Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Grafik zu kühler Kirche

© Getty Images, FUKUCHI, RobinOlimb, MDHS

Schutz vor Hitze finden

Hitzeaktionstag am 11. Juni im Blick – Schritt für Schritt zur „Kühlen Kirche“

veröffentlicht 28.05.2026

von R. Haering, M. Heincke

Hitze trifft alle, aber Kirche kann schützen. Der Hitzeaktionstag kann dazu anregen, Teil der Bewegung „Kühle Kirchen“ zu werden, um zu zeigen: Unsere Türen bleiben offen, wenn es draußen unerträglich heiß wird. So lässt sich eine zuverlässig offene, „Kühle Kirche“ vorbereiten.

Teile der Region Hessen-Nassau gehören zu den heißesten Gegenden Deutschlands“, erklärt Dr. Maren Heincke, Referentin für den Ländlichen Raum im Zentrum Bildung und Gesellschaft der EKHN. Die zunehmende Hitze hat direkte Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit der Menschen vor Ort.

Der bundesweite Hitzeaktionstag am Donnerstag, 11. Juni 2026, will Bürgerinnen und Bürger für Gesundheitsschutz an Hitzetagen sensibilisieren. Im Vorfeld rufen EKD und Diakonie evangelische Kirchengemeinden und kirchlich-diakonische Einrichtungen dazu auf, sich mit Veranstaltungen und insbesondere mit dem Konzept „#kühlekirche“ zu beteiligen. Dazu werden Materialien bereitgestellt:

„Kühle Kirchen“ vorbereiten und anbieten

Der Aktionstag kann ein guter Anlass sein, um besonders kühle, zentral gelegene und barrierefreie Kirchengebäude als öffentlich zugängliche Räume zur Abkühlung, Erholung und Begegnung vorzubereiten und anzubieten. „Gerade wenn der Deutsche Wetterdienst Hitzewarnungen veröffentlicht, sind kühle Orte als Schutz vor Hitze gefragt“, ermutigt Referentin Heincke. Deshalb sind interessierte Kirchengemeinden in der EKHN eingeladen, Teil des Netzwerks „Kühle Kirchen“ zu werden.

Vor allem in Städten sind Menschen von großer Hitze betroffen: Straßen und Gebäude wirken wie Wärmespeicher, während es weniger Grün- und Wasserflächen zur Erholung gibt. Besonders Babys und Kleinkinder, ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen und Wohnungslose leiden unter starker Hitze, weil der Kreislauf stark belastet wird.

Gerade Kirchen können dann Schutz vor Hitze bieten, oft auch ohne aufwendige Kühltechnik. Schon eine kurze Verschnaufpause im Kühlen oder ein Glas Wasser kann weiterhelfen. Wer eine kühle Kirche zuverlässig an Hitzewarntagen offenhält, hat gute Chancen, in die Hitzeschutzpläne der Kommunen aufgenommen zu werden.

Schritt für Schritt zur kühlen Kirche

1. Gebäude und Ressourcen auf Eignung prüfen

Zu Beginn sollte geprüft werden, ob ein kirchliches Gebäude als kühler Schutzraum für die Bevölkerung an Hitzetagen hilfreich ist. Für diese Prüfung können sich Gemeinden beispielsweise an das kirchliche Gebäudemanagement wenden. Außerdem liegen bei Küstern etc. oft Erfahrungswerte darüber vor, wie lange die jeweiligen Kirchengebäude die Hitze gut abpuffern können. 

Prüfen Sie bei dieser Gelegenheit außerdem:

  • Besteht bereits eine Nutzung als „Offene Kirche“ oder Radwegekirche?  Das verringert Vorbereitung und Organisation erheblich.
  • Welche Ausstattung ist vorhanden? (Bequeme Sitzgelegenheiten, WC, Wasserzugang, Strom, Barrierefreiheit)
  • Welche personellen Ressourcen stehen zur Verfügung?
  • Welche Anforderungen stellt die Kommune, wenn die Kirche beispielsweise in die lokale Hitzeschutzplanung aufgenommen werden soll?

2. Art und Umfang des Angebots klären

Im Kirchenvorstand und mit weiteren Haupt- und Ehrenamtlichen sollte geklärt werden:

  • Öffnungszeiten: Nur an offiziellen Hitzewarntagen oder auch darüber hinaus?
  • Ehrenamtliche: Wie können Menschen zur Betreuung gewonnen und eingeteilt werden?
  • Angebote: Was soll den Besuchenden zur Verfügung stehen (Getränke, Sitzgelegenheiten, Gespräche, Bücher, Spiele, Co-Working, Seelsorge)?
  • Hygiene & Sanitär: Wie werden Hygiene und sanitäre Anlagen zuverlässig bereitgestellt?
  • Kommunikation: Wie und wo wird informiert und eingeladen (Gemeindebrief, Aushänge, Social Media, Website, Kommune)?
  • Bereitstellung eines Gästebuches oder Gebetsbuches zum Reinschreiben von Anliegen?
  • Gibt es kühlere Sitzgelegenheiten unter großen Schattenbäumen in Pfarrgärten oder rund um die  Kirchengebäude?

3. Kirchenvorstands-Beschluss anstreben

Der Kirchenvorstand sollte beschließen, ob und wie die Kirchengemeinde „Kühle Kirche“ werden möchte und ob sie sich dem Netzwerk anschließt.

4. Fördermittel prüfen

Eine zuverlässige und einladende Öffnung als „Kühle Kirche“ ist mit finanziellen Aufwendungen verbunden (z. B. Ausstattung, Getränke, Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen). Es ist sinnvoll, hier mit der Kommune zu kooperieren, da viele Förderprogramme vor allem kommunal ausgerichtet sind. Gute Ansprechpartner in den Kommunen sind die Bereiche „Gesundheit“ sowie „Umwelt“.

5. Vernetzung ermöglichen

Der Aufbau einer „Kühlen Kirche“ eröffnet Chancen zur Vernetzung im Sozialraum – für Foren, Bildung, Förderung, Gesundheitsfragen, Diskussionen und Zusammenhalt.

Mögliche Kooperationspartner:

  • Regionale Diakonie
  • Katholische Kirche und Caritas
  • Kommune: Infos über Hitze-Service-Portal, Bürgermeister, Gesundheitsamt, Seniorenbeirat, Umweltamt, Klimawandelmanager:in
  • Gesundheitsbereich: Der Bereich der medizinischen Versorgung sollte frühzeitig einbezogen werden, da vulnerable Gruppen besonderen Schutz benötigen: Gesundheitsämter, Ärzt:innenvertretungen, Rettungsdienste, Krankenhäuser, Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen,
  • Wohlfahrtsverbände

6. Personelle Betreuung organisieren

In den Zeiten, in denen die Kirche von Hitze betroffenen Menschen Schutz bietet, sollten mindestens zwei Aufsichtspersonen anwesend sein.

Ihre Aufgaben:

  • Erste Ansprechpersonen und Helfer für Besucher
  • Hinweis auf weitere Angebote von Kirche und Diakonie
  • Schutz des Kirchenraums vor Diebstahl und Vandalismus

Für ihren Dienst in einer „Kühlen Kirche“ sollten Ehrenamtliche im Vorfeld geschult werden (z. B. Gesprächsführung, Notfälle, Umgang mit belasteten Personen).

7. Die Kirche als einladenden Schutzraum vorbereiten

Eine willkommen heißende Atmosphäre trägt dazu bei, dass der Aufenthalt angenehm erlebt wird und Kirche positiv in Erinnerung bleibt. Dazu gehören:

  • Begrüßung und Gesprächsmöglichkeiten,
  • Bequeme Sitzmöglichkeiten, z. B. Liegestühle, kleine Sitzgruppen mit Tisch,
  • Hygienischer Zugang zu kühlen Getränken,
  • Beschäftigungsmöglichkeiten, z. B. Bücher, Brett- und Kartenspiele,
  • Angebote für Co-Working (Tische, Strom, WLAN, wenn möglich),
  • Verbindung mit anderen Angeboten der Kirche, z. B. Seelsorge, Musik, Stille Zeiten,
  • Zugängliche WC-Anlagen

​​​​​​​8. Öffentlichkeitsarbeit umsetzen

Damit betroffene Bürgerinnen und Bürger von der „Kühlen Kirche“ erfahren, bieten sich an:

  • Banner und Plakate an und in der Kirche sowie im Schaukasten,
  • Hinweise im Gemeindebrief und auf der Website,
  • Social-Media-Beiträge (Stichworte: #kühlekirche „kühle Kirche“, „Abkühlort“, „Hitzeschutz in der EKHN“),
  • Aktivitäten der regionalen Öffentlichkeitsarbeit,
  • Einbindung in die Hitzeschutzinfos der Kommune und ggf. in deren digitale Karten

9. Probedurchlauf durchführen

Vor dem offiziellen Start als „Kühle Kirche“ empfiehlt sich ein Probedurchlauf:

  • Abläufe testen
  • Herausfordernde Gesprächssituationen mit Besuchern durchspielen
  • Funktionalität der Angebote prüfen
  • So können rechtzeitig Anpassungen vorgenommen werden.

10. Kühle Kirche als verlässlicher Teil des kommunalen Hitzeschutzplanes   

Wird nachhaltig eine „Kühle Kirche“ eingerichtet, vor allem an Hitzewarntagen in den heißen Monaten Juli und August, kann dieses Angebot in die Hitzeschutzpläne der Kommunen aufgenommen werden.

In einigen Kommunen sind kühle Kirchen bereits in digitalen Karten als öffentliche Abkühlorte verzeichnet. So wird sichtbar: Kirche ist ein Ort des Schutzes, der Fürsorge und der Solidarität – auch bei Hitze.

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