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Erntedank zeigt: Wir bleiben Empfangende
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Erntedank 2026 zwischen Dankbarkeit und Sorge: „Gott sieht, was wir brauchen“

veröffentlicht 29.09.2026

von Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf

Das Erntedankfest am 4. Oktober 2026 ist mehr als der Dank für eine gute Ernte. Die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, Ulrike Scherf, nimmt die aktuelle Situation wahr: Dürre, Unsicherheit und die großen Herausforderungen der Landwirtschaft. Das kann niemand alleine schaffen. Sie erinnert an die biblische Geschichte von der Speisung der Viertausend: Jesus sieht, was die Menschen brauchen, und lindert ihre Not. Wo geteilt wird, wächst Gemeinschaft. Darüber predigt sie auch beim hessischen Landeserntedankfest am 18. Oktober.

Erntedank ist ein Fest des Dankes. Wir danken für die Gaben der Schöpfung, für Sonne und Regen, für fruchtbare Böden, für Tiere und Pflanzen – und für die Menschen, die dafür arbeiten, dass aus dem, was die Erde schenkt, Lebensmittel entstehen. Gerade in diesem Jahr wird deutlich, wie wenig selbstverständlich eine gute Ernte ist.

Hitze und Trockenheit stellen die Landwirtschaft vor Herausforderungen

Der heiße und trockene Sommer hat der Landwirtschaft viel abverlangt. Dürre, Ernteausfälle und Futtermangel haben viele Landwirtinnen und Landwirte vor große Herausforderungen gestellt. Zugleich fehlt es an Planungssicherheit: Mit den anstehenden Veränderungen der Europäischen Agrarpolitik ab 2028 stehen wichtige Fragen für die Zukunft der Landwirtschaft im Raum. Hinter diesen Entwicklungen stehen nicht nur politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, sondern Menschen, Familien und Betriebe, die Verantwortung übernehmen und mit Unsicherheit leben müssen.

Hessisches Landeserntedankfest 2026

Der Gottesdienst des Landeserntedankfestes beginnt um 11:00 Uhr in der Maschinenhalle der Familie Kai Ruppel. Die Predigt hält Pfarrerin Ulrike Scherf, Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN:

  • am Sonntag, dem 18. Oktober 2026,
  • auf dem Betrieb der Familie Kai Ruppel,
  • in 63654 Büdingen-Wolferborn.

zur Anmeldung und weiteren Informationen beim Hessischen Bauernverband

Hessisches Landeserntedankfest auf landwirtschaftlichem Betrieb am 18. Oktober

Der Gottesdienst zum Landeserntedankfest am 18. Oktober 2026 ab 11 Uhr in Büdigen-Wolferborn will deshalb beides zusammenbringen: Dankbarkeit und die Sorgen der Gegenwart. Erntedank bedeutet nicht, Schwierigkeiten auszublenden. Dankbar zu sein heißt auch, wahrzunehmen, was uns trägt – gerade dann, wenn vieles unsicher geworden ist.

Speisung der Viertausend: Sehen, was Menschen brauchen

Im Mittelpunkt der Predigt steht die Geschichte von der Speisung der Viertausend aus dem Markusevangelium (Mk 8,1–9). Jesus ist mit einer großen Zahl von Menschen unterwegs. Drei Tage bleiben sie bei ihm. Sie hören ihm zu, teilen Zeit und Erfahrungen miteinander. Dann stellt Jesus fest: Die Menschen sind hungrig. Und er lässt ihre Not nicht einfach beiseite. Er sieht, was sie brauchen. Er nimmt das wenige Brot und die Fische, dankt Gott, teilt aus – und am Ende werden alle satt.In dieser Geschichte geht es deshalb um mehr als um ein Wunder. Es geht um eine Haltung: Menschen werden gesehen. Ihre Bedürfnisse werden ernst genommen. Und aus dem, was da ist, entsteht Gemeinschaft. Die Menschen kommen nicht als Einzelne zusammen, sondern werden zu einer Gemeinschaft, die empfängt und miteinander teilt.

Gemeinsam arbeiten und Verantwortung übernehmen für Lebensmittel

Das ist auch eine wichtige Perspektive für das Erntedankfest. Landwirtschaft lebt von Gemeinschaft: von Familien und Generationen, von Nachbarschaft und gegenseitiger Unterstützung, von Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Sie lebt aber auch davon, dass eine Gesellschaft die Arbeit der Landwirtschaft wahrnimmt und wertschätzt. Lebensmittel entstehen nicht einfach im Supermarkt. Hinter jedem Brot, jedem Liter Milch und jedem Stück Gemüse stehen Menschen, Tiere, Böden, Wetter – und viel Arbeit.

Leben und Nahrungsmittel sind auch Geschenke

Die Geschichte aus dem Markusevangelium erinnert zugleich daran, dass der Mensch nicht alles selbst in der Hand hat. Wir können säen, pflegen, ernten und vorsorgen. Aber wir können Wachstum, Wetter und das Gelingen einer Ernte nicht erzwingen. Wir bleiben Empfangende. Das kann angesichts von Dürre und Klimawandel schmerzhaft erfahrbar werden. Zugleich liegt darin eine geistliche Wahrheit: Unser Leben ist nicht allein das Ergebnis unserer Leistung. Es ist immer auch Geschenk.

Erntedank heißt deshalb auch: Wir gehören zusammen. Wir leben von dem, was uns geschenkt wird. Und wir können füreinander sorgen und miteinander teilen. Das gilt für die Landwirtschaft ebenso wie für unsere Gesellschaft insgesamt.

 

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