Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
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Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz hielt am 21. Januar 2026 ihre Antrittsvorlesung an der Universität Mainz.

Kirchenpräsidentin Tietz: Theologie warnt vor Autoritarismus

veröffentlicht 22.01.2026

von Peter Bernecker

Bei ihrer Antrittsvorlesung an der Universität Mainz hat die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz erklärt, warum die Theologie an den Universitäten wichtig für die Gesellschaft ist.

Die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz hat die Bedeutung der Theologie für die Demokratie hervorgehoben. Sie erschrecke täglich über die US-Regierung, sagte Tietz bei ihrer Antrittsvorlesung als Honorarprofessorin an der Universität Mainz am Mittwochabend. Ebenso sei sie erschüttert, dass in Deutschland eine Partei wachse, die einen Grundsatz der Demokratie, nämlich dass alle Bürger gleiche Rechte haben, leugne. „Gerade die Theologie kann einem totalitären Autoritarismus widerstehen“, setzte Tietz dagegen.

Die Kirchenpräsidentin nannte als Beispiel den Theologieprofessor Karl Barth, der 1934 den von Beamten geforderten Eid auf Adolf Hitler verweigerte. Barth habe auf Gott als höchster Instanz bestanden und darauf, dass kein Mensch ihm gleichgestellt werden dürfe. „Es braucht eine mutige Theologie, die darauf verweist, dass der Staat Grenzen hat“, sagte Tietz. Als aktuelles Beispiel führte sie die US-amerikanische Bischöfin Mariann Edgar Budde an, die im Gottesdienst zur Einführung des US-Präsidenten Donald Trump vor genau einem Jahr an die Aufgabe des Staates erinnerte, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen.

Theologie als Kraft gegen Fundamentalismus

Theologie sei eine „Ressource der Demokratie“, führte Tietz aus. Sie erinnerte an den Philosophen Jürgen Habermas, der den Religionen eine besondere Verantwortung zuwies, „wenn das soziale Band reißt“. Religionen erinnerten an die Solidarität mit den Schwachen und stärkten den sozialen Zusammenhalt, bekräftigte Tietz. Die Gesellschaft brauche auch deshalb die Theologie, weil diese eine Selbstkritik und Selbstreflexion von Religion und kirchlichem Handeln leiste. Die USA seien ein Beispiel dafür, wie sich bei einer Abwesenheit von Theologie an vielen Hochschulen fundamentalistische Formen des Christentums verbreiteten. Dies könne einer Gesellschaft nicht egal sein, betonte Tietz. Theologie sei eine „Kraft gegen Fundamentalismus“.

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