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Mit der Angst vor Krisen umgehen
veröffentlicht 16.10.2026
von Online-Redaktion der EKHN, Kooperation mit evangelisch.de
Steigende Preise, wirtschaftliche Unsicherheit, politische Entwicklungen und die Sorge vor Krieg: Viele Menschen schauen mit Unbehagen auf die aktuelle Lage. Was kann helfen, wenn die Angst vor Krisen immer mehr Raum einnimmt?
Viele Menschen sind beunruhigt. Welche Sorgen sie umtreiben, zeigt die aktuelle R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“. An erster Stelle stehen wirtschaftliche Fragen: 59 Prozent fürchten stark steigende Lebenshaltungskosten. 53 Prozent bereiten mögliche Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen große Sorgen, 51 Prozent eine schlechtere Wirtschaftslage. Gleichzeitig ist das durchschnittliche Angstniveau über alle abgefragten Themen mit 38 Prozent vergleichsweise niedrig.
Wenn aus Sorge diffuse Angst wird
Doch Zahlen erfassen nicht unbedingt das Gefühl, das sich einstellen kann, wenn eine Krise auf die nächste folgt. Gegenüber evangelisch.de berichtet der evangelische Theologe, Gestalt- und Soziotherapeut und ehemalige Militärdekan Thomas Balzk, dass er in seinen Beratungsgesprächen zunehmend eine schwer greifbare Unsicherheit erlebe. Diese Angst könne sich als Gefühl von Sinnlosigkeit, wachsendes Misstrauen oder sogar als Verunsicherung bei kleinen Alltagsthemen bemerkbar machen. Angst selbst gehört für ihn zunächst zum Menschsein. Auch biblische Geschichten erzählen von Menschen, die Angst, Unsicherheit und Bedrohung erfahren.
Unterscheiden zwischen Wachsamkeit und krank machender Angst
Entscheidend ist deshalb nicht, jede Angst loszuwerden. Hilfreicher könne die Frage sein: Macht mich meine Sorge handlungsfähiger oder nimmt sie mir zunehmend die Fähigkeit zu handeln? In dem Interview beschreibt Balzk die Grenze so: „Gesunde Wachsamkeit öffnet die Augen, krank machende Angst nimmt einem den Boden unter den Füßen.“
Wer merkt, dass die Weltlage lähmt, sollte laut Thomas Balzk deshalb genauer hinschauen: Was macht mir eigentlich Angst? Was lässt mich nicht schlafen oder nimmt mir den Mut? Erst danach geht es darum, einen persönlichen Weg zurück zur Handlungsfähigkeit zu finden. Das kann nach dem evangelischen Theologen und Coach Balzk bedeuten, Nachrichten zeitweise zu begrenzen, mit einem anderen Menschen über die eigene Angst zu sprechen oder die Zuschauerrolle zu verlassen und sich zu engagieren oder anderen zu helfen.
Wer sich gerade von Angst vor Krieg und Krise überwältigt fühlt, legt der Therapeut und Theologe ans Herz: „Die Angst darf anklopfen, so laut sie will. Aber den Schlüssel zu deiner Seele bekommt sie nicht – denn dort wohnt schon Gott.“
Still werden statt Dauerbeschallung
Einen besonderen Stellenwert gibt Balzk der Stille und Kontemplation. In dem Interview auf evangelisch.de stellt er seine Idee eines regelmäßigen „Mönchstages“ vor: Abstand vom dauernden Strom aus Nachrichten, Bewertungen und Reizen, Zeit für Gebet, Stille und Verzicht, möglichst auch ohne Handy. Er bringt das Konzept auf den Punkt:„Geh nicht sofort mit jeder Angst mit. Bleib erst einmal bei dir. Werde still. Atme. Höre. Bete.“ Die Angst müsse dadurch nicht verschwinden. Aber sie könne einen anderen Platz bekommen.
Darin sieht der Theologe auch eine zentrale Botschaft des christlichen Glaubens. Er verweist auf Jesu Worte im Johannesevangelium: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Glaube bedeutet für Balzk deshalb nicht, Angst zu leugnen oder zu versprechen, alles werde gut. Seine Zusage formuliert er anders: „Ihr müsst in eurer Angst nicht allein sein.“
Dieser Beitrag ist im Rahmen einer redaktionellen Kooperation mit evangelisch.de entstanden. Die Originalfassung finden Sie hier: Entfremden wir uns von uns selbst?
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