Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Barbara Görich-Reinel

© Peter Bongard

Pfarrerin Barbara Görich-Reinel war die leitende Polizeipfarrerin der EKHN. Dabei war sie auch als Dozentin für polizeiliche Berufsethik tätig.
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„Seelsorge und Ethik eng verwoben“

veröffentlicht 29.08.2025

von Pressestelle der EKHN

Leitende Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel geht in den Ruhestand/Verabschiedung am 17. September in Langen.

Am 1. Oktober 2025 geht Pfarrerin Barbara Görich-Reinel in den Ruhestand. Seit 2022 war die 65-Jährige Leitende Polizeipfarrerin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und damit erste Ansprechpartnerin für Behörden wie das Hessische Innenministerium oder das Landespolizeipräsidium in Wiesbaden. Außerdem war sie Mitglied im Vorstand der bundesweiten Konferenz Evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer (KEPP) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD.

Schon seit 2014 arbeitete Görich-Reinel als Polizeiseelsorgerin. Zusätzlich war sie von 2018 bis 2022 mit halber Stelle als Dozentin für polizeiliche Berufsethik tätig. Als Pfarrerin war sie darüber hinaus für Kirchengemeinden in Neu-Isenburg und Frankfurt, später auch in Gießen, Pfungstadt und im Dekanat Dreieich-Rodgau zuständig. Als Krankenhauspfarrerin und Notfallseelsorgerin war sie ebenfalls aktiv.

Am Mittwoch, 17. September 2025, 14 Uhr wird Pfarrerin Görich-Reinel im Rahmen eines Gottesdienstes in der Evangelischen Stadtkirche Langen in den Ruhestand verabschiedet und von ihrem aktiven Dienst entpflichtet.

Polizeiseelsorge

Das Polizeipfarramt baute die EKHN in den 1950er-Jahren auf. Die Polizeiseelsorge begleitet Polizeibedienstete und deren Angehörige in Hessen und Rheinland-Pfalz. Auf der Basis staatlich-kirchlicher Vereinbarungen bieten besonders beauftragte Pfarrerinnen und Pfarrer ein seelsorgerliches Angebot, das allen Mitarbeitenden der Polizei unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit offensteht. Weitere Schwerpunkte bilden die Bereiche Berufsethik und Spiritualität. Die ordinierten Geistlichen unterliegen der Schweigepflicht und dem Zeugnisverweigerungsrecht. Ein Beirat aktiver Polizistinnen und Polizisten unterstützt sie

Interesse, Solidarität und Distanz

Das Herzstück ihrer Arbeit benennt Görich-Reinel so: „Die Achtung der Menschen in der Polizei, die Repräsentanz und Vermittlung dessen, dass Gott sie sieht – in aller Verletzlichkeit, in allem Angefochten-Sein, aber auch bei ihren Erfolgen.“ Und sie ergänzt: „Das Spezifische an unserer Arbeit ist, dass Seelsorge und Ethik hier eng miteinander verwoben sind. Als Polizeiseelsorger*innen bringen wir eine besondere Haltung mit: Wir zeigen Interesse, üben Solidarität, wahren dabei aber Distanz.“

Sie wünscht sich einen differenzierteren Blick auf das Vorgehen der Polizistinnen und Polizisten – auch von Seiten ihrer Kirche. „Die Polizei tut Dinge im Namen der Gesellschaft, ist ausdrücklich dazu beauftragt und steht unter besonderer Kontrolle“, erläutert sie.

Die gemeinsame Arbeit der ökumenischen Polizeiseelsorge habe dazu geführt, dass sich die „Kontakte zur Polizei verdichtet haben“. Die Themen, mit denen sie als Polizeiseelsorgerin konfrontiert wurde, reichten von Krankheit und Krise über Fragen beruflicher Neuorientierung und persönlichen Belastungen bis hin zu privaten Gewalterfahrungen. Auch liturgische Begleitung, beispielsweise das Mitgestalten von Schweigeminuten und Trauerfeiern oder der Segen beim Eintritt in den Ruhestand, waren gefragt. Dazu kamen Fortbildungen und Vorträge sowie gottesdienstliche Formate.

Blick auf beide Seiten zunutze machen

Görich-Reinel erklärt, dass das Polizeipfarramt zum Bereich Seelsorge gehöre, aber auch die Diakonie, das Friedenstiftende, das Betriebsseelsorgerische und die gesellschaftliche Verantwortung tangiere. Wichtig ist ihr für die Zukunft „ein tragfähiges Konzept für eine verlässliche und kompetente Polizeiseelsorge“. Da Seelsorge vom Beziehungsgeschehen lebe, müssten „alle Beteiligten gut überlegen, wie sich der kirchliche Dienst für die hessische Polizei weiter gestalten lässt“. Ein weiteres Augenmerk wird auf der innerkirchlichen Kommunikation liegen. Und die Polizeiseelsorge bewege sich „auf der Schnittstelle zwischen Staat und Kirche, von wo aus man einen guten Blick auf beide Seiten hat. Diese besondere Perspektive könnte sich die Kirche öfter zunutze machen“, so Görich-Reinel.

„Für den Erhalt der Demokratie braucht es Vertrauen in die Institutionen und in die Personen, die sie repräsentieren. Das gilt besonders auch für die Polizei“, so Görich-Reinel. Und weiter: „Die evangelische Kirche sollte sich weiterhin in die Gesellschaft einbringen und auch die Polizei nach Kräften unterstützen: mit Verständnis, mit Anteilnahme und mit kritischen Nachfragen. Und die Kirche kann von der Polizei umgekehrt lernen, zum Beispiel Prozesse zu beschleunigen, sich besser schon im Vorhinein auf bestimmte Szenarien einzustellen und den Umgang mit eigenen Fehlern kritisch zu reflektieren.“

Persönliche Pläne

Für ich selbst wünscht sich Barbara Görich-Reinel, die in Langen lebt, verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, im Ruhestand Zeit für die Familie und ihre Interessen. Dazu zählen Aufenthalte in Berlin, Reisen nach Frankreich und das Erleben und Genießen der Natur.

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