Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Ein offenes Heft, das im Gras liegt mit der Frage: Was ist mein nächster guter Schritt?

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Unterwegs verbinden sich persönliche Lebensthemen mit Momenten des Glaubens – Schritt für Schritt. Und der Anfang ist leichter, als man glaubt.
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Pilgern beginnen: Die 8 wichtigsten Tipps für den Start

veröffentlicht 23.03.2026

von Online-Redaktion der EKHN

Pilgern verbindet Bewegung, Natur und innere Ruhe. Mit diesen Tipps gelingt der Einstieg: von der Vorbereitung über das Organisieren des Pilgerpasses bis zur inneren Einstimmung. Direkte Empfehlungen und Videos zeigen, worauf es ankommt und wie Pilgern zu einer bereichernden Erfahrung werden kann.

Möchtest du Abstand zum Alltag gewinnen? Willst mehr Klarheit über deine Lebenssituation gewinnen? Oder suchst spirituelle Erfahrungen? Vielleicht sehnst du dich auch danach, dich in der Natur aufzuhalten. Dann könnte Pilgern genau das Passende für dich sein.

Pilgern verbindet Wandern mit einer spirituellen Haltung und kleinen geistlichen Praktiken. Unterwegs bereichern Rituale, kurze Gebete oder der Besuch kirchlicher Orte die Strecke – eine Art „Beten mit den Füßen“. Persönliche Themen und Glaubensfragen haben hier ihren Platz. Pilgerreferent Klaas Grensemann bringt es so auf den Punkt: „Beim Pilgern kommen Wort und Weg zusammen.“ So kann Pilgern zu einer spirituellen Reise werden, die neue, überraschende Perspektiven und Energie sowie eine intensivere Verbindung zu Gott schenken kann. Erste Ideen und praktische Tipps für den Einstieg zeigt das Video.

epd-Video: Mehr als Wandern - Tipps zum Pilgern

Empfehlungen für den Pilger-Start:

1. Pilgerroute stimmig auswählen: Pilgerspaziergang oder Jakobsweg

Zu den schönsten Momenten der Vorbereitung gehört es, die eigene Pilgerroute auszuwählen: Welche Landschaften möchte ich entdecken? Welche Orte sprechen mich an? Und welche spirituellen Angebote liegen am Wegesrand? Schon beim Planen entsteht oft eine Vorfreude auf das, was unterwegs möglich wird. Ins Pilgern lässt sich leicht einsteigen – zum Beispiel mit kurzen Pilger‑Spaziergängen oder mit Nanopilgern. Das sind kleine Etappen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen und trotzdem Raum für innere Ruhe und spirituelle Impulse bieten. Die Pilgerstrecke sollte so gewählt werden, dass sie zu deiner Kondition und deinen Vorlieben passt.
Wer Lust auf längere Wege hat, kann sich Schritt für Schritt steigern, bis hin zu großen Routen wie dem Jakobsweg. Von Hessen‑Nassau bis Santiago de Compostela sind es weit über 2.000 Kilometer, doch viele steigen an Orten ein, die näher am Ziel liegen. Menschen, die den Jakobsweg gegangen sind, berichten oft von überwältigenden Gefühlen am Ziel und Eindrücken, die lange nachwirken.

Wer den passenden Pilgerweg sucht, findet in Hessen und Nassau eine große Auswahl an Pilgerwegen – von kurzen spirituellen Spaziergängen bis zu mehrtägigen Routen. Eine Übersicht bietet hier die EKHN:

2. Entscheiden: Allein oder in Gesellschaft pilgern?

Alleine zu pilgern hat viele Anhängerinnen und Anhänger. Sie schätzen die persönliche Freiheit, nehmen sich selbst oft intensiver wahr und sind offener für Begegnungen und Erfahrungen  unterwegs. Wer allein geht, sollte allerdings mit Smartphone‑Navigation oder Kartenlesen vertraut sein und sich nicht ausschließlich auf die Wegmarkierungen verlassen.

Für Menschen, die mit dem Pilgern beginnen oder gerne in Gemeinschaft unterwegs sind, kann eine geführte Pilgertour die bessere Wahl sein. Die Tourleitung übernimmt Orientierung und Tagesstruktur und gestaltet die geistliche Seite des Pilgerns. Zudem können sich unterwegs auch unangenehme oder verdrängte Themen melden. In einer geistlich begleiteten Gruppe gibt es die Möglichkeit, eine vertrauenswürdige Person anzusprechen. Dieser Schutzraum kann helfen, Schwieriges zu verarbeiten und neue Perspektiven zu gewinnen.

Natürlich gibt es viele weitere Möglichkeiten: eine lockere Gruppe aus dem Freundeskreis, der eigene Partner oder andere vertraute Menschen.

3. Für eine längere Tour: rechtzeitig mit leichtem Training beginnen

Wer eine längere Pilgertour plant, sollte rechtzeitig mit leichtem Training beginnen. So können sich Muskeln, Gelenke und Kondition an größere Distanzen gewöhnen. Empfehlenswert sind regelmäßige Spaziergänge oder kurze Wanderungen. Um später Blasen an den Füßen zu vermeiden, sollten am besten die Schuhe getragen werden, die auf der Pilgertour zum Einsatz kommen, um sie einzulaufen. Schließlich kann die Trainingsstrecke auch mit dem Rucksack getestet werden.

4. Etappen planen und Orientierung sichern

Sind Route und Ziel gewählt, lohnt ein genauer Blick auf die einzelnen Etappen. Sie sollten so gestaltet sein, dass sie gut zu deinem Tempo passen. Anfänger:innen können sich an Tagesetappen von bis zu 15 Kilometern orientieren, Geübte dürfen sich mehr zutrauen. Grundsätzlich lohnt es sich, bei der Planung auch die Höhenmeter im Blick zu behalten – sie machen oft den größeren Unterschied als die reine Distanz. Für längere Touren empfiehlt es sich außerdem, Ruhetage einzuplanen.

Damit du unterwegs sicher bleibst, ist eine gute Orientierung wichtig. Viele Pilgerwege sind markiert, doch nicht immer durchgängig. Eine Kombination aus analog und digital hat sich bewährt: eine zuverlässige Navigations‑App oder heruntergeladene GPX‑Tracks – und zur Sicherheit eine klassische Karte, falls das Smartphone einmal ausfällt.

5. Übernachtungen und Verpflegung frühzeitig klären

Gerade auf längeren Pilgertouren lohnt es sich, frühzeitig zu überlegen, wo du übernachten und wie du dich unterwegs versorgen möchtest. Viele Pilgerwege führen durch kleinere Orte, in denen Unterkünfte begrenzt sind, besonders in Ferienzeiten oder an Wochenenden. Eine rechtzeitige Reservierung sorgt dafür, dass du abends entspannt ankommst.

Auch die Verpflegung sollte eingeplant sein: Manche Etappen führen durch abgelegene Regionen, in denen es unterwegs keine Einkaufsmöglichkeiten gibt. Ein kleiner Vorrat an Snacks und ausreichend Wasser gehören deshalb immer in den Rucksack. Wer möchte, kann sich vorab notieren, wo es Gasthäuser, Cafés oder regionale Angebote am Weg gibt.

6. Pilgerpass ausstellen lassen

Der Pilgerpass ist dein persönlicher Begleiter vor allem auf größeren Pilgertouren. Unterwegs kannst du in Kirchen, Herbergen oder an besonderen Stationen Stempel sammeln – so wird sichtbar, welche Etappen du gegangen bist und welche Orte dich begleitet haben.

Für manche Routen, etwa den Jakobsweg, ist der Pilgerpass sogar Voraussetzung, um am Ende eine offizielle Pilgerurkunde zu erhalten. Er dient außerdem als Nachweis, dass du wirklich pilgerst, und ermöglicht den Zugang zu vielen Herbergen, die christliche Gastfreundschaft anbieten.
Hier kannst du Pilgerpässe erhalten für den Jakobsweg, den Lutherweg, die Bonifatiusroute und den Elisabethpfad.

7. Leicht packen – jedes Kilo zählt

Beim Pilgern zeigt sich schnell: Jedes Kilo im Rucksack macht unterwegs einen Unterschied. Deshalb lohnt es sich, bewusst und leicht zu packen. Viele Pilgerinnen und Pilger nehmen anfangs zu viel mit und merken erst unterwegs, wie sehr unnötiges Gewicht die Freude am Gehen schmälert. Deshalb werden bis zu acht Kilo Gepäck empfohlen.

Hilfreich ist es, nur das Nötigste einzupacken und auf Mehrfachfunktionen zu achten – etwa Kleidung, die schnell trocknet und sich kombinieren lässt. Am besten verstaust du alles so, dass du unterwegs schnell an das Wichtigste kommst. Damit du an alles Wichtige denkst, hat das Zentrum Verkündigung für dich eine Packliste zusammengestellt:

8. In eine Pilgerhaltung einstimmen

Wenn du dein Inneres auf das Pilgern ausrichtest, kann es leichter werden, unterwegs bereichernde spirituelle Erfahrungen zu machen. Eine Pilgerhaltung entsteht, wenn du Alltagsgedanken zur Seite legst, offen und urteilsfrei wahrnimmst, was dir begegnet – und dich innerlich für Gott öffnest.

Hilfreich kann es sein, zu Beginn wahrzunehmen, was dich gerade wirklich bewegt: Gibt es etwas, das du klären möchtest? Was gibt deinem Leben Sinn? Was trägt dich? Welche Sehnsucht bringt dich auf den Weg? Deine ganz persönliche Frage darf dich während der Tour begleiten. Oft zeigt sich unterwegs ein Impuls, eine Beobachtung oder ein Moment, der hilft, einen Schritt weiter auf eine Antwort zuzugehen.

Wichtig ist vor allem eine offene, wache Haltung: Wer ohne feste Erwartungen losgeht, wird selten enttäuscht und oft überrascht. Orientierung können kurze geistliche Worte geben – etwa „Frieden“, „Gott ist Liebe“, das „Vaterunser“ oder ein Pilgersegen. Eine Auswahl an Bibelworten und Segenssprüchen für unterwegs findest du hier:

Wir wünschen dir einen guten Weg!

Noch Zweifel? Dann findest du vielleicht die passende Inspiration in diesem Video:

epd-Video: Pilgern ist mehr als Wandern

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Quellen:

  • Zentrum Verkündigung der EKHN
  • Klaas Grensemann, Pilgerreferent Landeskirche Hannovers Kloster Bursfelde, in: epd-Video „Mehr als Wandern: Fünf Tipps zum Pilgern“
  • Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft e.V.

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