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Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Gesangbuches
veröffentlicht 24.03.2026
von Peter Bernecker
Das Geistliche Zentrum Nieder-Weisel greift die Neuauflage des Gesangbuches mit einer besonderen Vortragsveranstaltung am Sonntag, 29. März, auf.
Seit einigen Jahren wird an einem neuen Evangelischen Gesangbuch gearbeitet. Erste Auszüge des künftigen Gesangbuchs werden bereits in Gemeinden erprobt. Im Advent 2028 soll die neue Lieder- und Textsammlung flächendeckend eingeführt werden.
Das Geistliche Zentrum Nieder-Weisel greift die Neuauflage des Gesangbuches mit einer besonderen Vortragsveranstaltung am Sonntag, 29. März, auf. Sowohl im Gottesdienst um 14 Uhr in der Komturkirche, in dem der Ordensdekan der Johanniter, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies, Dekan Volkhard Guth und Kantorin Doris Hagel mit einem Vokalensemble mitwirken, als auch in den sich ab 15.30 Uhr anschließenden Vorträgen im Tagungszentrum wird es um Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Evangelischen Gesangbuchs gehen.
Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Welche Geschichte haben Gesangbücher in der Evangelischen Kirche? Warum brauchte es ein neues Gesangbuch? Was ändert sich und was bleibt gleich? Und warum trösten Kirchenlieder „verstörte Menschen“, wie der Lieddichter Martin Luther wusste? Antworten auf diese Fragen bieten Impulsreferate des Kieler Kirchenhistorikers und Gesangbuchexperten Prof. Dr. theol. Dr. phil. Dr. theol. h.c. Johannes Schilling und des Oberkirchenrats Dr. Karl Friedrich Ulrichs vom Kirchenamt der EKD in Hannover, der die Arbeit am neuen Gesangbuch koordiniert. Außerdem werden Liedbeispiele aus dem neuen Gesangbuch von Dekanatskantor Ulrich Seeger zu hören sein.
1524 erschienen die ersten evangelischen Gesangbücher. Seither sind unzählige Sammlungen gedruckt worden. 2024 wurde das Jubiläum „500 Jahre evangelisches Gesangbuch“ in vielen Gemeinden begangen.
In den hiesigen Kirchen gibt es zwei zentrale evangelische Gesangbücher: Rund 650 Lieder finden sich in dem traditionellen Gesangbuch der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Das "EGplus" erweitert den Liederschatz um moderne, gut singbare und sehr eingängige Stücke.
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat 2017 in Zusammenarbeit mit allen evangelischen Landeskirchen entschieden, das Evangelische Gesangbuch aus den 1990er Jahren grundlegend zu überarbeiten. Anlass für ein neues Gesangbuch sind liturgische Veränderungen, die vielen neuen Gottesdienstformen und technischen Möglichkeiten, an die in den 1990er Jahren noch niemand denken konnte, – und natürlich die zahlreichen beliebten neuen Lieder. 2020 ging die Arbeit mit einer gut 70-köpfigen Gesangbuchkommission los.
Erprobungsphase
Seit Herbst 2025 wird das neue Gesangbuch in Teilen in ca. 550 Gemeinden der Gliedkirchen erprobt. Noch bis Ende März werden die Materialien intensiv getestet und ausgewertet. Ziel ist es, im Advent 2028 ein Gesangbuch vorzulegen, das sowohl klassisch zwischen zwei Buchdeckeln als auch in einer digitalen Fassung erscheint.
Auffällig ist schon jetzt die neue Gestaltung: Auf blauem Grund öffnet sich ein farbiger Kreis in sechs Segmenten – ein Motiv, das an eine Uhr oder den liturgisch vertrauten Kirchenjahreskreis erinnert. Sechs Rubriken – von „TagesZeit“ über „FeierZeit“ bis „WeltZeit“ – strukturieren das Buch. Lieder und Texte werden dabei enger miteinander verschränkt als bisher.
Die Veranstaltung im Geistlichen Zentrum greift diesen spannenden Reformprozess auf. Johannes Misterek, Pfarrer am Geistlichen Zentrum erklärt: „Im Rahmen einer 11-teiligen Veranstaltungsreihe beschäftigen wir uns am Geistlichen Zentrum in diesem Jahr mit der Fragestellung: Wie wird die Seele eines Menschen gesund? Deswegen haben wir uns für dieses Thema entschieden, weil das Singen von Kirchenlieder eine heilsame Wirkung auf die Seele eines Menschen haben kann. Wir sind sehr gespannt auf das neue Gesangbuch und möchten Einblicke in den Prozess der Entstehung geben sowie geistlich-theologische Perspektiven betrachten.“ Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
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