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Epiphanias und die Weisen aus dem Morgenland

© Friedrich Stark, KindermissionswerkSternsingerJunge Sternsinger, die sich als die heiligen drei Könige verkleidet haben, sind schon mal per E-Scooter unterwegs. Das Dreikönigsingen wurzelt in der katholischen Kirche, inzwischen beteiligen sich aber auch viele evangelische Kinder.

Der Jahresgeginn ist auch im Kirchenjahr die Zeit für Sterndeuter. Der 6. Januar ist ihr Tag. Er bezieht sich auf die biblische Erzählung, dass Weise aus dem Morgenland einem Stern gefolgt sind. Sie haben den Stern Jesu aufgehen sehen und suchen nach dem neugeborenen Christuskind, um es in Bethlehem anzubeten und ihm wertvolle Geschenke zu bringen.  

Sternensinger:innen erinnern an die Weisen aus dem Morgenland

Die Erzählung von den drei Weisen wird heute rund um den 6. Januar präsent, auch in vielen Städten und Siedlungen Hessen-Nassaus: Mehrere Hunderttausend Kinder verkleiden sich in Deutschland als die „Heiligen drei Könige“ und ziehen von Tür zu Tür. Bürgerinnen und Bürger können also zwischen dem 27. Dezember und dem dritten Freitag im Januar damit rechnen, dass eine Gruppe Kinder mit schimmernden Papp-Kronen auf den Köpfen vor der Tür steht. Die Gruppen sind mit Ausweisen ausgestattet, die mit dem Stempel der örtlichen Pfarrei als „echt“ gekennzeichnet sind.
Dabei sammeln sie Spenden für Not leidende Kinder in der ganzen Welt.

Der Segen 

Vor allem segnen Sternsinger:innen das Haus oder die Wohnung, die sie besuchen und dabei schreiben sie mit Kreide über die Türen: 20*C+M+B+Jahreszahl.
Die Elemente bedeuten:

  • * = Symbol für den Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind, auch ein Zeichen für Christus
  • C+M+B = steht für das Latainische „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus.
  • +++ = Segen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Urspung des Brauches im Mittelalter

Das Sternsingen bezieht sich auf die drei Weisen aus dem Morgenland, die im Matthäusevangelium der Bibel beschrieben werden. Im Mittelalter taucht die Bezeichnung „Könige“ für die Weisen als Bezeichnung auf. Bis in diese Zeit reicht auch der Sternsinger-Brauch zurück: Als Könige gekleidet zogen Jungen durch die Gassen und spielten den Zug zur Krippe nach. Deshalb verkleiden sich die Sternsinger bis heute als Könige.

Katholische Aktion, an dem sich auch Evangelische beteiligen

Träger der Sternensinger-Aktionen sind das Kindermissionswerk der katholischen Kirche und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Vielerorts beteiligen sich evangelische Kinder, denn die Aktion ist ökumenisch offen. Auch an vielen evangelischen Pfarrhäusern sowie in der Kirchenverwaltung der EKHN in Darmstadt verbreiten die Sternsinger ihren Segen. Dort werden sie herzlich vom Kirchenpräsidenten der EKHN empfangen.
mehr über die Sternensinger-Aktion 

Die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland

Die Tradition hat aus den Weisen drei Könige gemacht. Die Bibel verrät nicht, wie viele sie waren. Der Evangelist Matthäus nennt sie »Magier«, Weise aus dem Morgenland. Menschen, die die Geheimnisse des Universums erforschen und die Konstellation der Sterne deuten. Jeder Mensch hat seinen Stern, so eine Vorstellung damals. Wenn man geboren wird, erscheint er am Himmel. Er erlischt, wenn dieser Menschen stirbt. Was hat es zu bedeuten, wenn ein Stern auftaucht so hell, wie die Sterndeuter ihn noch nie gesehen haben? Was für ein Mensch ist da geboren? Dieser Stern bewegte die Weisen. 

Besondere Sternenkonstellation

Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland in Matthäus 2, 1-12 klingt wie eine Legende. Ein Stern, der wandert und den Weg zeigt. Ein böser König und ein kleines Kind. Weise, denen Gott im Traum erscheint. Historisch lässt sich nicht beweisen, ob es damals bei Jesu Geburt so gewesen ist. Eine Theorie sagt, dass es um das Jahr 7 vor Christus tatsächlich eine besondere Sternenkonstellation gab. Jupiter, der Königsstern, und Saturn, der Stern des Sabbats, der auf das Volk Israel verweist, sollen sich in ihren Laufbahnen so überschnitten haben, dass sie von der Erde aus wie ein großer Stern aussahen. Ob das der Stern von Bethlehem gewesen ist? Wir wissen es nicht. 

Gott wird Mensch

Darum geht es dem Evangelisten Matthäus auch nicht. Er schreibt kein historisches Geschichtsbuch. Er will von Jesus Christus erzählen und zeigen: In diesem Menschen Jesus ist Gott selbst erschienen. Jeder kann das von Anfang an sehen, wenn er Augen dafür hat. Es stand sogar in den Sternen, so dass sich Heiden aus großer Ferne bis nach Bethlehem aufgemacht haben, um den neu geborenen König zu sehen. 

Auch Weise aus dem Morgenland können irren

Die Weisen aus dem Morgenland geraten erst einmal an den Falschen. Sie suchen den neugeborenen König in Jerusalem. Wo könnte ein neuer Herrscher zur Welt kommen? Erste Adresse: in der Hauptstadt. Von ihrer Suche hört König Herodes. Auch wenn man wie die Weisen einen Stern vor Augen hat, ist man vor Irrwegen nicht gefeit. Oft sucht man das Richtige am falschen Ort, steuert das vermeintlich Große an. Dabei findet sich Erfüllung ganz woanders, als man denkt. 

Aber auch falsche Leute können einen richtigen Rat geben. Herodes ist ein doppelt falscher König. Nicht der, den die Weisen suchen. Zudem spielt er ein falsches Spiel. Er gibt ihnen den Hinweis auf Bethlehem und macht sie zu unfreiwilligen Informanten. Sie sollen ihm berichten, wo er den neugeborenen König finden kann. Sein Plan: das Kind ermorden, ehe es seinem Thron gefährlich wird. Die Bibel beschreibt die Wirklichkeit so grausam, wie sie sein kann. 

Kind in einer Futterkrippe statt Königskind mit Hofstaat

Herodes denkt. Doch Gott lenkt die Geschichte. Sobald die Magier Jerusalem verlassen haben, leuchtet der Stern wieder auf und geht ihnen voran nach Bethlehem. Sie finden keinen Palast und keinen Prinzen. Sie sehen ein Kind in einem Futtertrog. Die weit gereisten Anatolier (so heißt Morgenland auf Griechisch) könnten sich vom Himmel hoch genommen fühlen: Das soll der neu geborene König sein? So viel Aufwand im Universum für diese bescheidene Szene? 

Doch kein Gedanke davon bei den Weisen, vielmehr umwerfende Freude über das, was sie gefunden haben. Die finsteren Mächte auf ihrem Weg konnten ihnen nichts anhaben. Im Kind in der Krippe entdecken sie, wer wirklich mächtig ist: die Liebe Gottes, die allen Herodessen dieser Erde zum Trotz zur Welt gekommen ist. Sie fallen nieder und bringen dem Kind kostbare Geschenke: Gold, Weihrauch, Myrrhe. 

Bedeutung der Geschenke

Der Kirchenvater Thomas von Aquin hat die Geschenke praktisch gefunden: Gold für die Armut der Eltern, Myrrhe für die Gesundheit des Kindes und Weihrauch, um den tierischen Gestank im Stall zu vertreiben. Martin Luther deutete die Gaben als Glaube, Hoffnung, Liebe. Bei diesen Dreien kommt es nicht darauf an, wie reich oder arm jemand ist. Die Gaben der Weisen symbolisieren, was der erwachsene Jesus lehren wird: Einen Menschen selbst unter den Hüllen von Staub und Erbärmlichkeit goldig zu finden, ihn oder sie als wahres Goldstück zu entdecken. 

Die Weisen kehren zurück ins Morgenland. Sie tauchen im Evangelium nicht mehr auf. Das hat Raum gelassen für Legenden. Aus den Magiern wurden Könige wegen ihrer teuren Geschenke. Aus der Zahl der Gaben hat man geschlossen, dass es drei Personen waren. Um sie entwickelte sich ein Kult. Im Jahr 1164 sollen ihre vermeintlichen Reliquien von Mailand nach Köln entführt worden sein. Seitdem spielen die drei Könige in Deutschland eine besondere Rolle. 

Phantasie angeregt

Man identifizierte die Weisen mit den Erdteilen Asien, Europa und Afrika. Die ganze damals bekannte Welt ist zur Krippe gekommen. Caspar, dessen Name Schatzmeister bedeutet, hat man sich als einen Jüngling vorgestellt. Melchior, der »König des Lichts«, ist nach einer Tradition ein Mann in der Mitte des Lebens. 
Balthasar bedeutet: Gott schütze den König. Er wird meist als Greis dargestellt. Drei Menschen verschiedener Herkunft, unterschiedlich alt, folgen gemeinsam Gottes Stern. Das machte sie zu Patronen der Reisenden und gab Gasthäusern wie »Dreikönig« oder »Zum Stern« ihren Namen. 

Darauf achten: keine rassistische Darstellungen mehr!

Ab dem späten Mittelalter wurde oft einer der Weisen mit schwarzer Hautfarbe dargestellt. Problematisch wird es, wenn die Darstellungen mit rassistischen Klischees vermischt werden. So hat man im 18. Jahrhundert überspitzte Darstellungen genutzt (z.B. besonders kräftige Lippen), um rassistische Erklärungsmuster zu veranschaulichen. Danach setzten sich die Europäer mit ihrer äußeren Erscheinung an die Spitze einer erfunden Rangordnung, alle anderen hatten das Nachsehen. Auf diese falsche Annahme einer Vormachtstellung gehen die Sklaverei, der Kolonialismus und Diskriminierungen zurück - und damit unvorstellbares Leid. Diese schwierige Vergangenheit schwingt mit, wenn einer der Weisen farbig dargestellt wird. Dabei kommt es auch darauf an, WIE der Betreffende dargestellt wird - als gleichwertiger neben den anderen oder verzerrt mit rassistischen Merkmalen?

Gottes Wort leuchtet auch in die Armseligkeit hinein

Das Evangelium von den Weisen aus dem Morgenland erzählt, welche Schatten auf der Welt liegen: die Brutalität eines Königs Herodes, die Armseligkeit einer Krippe. In dieses Dunkel hinein leuchtet Gottes Licht. Auch durch die schwärzeste Nacht leitet Gottes Stern. Die Weisen stehen für die Sehnsucht, irgendwann wie sie anzukommen bei dem Wunder, das Gott schenkt. 

Info - Epiphanias als Fest der Erscheinung des Herrn 

Mit Abschluss der weihnachtlichen Festwoche, dem Jahreswechsel und die ersten Tage im neuen Jahr feiert die Kirche am 6. Januar ein weiteres wichtiges Fest: Die Epiphanie Jesu Christi. Epiphanie bedeutet auf Deutsch "die Erscheinung": Gott tritt sichtbar in die Welt, er erscheint. An dem Erscheinungsfest denken Christen an drei Ereignisse aus dem Leben Jesu:

  • an die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland,
  • an die Taufe Jesu und 
  • an das erste Wunder, das Jesus vollbracht hat: Er verwandelte Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1-12). 

Der Wochenspruch gibt das Thema dieses Tages vor: "Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht erscheint jetzt." (1. Johannesbrief 2, Vers 8). Das Tagesevangelium (Matthäus-Evangelium 2, Verse 1-12) berichtet von den drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern gefolgt sind und Jesu in der Krippe liegend finden. Als Heiden, also Nicht-Christen, kommen sie und beten den Mensch gewordenen Gott an. Das soll zeigen: Gott ist für die ganze Welt, nicht allein die Christen, Mensch geworden.
Die liturgische Farbe der Sonntage in der Epiphaniaszeit ist weiß. Weiß ist die Christusfarbe des Lichtes und der Auferstehung und ist allen Christusfesten zugeordnet.  

Das Epiphaniasfest ist das erste Fest der Christenheit, welches kalendarisch festgelegt wurde. Durch die unterschiedlichen Kalender feiert manche orthodoxe Kirche bis heute am 6. Januar ihr Weihnachtsfest. Bei den Katholiken wird an diesem Tag der drei Weisen aus dem Morgenland, den heiligen drei Königen, gedacht.
Die Anzahl der Sonntage in der Epiphaniaszeit hängt vom Ostertermin ab. In jedem Fall aber hat der letzte Sonntag Vorrang vor allen anderen, die dann wegfallen können. 

Martin Luthers Zweifel an der Legende

In der evangelischen Kirche haben die drei Weisen eine etwas geringere Bedeutung, da Martin Luther die Verehrung ablehnte, denn er bezweifelte die Legende. So ist beispielsweise in der biblischen Überlieferung die Anzahl der Männer nicht genannt. Die Zahl drei schloss man aus den drei Geschenken: Gold, Weihrauch und Myhrre. Auch die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar hat der Evangelist Matthäus nicht festgehalten. Für Martin Luther hatten die beiden anderen Themen des Epiphaniasfestes, Taufe und Wunder, größere Bedeutung.

von Martin Vorländer / Redaktion / Quellen: u.a. sternsinger.de, katholisch.de

© Multimediaredaktion ekhn.de

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Es geht darum, die Menschen zu werden,
die wir in Gottes Augen sind.
Und es geht darum, das zu leben,
was wir in Gottes Augen sind!

(Volker Jung)

Volker Jung

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Quelle: gettyimages, stockam

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