
© Bistum Limburg, C. Schröder
Kirchengemeinde und demenziell Erkrankte: "Praxistag Demenz" und Tool-Box
veröffentlicht 25.07.2025
von Rita Haering
Im kirchlichen Umfeld sind viele Haupt- und Ehrenamtliche immer wieder mit überraschendem Verhalten von demenziell erkrankten Personen konfrontiert. Der "Praxistag Demenz" am 29. September sowie eine Tool-Box bieten praxisnahe Unterstützung.
Gebannt verfolgen die Hochzeitsgäste die Predigt für das Brautpaar. „Stimmt genau!“ ruft plötzlich eine an Demenz erkrankte Besucherin laut in den Gottesdienst. Wie lässt sich mit einem solchen Zwischenruf umgehen? Denn diese oder ähnliche Situationen kommen öfter vor, da gegenwärtig rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland an einer Demenzerkrankung leiden. Die meisten Menschen mit Demenz leben in privaten Haushalten, viele davon sind Mitglieder der evangelischen oder katholischen Kirche. Sie werden zumeist von nahen Angehörigen unterstützt. Diese Aufgabe ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten und erfordert ein sensibles Umfeld – auch in der Arbeit von Kirchengemeinden.
Praxistag Demenz am 29. September 2025
Praktische Projekte, fundiertes Fachwissen und kollegialer Austausch stehen im Mittelpunkt des Praxistages Demenz ab 9 Uhr in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Eingeladen sind ehren- und hauptamtlich Engagierte im Bereich Demenz sowie alle, die sich für das Thema interessieren.
Zu den Projektvorstellungen gehören unter anderem die Karten der Tool-Box. Die Impulse zur demenzsensiblen Gemeinde in der EKHN laden zum Gespräch und zur Vernetzung ein.
Tool-Box mit praktischen Empfehlungen für den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen
Die Tool-Box „Leben in einer demenzsensiblen Gemeinde gestalten“ unterstützt Menschen im öffentlich-kirchlichen, beruflichen und privaten Umfeld, die mit Demenzerkrankten konfrontiert sind. Die Box zeigt unkompliziert Wege auf, stimmig und respektvoll mit den Erkrankten umzugehen - und damit ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Anregungen aus der Tool-Box greifen auch die Gefühlswelt der demenziell Erkrankten auf, denn selbst wenn die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt, bleiben die Emotionen noch lange erhalten. Auch spirituelle Aspekte sind in dem Angebot integriert. Herausgeber ist der Tool-Box ist die "AG Demenz", eine ökumenische Arbeitsgruppe der Bistümer Mainz und Limburg und der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau). Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist, als Kirche die nationale Demenzstrategie umzusetzen und Gemeinden sowie kirchliche Einrichtungen und Dienste zu unterstützen, demenzsensibel zu werden. Mitglieder sind u.a. auch die Diakonie Hessen oder die Caritas und auch andere. Ab Oktober 2024 wird die Tool-Box verschickt, lässt sich aber bereits jetzt bestellen.

© C. Schröder, EKHN
Daraus besteht die Tool-Box „Leben in einer demenzsensiblen Gemeinde gestalten“:
1 Begleitheft mit grundlegenden Informationen
20 Karten mit praktische Anregungen, Vorschlägen zu Veranstaltungsformaten und Ideen zu Themen wie u.a.
- Gottesdienst,
- Besuchsdienste,
- Seelsorge für Angehörige,
- Plakate für Schaukästen,
- Gemeindebrief-Vorlagen,
- Musik und Bewegung,
- Biografie-Arbeit,
- Filme und Belletristik
So ist die die Tool-Box erhältlich:
- Kirchengemeinden und Nachbarschaftsräumen in der EKHN wird die Toolbox ab Oktober 2024 kostenfrei zugeschickt.
- Weitere interessierte Kommunen, Verbände und Einrichtungen können die Toolbox für eine Schutzgebühr von 10 Euro per E-Mail bestellen (Anschrift, Anzahl der Exemplare angeben):
demenz@ekhn.de
Die Box richtet sich vor allem an:
- Kirchengemeinden, Nachbarschaftsräume,
- Verkündigungsteams,
- Gemeindepädagog:innen,
- Kirchenvorstandsmitglieder,
- Besuchsteams und
- Ehrenamtliche,
- Kommunen, Verbände, Organisationen,
- Multiplikator:innen und Interessierte.
Veranstaltung zur Vorstellung der Toolbox:
- Demenztage Darmstadt
27.-28. September 2024, Tool-Box-Vorstellung: 17-18 Uhr,
Wilhelminenplatz Darmstadt
mehr über die Veranstaltung
Was konkret tun bei Zwischenrufen im Gottesdienst?
Solange noch auf das Eintreffen der Tool-Box gewartet wird, gibt Altenseelsorger Christian Wiener eine Empfehlung vorab, wie auf Zwischenrufe demenzkranker Menschen im Gottesdienst oder auf Veranstaltungen reagiert werden kann: „Wichtig ist, an Demenz erkrankten Menschen mit Respekt zu begegnen, denn sie haben eine lange Lebensgeschichte hinter sich. Spontane Zwischenrufe zeigen auch, dass diese Menschen recht nah an ihren Gefühlen sind. Die Situation lässt sich auflösen, indem man darauf eingeht.“ Sich also fragt:
- Was braucht der betroffene Mensch in dieser Situation?
- Welcher Vorschlag passt zur Situation und bezieht die oder den Betroffenen mit ein?
- Reicht eine freundliche Antwort?
- Oder hilft es der an Demenz erkrankten Person, wenn jemand aus dem Kirchenvorstand mit ihr kurz rausgeht und einen kleinen Spaziergang unternimmt?
Weiter ins Thema mit dem Demenz-Simulator einsteigen
Um Gruppen und Kreise für das Thema Demenz zusätzlich praxisnah zu sensibilisieren, lässt sich außerdem ein Demenz-Simulator ausleihen. Wer ihn nutzt, vollzieht einen Perspektivwechsel und taucht in die Erfahrungswelt einer an Demenz erkrankten Person ein. Der Simulator ist geeinget, um das Verständnis für betroffene Personen weiterzuentwickeln. Der Einsatz des Simulators mit 13 Stationen zum Mitmachen ist verbindlich an eine Schulung mit einer/einem Workshopleiter:in mit Erfahrungen im Demenzbereich gekoppelt.
Das könnte dich auch interessieren

Gemeinsam gegen Hitze: Der Hitzeaktionstag 2026 als Startschuss für mehr Vorsorge
Am 11. Juni 2026 steht ganz Deutschland im Zeichen des Hitzeschutzes. Der Hitzeaktionstag zeigt, wie wir uns gemeinsam auf heiße Tage vorbereiten können – mit praktischen Tipps, lokalen Aktionen und kühlen Schutzräumen wie den „Kühlen Kirchen“.

Biografisches Erzählen: Wie hochbetagte Menschen im Gespräch neue Perspektiven finden
Gerade hochbetagte Menschen erleben manchmal, dass ihnen ein Gegenüber zum Erzählen fehlt und sie sich dadurch einsam fühlen. Pfarrer Christian Wiener zeigt, wie biografisches Erzählen im Alter Raum für Erinnerungen, Entlastung und neue Perspektiven schafft.

Tipps für Gespräche mit Schwerhörigen
Menschen, die von Schwerhörigkeit betroffen sind, leiden häufig unter Einsamkeit. Guthörende können im privaten Umfeld oder als ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende im Besuchsdienst dazu beitragen, dass Schwerhörige wieder mehr an Gesprächen teilnehmen. Dadurch werden sie besser in das soziale und kirchliche Leben eingebunden. Empfehlungen unterstützen dabei.
