Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Drei Menschen, die Fahrrad an einem Fluss fahren

© Getty Images, Starmaro

Damit Radfahren zum Radpilgern wird, braucht es mehr bewusste Pausen, um beispielsweise in eine Kirche zu gehen oder um Impulse wirken zu lassen
  • Sport
  • Freizeiten
  • Pilgern
  • Aktuelles

Freude am Radpilgern entdecken und Pausen für Spiritualität einlegen

veröffentlicht 16.06.2026

von Rita Haering

Bewegung, Natur und spirituelle Impulse verbinden: Radpilgern stärkt Körper und Seele – und lädt ein, unterwegs Kirchen, Landschaften und neue Gedanken zu entdecken.

Weit über 90 Millionen Fahrräder zeigen: Die Menschen in Deutschland sind echte Fahrradfans. Und inzwischen greifen sogar viele Jüngere immer häufiger zum E‑Bike. Kein Wunder: Radfahren ist umweltfreundlich, günstig und stärkt die Gesundheit. Uwe Tegtbur, Direktor der Klinik für Rehabilitations- und Sportmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erklärt gegenüber dem epd: Schon drei Stunden Radfahren pro Woche können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 50 Prozent senken.

Beim Radpilgern unterstützen Pausen eine spirituelle Haltung

Doch Radfahren kann noch mehr: Es kann auch das spirituelle Leben bereichern. Radpilgern verbindet die körperliche Aktivität mit dem christlichen Glauben. Es geht um das Erleben mit allen Sinnen – die Verbindung von Körper, Geist und Seele. Auf Radpilger-Touren erwarten Zweirad-Pilgernde einzigartige Landschaften und herzliche Begegnungen sowie Momente der Ruhe und Besinnung in malerischen Radwegekirchen. Erfahrende Radpilgernde empfehlen, bewusst Pausen einzulegen, um leichter in eine meditative Haltung zu gelangen. Dann kann beispielsweise eine Kapelle aufgesucht werden, aber auch auf einer Bank im Freien können spirituelle Impulse nachwirken. 

Egal, ob Sie auf einem klassischen Fahrrad, einem Gravelbike, einem Lastenrad oder einem modernen E-Bike unterwegs sind – Radpilgern ist eine Bereicherung für jeden. Und für diejenigen, die es sportlicher mögen, bietet das spirituelle Mountainbiken eine herausforderndere Alternative.

Radwegekirchen mit Service-Angebot

Zeichen mit Fahrradfahrer im Vordergrund und weißer Kirche im Hintergrund

© EKD

Das Signet als einheitliche Kennzeichnung für Radwegekirchen

Entlang zahlreicher Fahrradtouren bieten Radwegekirchen die Gelegenheit, inne zu halten. Ein von der EKD entwickeltes Signet mit Radfahrer auf grünem Hintergrund signalisiert, dass hier eine verlässlich geöffnete Kirche besucht werden kann. In der Regel sind sie im Zeitraum von Ostern bis zum Reformationstag frei zugänglich. Diese Kirchen bieten meist:

  • geistliche Impulse,
  • einen geeigneten Platz zum Rasten,
  • Trinkwasser,
  • eine Toilette,
  • und eventuell eine Ladestation für E-Bikes
  • sowie Flickzeug.

Rast für die Seele - mit spirituellen Impulsen

Betende Hände

© gettyimages, design circle

Beim Pilgern "Rast für die Seele" einlegen

Radwegekirchen, Bänke oder umgefallene Baumstämme am Wegesrand laden Radpilgernde ein, zur Ruhe zu kommen, sich zu erholen und zu besinnen. Per Smartphone oder Tablet lassen sich die spirituellen Texte zum Anhören und Mitbeten des Internetangebotes "Rast für die Seele" abrufen. Es werden Gebete und Segenstexte, Andachten, Lieder sowie Serviceinformationen bereitgestellt. Hinter dem Angebot stehen EKD, die katholische Bischofskonferenz und die Akademie des VRK. Weitere Glaubens-Texte bietet die bayerische Landeskirche.

Die Social-Media-Community der EKHN empfiehlt: Lieblingsradrouten in Hessen-Nassau

Wo gibt es die schönsten Kirchen entlang einer Radroute? Welche Strecken durch Hessen-Nassau sind besonders schön? Ihre praxiserprobten und persönlichen Empfehlungen zu diesen Fragen haben viele Userinnen und User aus der EKHN-Communitiy dankenswerterweise auf facebook und Instagram beigesteuert. Hier sind die Tipps zusammengefasst:  

Besinnen und genießen am Rhein-Radweg

„Schauen Sie sich um, die Kirche ist geöffnet und alles in ihr möchte zu Ihnen sprechen. Der Kirchenraum beginnt zu erzählen, wenn Sie zuhören und die Augen wandern lassen.“ Mit diesen Worten sind auch Radbegeisterte eingeladen, am Rhein-Radweg die Heilandskirche in Walluf zu besuchen. Laut der evangelische Fachstelleninhaberin für Gesellschaftliche Verantwortung in Wiesbaden, Nicole Nestler, „lohnt es sich immer, vorbei zu schauen und einen tollen Weinprobierstand gibt es auch.“ Sie empfiehlt die Strecke von Wiesbaden aus durch Biebrich und Schierstein nach Walluf zu nehmen. Sportlich Ambitioniertere können am insgesamt 55 km langen Rhein-Radweg auch der Erbacher Johanniskirche einen Besuch abstatten und das Ziel St. Goar ins Auge fassen.

Römer, Residenzen und Reformatoren zwischen Lahn und Vulkan

Die Radroute durch die Städte Grünberg, Laubach, Hungen und Lich ist ein Geheimtipp aus der Pfarrerschaft, den Social-Media-Pfarrer Lutz Neumeier verraten hat. Entlang der Route „Von Römern, Residenzen und Reformatoren“ können 5.000 Jahre Geschichte entdeckt werden. In der Region sind ein Megalithgrab, der Limes, das Kloster Arnsburg und vieles mehr zu entdecken. Auch Martin Luther soll an Lich vorbeigekommen sein.  

Weidenkirche am Skulpturen-Rundweg in Rödermark

Die einzigartige Atmosphäre der Weidenkirche am Skulpturen-Rundweg in Rödermark möchte „cmhelfenstein“ ans Herz legen. Sie ist als ökumenisches Projekt entstanden und verbindet heute die Konfessionen und Stadtteile. Lohnenswert sei dort am Oberwiesenweg eine "Radelpause oder Picknick aus der Satteltasche". 

Simultankirche am Selztal-Radweg

EKHN-Präses Dr. Birgit Pfeiffer empfiehlt, die Simultankirche St. Rufus in Gau-Odernheim am Selztal-Radweg zu besuchen. Das Besondere ist, dass im Inneren der Kirche eine evangelische und eine katholische Seite eingerichtet wurde. Der 67 km lange Radweg führt durch das rheinhessische Hügelland vom Nordpfälzer Bergland bis zum Rhein. Auch die Kaiserpfalz und die Burgkirche in Ingelheim sowie geschichtsträchtige Anziehungspunkte in Alzey und Stadecken-Elsheim sorgen dafür, dass einige vom Fahrradsattel zwischendurch absteigen.  

Kirchen, Burgen und Schlösser am Lahntalradweg

Wenn es nach Klaus Reuter geht, sollte der Stadtkirche Biedenkopf auf jeden Fall ein Besuch abgestattet werden. Sie liegt am Lahntal-Radweg. Dieser ist 245 Kilometer lang und führt von der Quelle bei Siegen über Biedenkopf, Lahntal-Kaldern und Gießen bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein. Dabei geht es meist am Fluss entlang, mit Blick auf viele Burgen und Kirchen. So thront die barocke Residenzstadt Weilburg auf einem hohen Felsen über der Lahn. Auch der St. Georgs-Dom zu Limburg zieht die Blicke auf sich.

Auf der Radrundtour Ems-und Wörsbachtal am multi-konfessionellen Klostergut Gnadethal vorbei

Extra-Tipps aus der EKHN-Online-Redaktion: Das multi-konfessionelle Klostergut Gnadenthal liegt auf einem Radrundweg zwischen Idstein und Brechen. Die 45 Kilometer der Radrundtour Ems-und Wörsbachtal führen über Getreidefelder, durch das wildromantische Wörsbachtal vorbei an der tausend Jahre alten Berger Kirche und durch die historische Altstadt von Bad Camberg

Radpilgern durch die Nachbarschaft

Radwege, die durch Gebiete benachbarter evangelischer Landeskirchenführen, bieten ebenfalls einzigartige Landschaften und besondere Orte der Besinnung ob in Kurhessen-Waldeck, Bayern, Baden, der Pfalz, im Rheinland oder in Westfalen. Einige Strecken empfehlen wir hier:

Mehr zum Thema

Quellen:

  • Sinus-Institut: Fahrrad-Monitor 2023
  • Statista: Anzahl der Fahrräder in Deutschland von 2005 bis 2023
  • epd: Sportmediziner: «Toller gesundheitlicher Effekt im Vorbeigehen» 
  • EKD: radwegekirchen.de

Social Media

Das könnte dich auch interessieren

Mehr Artikel anzeigen
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

EKHN-Newsletter  &  EKHN-Mitteilungen

Kostenlos abonnieren: Aktuelle Nachrichten, Stellungnahmen, kirchliche Angebote, Entwicklungen, Veranstaltungen und Fortbildungen:

  • im EKHN-Newsletter für Mitglieder

  • in den EKHN-Mitteilungen für Ehren- und Hauptamtliche

Newsletter-Anmeldungen