Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche: Maria von Magdala, den Frauen an der Basis und in Universitäten sowie dem Netzwerk Frauen in der EKHN.

Internationale Frauennetzwerktreffen

Zur Vorbereitung einer ersten Europäischen Frauensynode fanden Frauennetzwerktreffen in verschiedenen Ländern statt. 1987 in den Niederlanden und in der Schweiz. „Das Ende der Bescheidenheit, Frauen machen Kirche weit“, skandierten die Frauen bei einem internationalen Netzwerktreffen in Bad Boll. Mit dabei, die Mitglieder des Netzwerks Feministische Theologie, das Frauennetzwerk Kirche-Knüpf an, die AG Feminismus und Kirche sowie Frauen aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und England, Mitglieder der FrauenKirche-Bewegung von Marga Bühring, Frauen aus dem ÖRK Schweiz und Rosemary Radford-Ruether (USA). Eine internationale ökumenische FrauenKirche/WomenChurch war das gemeinsame Ziel. Es sollte nichts Trennendes mehr geben, ob Konfessionen, Denominationen, Lebensformen oder Kirchenstrukturen. 
 

Eine große Gruppe von Frauen steht im Halbkreis auf einer Wiese, in der Mitte spielt eine Frau Gitarre im Sitzen. Im Hintergrund Berge

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Frauenpower auf der Ersten Österreichischen Frauensynode in Puchberg/Wels.

1994 Erste Deutsche Frauensynode

Nachdem 1992 die Erste Österreichische Frauensynode in Puchberg/Wels stattfand, konnte Marlene von Oettingen als „Schirmfrau“ 1994 die Teilnehmerinnen der Ersten Deutschen Frauensynode im Burckhardthaus und Frauenstudienzentrum der EKD in Gelnhausen begrüßen. 250 Teilnehmerinnen hatten sich zu der dreitägigen bundesweiten Veranstaltung angemeldet, 140 konnten nur teilnehmen, weil die Räumlichkeiten nicht ausreichten. Aus der EKHN  waren in der vorbereitenden Initiativgruppe Karin Böhmer, Ulrike Hoffmann, Ute Knie und Marlene von Oettingen aktiv.

Forderungskatalog verabschiedet

Am Ende der dreitägigen Frauensynode in Gelnhausen wurde ein Forderungskatalog im Plenum verabschiedet. Es gab die Selbstverpflichtung der anwesenden Frauen, die Forderungen in ihre jeweiligen Leitungsgremien einzubringen (Briefe an Kirchenleitungen, Ordensgemeinschaften, Bischöfe, Kirchenpräsidenten, Bistümer, Deutscher Frauenrat, Kirchenkreisräte, Pfarrkonvente, Gemeinden, Frauenbeauftragte u. a.)

Frauen an die Macht

„Frauen an die Macht  und ein Ende der Bescheidenheit“ formulierte die ehemalige Bundesministerin Eva Rühmkorff ihre Thesen des Einstiegsreferats auf der Ersten Deutschen Frauensynode. In vier Arbeitsgruppen erarbeiteten die Teilnehmerinnen Forderungen im regionalen und internationalen Kontext: 

Spirituelle Macht in der FrauenKirche. Ausbildung in Feministischer Liturgie in Theologischen Seminaren und Lehrstühle für Feministische Theologie. Inklusive und geschlechtergerechte Sprache. Gemäß dem Priestertum aller Gläubigen leiten Frauen aller Denominationen Gottesdienste, Andachten und Kasualien.

Politische Macht durch mehr Frauen in Leitungsfunktionen. Teilbarkeit aller Leitungsämter in Kirche und Politik, Kampf gegen Sexismus und Rassismus. Verfassungsklage gegen die Katholische Kirche wegen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Keine ungeschützten Arbeitsverhältnisse von Migrantinnen. Veränderung §19 Ausländergesetz, Asylrecht.

Sexuelle Macht durch Wertschätzung unterschiedlicher Lebensformen. Widerstand gegen Sexismus und sexuellen Missbrauch, gegen Prostitutionstourismus und internationalen Menschenhandel. Antidiskriminierungsparagraph zum Schutz lesbisch-schwuler Christinnen und Christen im Kirchenrecht.

Ökonomische Macht. Neubewertung einer feministischen Arbeitspolitik. Ökonomietrainings für Frauen. Wirtschaftlich verantwortetes Handeln in der EU. Sichtbarkeit und Anerkennung der kostenlosen ehrenamtlichen Arbeit von Frauen. Arbeit und Beschäftigung von Frauen in Ost und West, Kampf gegen Frauenarmut. Forum auf dem Kirchentag 1995 in Hamburg.

zwei Maskottchen, Frauenumrisse einmal orange einmal blau als Figuren aufgestellt

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Maskottchen der Frauenbewegung prägten die Frauensynoden.

Verbreitung und große Resonanz

Verbreitet wurden die Forderungen durch feministisch theologische Zeitschriften wie Schlangenbrut, Fama, Publik Forum. Die Frauensynode erhielt aber auch darüber hinaus  Resonanz in der Öffentlichkeit. Die Synodenpräsidentin der Nordelbischen Kirche antwortet persönlich, ebenso der Domkapitular der AG christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen, Kirchenleitungen und Ordensleitungen und Kirchenkreisräte antworten direkt den Adressatinnen in ihren Landeskirchen. Kommunale und kirchliche Gleichstellungsbeauftragte reagierten auf die Forderungen.

Europäische Frauensynoden

Ein internationales Vorbereitungskomitee aus 15 europäischen Ländern organisierte die Erste Europäische Frauensynode 1996 in Gmunden. 1000 Frauen aus Europa und weiteren Ländern kamen nach Österreich. Das Thema der Synode lautete „Frauenmacht verändert das 21. Jahrhundert“.  Das ökonomische Denkkonzept der „Weiberwirtschaft“ von Dr. Ina Praetorius war ein zentrales Thema zu feministisch wirtschaftsethischen Überlegungen. Abschließende Resolutionen richteten sich an Verantwortliche in Staat und Kirchen und enthielten eine Selbstverpflichtung der Teilnehmenden. 2002 sollte die Zweite Deutsche Frauensynode in Erfurt zum Thema „Frauen wirtschaften im 21. Jahrhundert“ stattfinden. Die Durchführung scheiterte an nicht ausreichenden finanziellen Mitteln.

Zwei Frauen spielen Trommeln, eine Frau klatscht im Hintergrund. Die drei Frauen machen Musik und sind fröhlich

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Musik verbindet und gibt Kraft: gemeinsames musizieren mit internationalen Gästen auf der Europäischen Frauensynode in Österreich.

Zusammen Vielfalt leben

Die Zweite Europäische Frauensynode unter dem Motto „Zusammen Vielfalt leben“ fand 2003 mit 700 Teilnehmerinnen in Barcelona (Spanien) statt. Die Frage zunehmender Multikulturalität und Multireligiosität Europas gehörte zu den zentralen Themen sowie die Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung von Lesben und die Entwicklung eines gerechten Europas aus feministisch theologischer Perspektive.

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