
© Jonas Schramm
35 Jahre für Menschenrechte, Flüchtlinge und interkulturelle Öffnung: Pfarrer Andreas Lipsch in den Ruhestand verabschiedet
veröffentlicht 21.06.2026
von Pressestelle der EKHN
Nachfolger Pfarrer Georg Bloch-Jessen ins Amt eingeführt.
Nach mehr als 35 Jahren im Dienst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und 25 Jahren bei der Diakonie Hessen ist Pfarrer Andreas Lipsch in den Ruhestand verabschiedet worden. In einem feierlichen Gottesdienst in der Auferstehungskirche in Frankfurt-Praunheim entpflichteten die Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf und Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, am Freitag, 19. Juni, Andreas Lipsch von seinem Dienst als Interkultureller Beauftragter der EKHN sowie als Leiter des Ressorts „Flucht, interkulturelle Arbeit, Migration (FiAM)“ bei der Diakonie Hessen. Zugleich führten sie seinen Nachfolger, Pfarrer Georg Bloch-Jessen, in sein Amt ein. Grußworte sprachen unter anderem Alt-Kirchenpräsident Volker Jung und Pro Asyl-Bundesvorsitzende Halima Gutale.
Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf würdigte das Wirken von Pfarrer Andreas Lipsch ausgehend von einem Satz aus Psalm 31: „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das Bibelwort ziehe sich wie ein roter Faden durch sein Leben und seine Arbeit. Im Arbeitsfeld Migration, Flucht, interkulturelles Zusammenleben habe er Räume geöffnet, in denen Kirche und Diakonie nicht bei sich selbst blieben, sondern sich öffnen: für die Welt, für andere Perspektiven, für andere Geschichten. Er habe sich an die Ränder begeben, an denen sichtbar wird, worauf es wirklich ankommt: auf Würde, auf Begegnung, auf Menschlichkeit, auf Gerechtigkeit – und auf die Weite Gottes. Er habe den Diskurs verändert und viele Jahre lang Kirche, Diakonie und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt. Wörtlich sagte sie: „Gerade in der Flüchtlingsarbeit haben Sie gezeigt, wie sich anwaltliches und seelsorgliches Handeln gegenseitig stärken können. Dass Kirche Haltung zeigen muss, wenn Menschenwürde gefährdet ist. Und dass Menschenrechte nicht nur politische Kategorien sind, sondern zutiefst theologischen Grund haben.“
„Andreas Lipsch hat sich über Jahrzehnte hinweg beharrlich für Menschenrechte, Vielfalt und interkulturelles Zusammenleben eingesetzt“, führt Vorstandsvorsitzender Carsten Tag aus. „Er hatte stets die Würde und Rechte der Menschen im Blick, die auf der Flucht sind, die Schutz und eine neue Heimat suchen und vielfach Unrecht ausgesetzt sind. Gleichzeitig hat er die interkulturelle Öffnung von Kirche und Diakonie maßgeblich geprägt.“ Unter seiner Leitung wurden die Beratung und Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen deutlich ausgebaut. Carsten Tag betonte die gesellschaftspolitische Dimension seines Wirkens: „Für Andreas Lipsch war der evangelisch-diakonische Einsatz für Geflüchtete immer auch ein Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit: Denn wer an den Rechten von geflüchteten Menschen sowie Migranten und Migrantinnen rüttelt, gefährdet letztlich auch unseren eigenen Rechtsstaat.“
Zum 1. August übernimmt Pfarrer Georg Bloch-Jessen das Amt des Interkulturellen Beauftragten der EKHN sowie die Leitung des Ressorts „Flucht, interkulturelle Arbeit, Migration (FiAM)“ bei der Diakonie Hessen. Zuvor war der Pfarrer unter anderem bei der Diakonie Deutschland sowie bei midi an der Schnittstelle von Kirche, Diakonie und missionarischer Arbeit tätig. Zuletzt war der 40-Jährige Gemeindepfarrer in Offenbach.
Zur Person Andreas Lipsch
Andreas Lipsch studierte Evangelische Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaften in Marburg und Berlin und legte 1991 das Zweite Theologische Examen der EKHN ab. Im Anschluss zog es den gebürtigen Berliner zunächst nach Rom in die entwicklungspolitische Bildungsarbeit. 1994 kehrte Lipsch nach Deutschland zurück und war sieben Jahre als Gemeindepfarrer in Neu-Isenburg tätig, bevor er 2001 zum Interkulturellen Beauftragten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie der Diakonie in Hessen und Nassau, eine der beiden Vorgängerorganisation der heutigen Diakonie Hessen, berufen wurde. Ab 2004 hat er bei der Diakonie das heutige Ressort „Flucht, interkulturelle Arbeit, Migration (FiAM)“ geleitet und ausgebaut. Andreas Lipsch hat zahlreiche Tagungen, darunter eine jährliche Kooperationstagung mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verantwortet und landes- und bundesweite Bündnisse zwischen Kirche, Diakonie und der Zivilgesellschaft initiiert und mitgetragen. Zudem veröffentlichte er eine Vielzahl an Fachbeiträgen und Publikationen, gab Interviews, hielt Vorträge auf Tagungen und Symposien und wirkte auch als Moderator und Sprecher. Zuletzt erschien bei der Diakonie Hessen seine Publikation „Gemeinsame Refugien – Zusammenwohnen in planetaren Zeiten", in der er das theologische und gesellschaftspolitische Denken seiner Arbeitsjahre weiterführt. Darüber hinaus setzte er sich auf Bundesebene viele Jahre im Interkulturellen Rat in Deutschland und im Vorstand des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche für eine vielfältige Gesellschaft sowie als Vorstandsvorsitzender der Menschenrechtsorganisation PRO ASYL für die Rechte von asylsuchenden Menschen ein. Auf Landesebene war Andreas Lipsch als anerkannter Experte in vielen Gremien und Initiativen tätig, zuletzt im Bündnis „Bildung statt Abschiebung“.
Zum 1. August tritt Andreas Lipsch in den Ruhestand. Er wird sich weiterhin als Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung gegen Rassismus engagieren.
HINTERGRUND
Diakonie Hessen – Werk der Kirche, Mitgliederverband und Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege
Die Diakonie Hessen ist als Werk der Kirche Mitglieder- und Spitzenverband für das evangelische Sozial- und Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). In den Geschäftsstellen in Frankfurt am Main und Kassel, dem Evangelischen Fröbelseminar, sowie den Evangelischen Freiwilligendiensten arbeiten über 300 Mitarbeitende. Dazu kommen circa 520 Freiwillige, die sich in den verschiedenen Programmen des freiwilligen Engagements einbringen.
Der Diakonie Hessen gehören 434 Mitglieder an. Insgesamt sind bei der Diakonie Hessen und ihren Mitgliedern zusammen rund 45.000 Mitarbeitende beschäftigt, die im Geschäftsjahr 2022 einen Gesamtumsatz von über 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.
Dem Vorstand des Landesverbandes gehören Pfarrer Carsten Tag (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Harald Clausen an.
Das könnte dich auch interessieren

Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf in den Ruhestand verabschiedet
Mit einem musikalischen Friedensgottesdienst hat das Zentrum Oekumene Pfarrerin Sabine Müller‑Langsdorf in den Ruhestand verabschiedet. Seit vielen Jahren stand sie für Frieden, Gerechtigkeit und ökumenische Verbundenheit – in Deutschland, in Europa und an der Seite von Menschen auf der Flucht.


