
© Getty Images, klug-photo
„Ich verstehe den wirtschaftlichen Druck hinter dem Wunsch, Ladenöffnungszeiten auszudehnen. Dennoch widerspreche ich Forderungen, die auf eine Lockerung des Öffnungsverbots an Sonntagen abzielen, vehement. Der Sonntag als Feiertag ist ein gesellschaftliches Gemeingut – erstritten, bewährt und gesamtgesellschaftlich notwendig. Er gehört nicht den Märkten, er gehört den Menschen. Und er schützt das Menschsein.
Lebendige Innenstädte entstehen nicht dadurch, dass an sieben Tagen in der Woche Ladentüren offenstehen. Was eine Innenstadt lebenswert macht, ist Begegnung – zwischen Menschen, nicht zwischen Kundinnen und Regalen. Die Kirche, aber auch andere gesellschaftliche Akteure wie Vereine und Kulturträger leisten hier einen unverzichtbaren Mehrwert.
Wir warnen davor, den Sonntag schrittweise zu einem gewöhnlichen Werktag zu machen. Was als freiwillige Öffnungsmöglichkeit beginnt, endet als Wettbewerbsdruck auf alle – auf Händler*innen, auf Beschäftigte, auf die Gesellschaft insgesamt. Dabei brauchen wir den Sonntag, weil er etwas schützt, das wir im Alltag leicht verlieren: Momente der Stille, aber auch gemeinsame freie Zeit, in der Wesentliches für das Leben entsteht – nämlich Glaube, Erholung, Familie, Freundschaft, Kultur. Eine Gesellschaft, die sich keine Ruhe mehr gönnt, verliert sich selbst.“
Das könnte dich auch interessieren

So viel Zeit muss sein
Muße als wertvolles Gut. Ein Spaziergang bei Sonnenschein, auf der Couch Musik hören, mit Kindern spielen, mit Freunden Kaffee trinken … das gehört bei vielen Menschen zu einem schönen Sonntag dazu. Es gibt keinen Tag, an dem so viel Gemeinsamkeit erlebt wird, wie am Sonntag. Allerdings nur, wenn die Familie, wenn Freunde einen gemeinsamen freien Tag haben. Ein gemeinsamer Ruhetag ist die Voraussetzung für Gemeinschaft. Familien, Freundschaften, Engagement in Vereinen und Gottesdienste basieren darauf, dass Menschen zur gleichen Zeit frei haben. Der freie Sonntag stärkt damit unser gesellschaftliches Leben.

Schon lange beSonders
Die Geschichte der siebentägigen Woche mit einem Ruhetag beginnt im Judentum: Für die Juden und auch für die ersten Christinnen und Christen war der Sabbat als siebter Tag der wöchentliche Ruhetag. Doch schon im zweiten Jahrhundert trafen sie sich zusätzlich am ersten Tag der Woche – entweder am Samstagabend nach Sonnenuntergang oder in den frühen Morgenstunden des Sonntags, da dieser Tag in den Evangelien als Auferstehungstag Jesu gilt um Gottesdienst zu feiern. Der Sonntag war da noch ein Arbeitstag.

