Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Christiane Tietz

© EKHN / Peter Bongard

Im Talar: Prof. Dr. Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der EKHN
  • Ostern

Kurz-Andacht der Kirchenpräsidentin mit der Osterbotschaft

veröffentlicht 01.04.2026

von Prof. Dr. Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der EKHN

Nachrichten über Krieg und Krisen überfluten geradezu die Medien. Wirkt die hoffnungsvolle Botschaft von der Auferstehung Jesu als würde man die Realität durch eine rosarote Brille sehen? In ihrer Osterbotschaft zeigt Prof. Dr. Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der EKHN, allerdings, dass die Zeichen des Leidens durch die Auferstehung nicht einfach gestrichen werden. Die Kirchenpräsidentin verdeutlicht, woraus sich die christliche Osterhoffnung tatsächlich speist.

Viele Menschen sehnen sich zurzeit nach guten Nachrichten. Nach Meldungen, die Hoffnung machen. Botschaften von Frieden und Versöhnung, von Aufschwung und Erfolg. In den Nachrichten von Tagesschau bis Online-App stattdessen negative Schlagzeiten, die nicht abreißen wollen. Hunger, der nicht bekämpft wird. Alleinherrschaftsansprüche, die fast täglich wachsen. Gewalt und Streit, die Menschen verletzen. Schwarzsehen hat Konjunktur.

Auf die Sehnsucht vieler Menschen nach hoffnungsvollen Ausblicken antwortet die christliche Osterbotschaft - auch in diesem Jahr wieder: Christus ist auferstanden. Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt.

Das klingt im ersten Moment so, als würde Gottes Lebenskraft alles Negative samt Tod einfach durchstreichen und vergessen machen wollen. Eine rosarote Brille gegen alle Schwarzmalerei. Wer genauer hinschaut, entdeckt aber: In der christlichen Kunst wird der auferweckte Jesus Christus oft mit Wundmalen an seinen Händen und Füßen und an seiner Seite dargestellt. Es sind die Wunden, die ihm bei seiner Kreuzigung zugefügt wurden. Sie sind die Zeichen seines Leidens und Sterbens.

Die Wundmale Christi zeigen, dass die Auferweckung den Tod nicht einfach durchstreicht. Leiden und Sterben werden durch die Auferweckung nicht einfach vergessen. Die gute Nachricht von der Lebenskraft Gottes, die stärker ist als alle zerstörerischen Mächte, macht alles Schwierige nicht einfach ungeschehen.

Das christliche Verständnis eines Lebens von Gott her speist sich aus dieser Erfahrung. Das Schwere und Traurige im Leben, Tod und Gewalt, Schmerz und Leid auf der Welt werden nicht einfach ausgelöscht, als wären sie nie geschehen.

Sie müssen aber nicht das letzte Wort haben. Ostern setzt dagegen: Das Leben Gottes ist stärker als die Mächte des Todes, als Schmerz und Leid, Unterdrückung und Gewalt.  

Von dieser Osterbotschaft her zu leben gibt den Mut, das Schwere im Leben nicht wegzudrängen. Und gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass Gottes Leben alles in allem stärker ist als die Mächte des Todes. 

Daraus ergibt sich die christliche Spannkraft, das Schwierige wie auch die Hoffnungsmomente im Leben wahrzunehmen. Gerade in Momenten, in denen das Schwarzsehen wieder Konjunktur hat oder die rosarote Brille zur Verführung wird. Wer an die Osterbotschaft glaubt, sieht klarer.

Ich wünsche Ihnen ein hoffnungsvolles, von der Klarheit des Ostermorgens durchdrungenes Osterfest!

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