Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Kinder vor dem Weihnachtsbaum

© Matthias Hartmann / fundus.media

  • Weihnachten

Was genau bedeutet Weihnachten?

veröffentlicht 02.12.2023

von Multimedia-Redaktion der EKHN

Von der Begeisterung für Weihnachten ist längst in die Deko-Welt, Online-Shops und Firmenfeste übergeschwappt – selbst in Japan erklingen Weihnachtslieder. Dabei ist es bereichernd und sinnstiftend, sich an den christlichen Ursprung des Festes zu erinnern.

Weihnachten ist eine Art Ausnahmezustand im positiven Sinne: Menschen kommen zusammen, die sich sonst selten sehen, Lichter leuchten durch dunkle Straßen und Weihnachtslieder werden mitgesummt. Selbst nach Japan oder in die Türkei haben es manche Weihnachtsbräuche geschafft, wie beispielsweise der Austausch von Geschenken. Was ist das Besondere an Weihnachten, das auf christliche Wurzeln zurückgeht? Und: Wie kommt es, dass wir bis heute unsere Zeitrechnung nach dem Geburtstag eines Jungen rund um das Jahr 0 richten, der als Sohn eines einfachen Handwerkers in einem Fleck des Römischen Reiches geboren wurde?

Was ist die christliche Bedeutung von Weihnachten?

An Weihnachten wird im Christentum die Geburt Jesu gefeiert. Das Wort „Weihnachten“ leitet sich aus dem mittelhochdeutschen „wihe naht“ ab, was etwa bedeutet: „geweihte Nacht“ oder „heilige Nacht“ bedeutet.
Die außergewöhnliche Bedeutung dieses Ereignisses liegt im christlichen Glauben: Christ:innen gehen davon aus, dass sich Gott in dem neugeborenen Jesus zeigt. Es ist eine außergewöhnliche Vorstellung, dass Gott nicht nur im Himmel bleibt, sondern wie jeder Mensch bei einer Geburt in diese Welt kommt. Damit begibt sich Gott zu den Menschen und zeigt in dem hilflosen Kind seine Liebe zu ihnen.
Das zeigt auch, dass Gott auf der Seite der Schwachen und Entrechteten steht. So wurde die Geburt des "Heilands" zuerst den Hirten verkündet, die damals am Rande der Gesellschaft standen. Gott ist bei allen, die auf der Suche nach dem Sinn für ihr Leben sind. Ihnen vermittelt er, dass der Sinn in der liebevollen Hingabe besteht.

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Auf welche Geschichte geht das Weihnachtsfest zurück?

Die Weihnachtsgeschichte über die Geburt Jesu ist im Lukasevangelium der Bibel überliefert (Lukas 2). Danach stammte Jesu Familie aus Nazareth in Galiläa in der Nähe des Sees Genezareth. Jesu Mutter Maria war mit ihm hochschwanger. Aber sie musste sich mit Josef auf den Weg nach Bethlehem machen, weil der römische Kaiser Augustus eine Volkszählung angeordnet hatte. Für Josef war es notwendig sich dafür nach Bethlehem zu begeben, da sein Urahn der erste König von Juda und Israel gewesen sein soll – David. Maria und Josef erreichten Bethlehem, aber in der Herberge gab es keinen Raum mehr für sie und sie kamen in einem Stall unter. Maria brachte hier Jesus zur Welt. Sie wickelte ihn und legte ihn in eine Krippe, also einen Futtertrog. Währenddessen hüteten Hirten ihre Schafe in der Nähe auf einem Feld. Plötzlich verkündetet ihnen ein Engel, dass der Heiland geboren sei. Die Hirten besuchen daraufhin Jesus und seine Eltern und berichten ihnen, was ihnen der Engel gesagt habe.

Was sagt die heutige Forschung über die Weihnachtsgeschichte?

Die historische Forschung geht davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat. Neben der biblischen Überlieferung gibt auch verschiedene außerbiblische Erwähnungen eines Predigers, die auf Jesus zielen. So gilt Jesu Herkunft aus Nazareth gesichert. Viele seiner späteren Worte werden ihm auch tatsächlich zugeschrieben. Allerdings ist die Geschichte über die Geburt Jesu kein historischer Tatsachenbericht. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die biblischen Erzähler:innen und Verfasser vom damaligen Wissenstand, religiösen, moralischen und kulturellen Prägungen beeinflusst waren. So haben Textvergleiche ergeben, dass der Geburtsort Bethlehem nicht gesichert ist. Man geht davon aus, dass der Evangelist Lukas in der Geschichte verdeutlichen wollte, dass Jesus von König David der Nachkomme sei, der z.B. im Jesajabuch (Jesaja 9,5) angekündigt wurde. Denn David stammte aus dem Ort Bethlehem. Die Weihnachtsgeschichte besteht also nicht nur aus belegbaren Fakten, auch wenn einzelne geschichtliche Andeutungen stimmen – so hat in dieser Zeit tatsächlich Kaiser Augustus regiert, von 31 vor Christus bis 14 nach Christus. Auch der wandernden Stern, der rund um Jesu Geburt über der Krippe geleuchtet habe, kann auf ein Himmelsereignis zurückgeführt werden: Astronomen haben berechnet. Es war der 12. November im Jahre 7 vor Beginn unserer Zeitrechnung. Das bedeutet: Die Zeitenwende müsste eigentlich sieben Jahre vorverlegt werden.

Einige historische und naturwissenschaftliche Erwähnungen lassen sich in der Weihnachtsgeschichte belegen, andere nicht. Die Absicht der Weihnachtsgeschichte war es, die Bedeutung der Geburt Jesu zu veranschaulichen: Jesus wurde von Gott beauftragt, Heil zu bewirken.

Wie ist das Weihnachtsfest entstanden?

Bereits im Jahr 336 feierten Christ:innen in Rom am 25./26. Dezember das Weihnachtsfest.  Darauf deuten frühe Textfunde auf Papyrus hin. Eine Art Liedblatt aus dieser Zeit weist auf eine Gottesdienstfeier zur Erinnerung an die Geburt Jesu hin.  Vermutlich wollte sich damals das Christentum von dem zeitgleich stattfindenden römischen Sonnenfest abgrenzen. Dieser Staatsfeiertag wurde umgedeutet und auf Jesus Christus, das "Licht der Welt", bezogen. Zudem hatte zuvor das Konzil von Nicäa im Jahr 325 entschieden, dass Jesus Christus „Gott aus Gott“ sei und „wesensgleich mit dem Vater“.

Im 13. und 14. Jahrhundert wurde begonnen, das Jesuskind in der Krippe, umgeben von Hirten und den Weisen aus dem Morgenland, darzustellen.

Warum gehört der Weihnachtsbaum zum Fest?

Die ersten Christbäume in unserem Sinne sind vermutlich um 1600 im Elsass aufgestellt worden: geschmückt mit Süßigkeiten und Äpfeln. Zunächst in Süddeutschland und dann vor allem in den protestantischen Regionen verbreitete sich der Brauch sehr rasch.

Die Ursprünge des Weihnachtsbaums reichen aber in vorchristliches Brauchtum zurück: Die Menschen brachten am Ende des Jahres immergrüne Zweige zum Schutz ins Haus. Einige Angaben nennen die Zeit von Advent bis Mariä Lichtmess, andere erwähnen die Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar. Heute symbolisiert der Weihnachtsbaum mit seinen Lichtern und grünen Zweigen die Hoffnung auf die Bewahrung des Lebens trotz der Dunkelheit und Kälte des Winters.

Wie wird heute Weihnachten unter christlichen Vorzeichen gefeiert?

Heute sind die beiden Weihnachtsfeiertage, 25. und 26. Dezember, gesetzliche Feiertage. Also haben alle frei, die an diesen Tagen nicht zur Arbeit eingeteilt sind. Heiligabend am 24. Dezember ist leider kein gesetzlicher Feiertag. An Werktagen besteht hier also eine grundsätzliche Arbeitspflicht. 

Heute gehören die Gottesdienste an Heiligabend und an den Weihnachtfeiertagen zu den am besten besuchten kirchlichen Feiern im Jahr. Im Mittelpunkt steht dabei die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. In fast allen Kirchen und manchen Wohnungen steht ein Weihnachtsbaum – wobei angesichts des Klimawandels die nachhaltigen Alternativen zum „echten“ Baum immer beliebter werden.

Eine Krippe mit den Figuren der Weihnachtsgeschichte soll die in der Bibel geschilderten Ereignisse vor rund 2000 Jahren vor allem den Kindern anschaulich vor Augen führen.

Das festliche Essen, die Geschenke und das gemeinsame Feiern sind ein Symbol für die Zusammengehörigkeit der gesamten Christenheit, die weltweit gemeinsam an den Beginn ihrer Religion erinnert. Ein Teil der orthodoxen Christenheit – vor allem in Russland und Serbien – feiert aufgrund verschiedener Kalenderberechnungen meist eine Woche nach Neujahr Weihnachten.

Quellen:

  • Lutherbibel 2017
  • Pfarrerin Ruth Sauerwein
  • Hans Genthe, Pfarrer i.R.
  • Jürgen Roloff: Jesus
  • Thomas Schweer, Stefan Braun: Religionen der Welt

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