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Eine Notfallseelsorgerin steigt in ihr Auto

© Dirk Ostermeier, fundus-medien.de

Eine Notfallseelsorgerin auf dem Weg zu ihrem nächsten Einsatz (Symbolbild)
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Wenn das Unfassbare passiert: So begleitet die Notfallseelsorge

veröffentlicht 13.04.2026

von Bernd Nagel und Raimar Kremer

Schwere Unfälle, unerwartete Todesfälle oder belastende Nachrichten: Die Notfallseelsorge der EKHN bietet unmittelbare Unterstützung, Orientierung und Halt – für alle Menschen, unabhängig von Religion oder Hintergrund. Der folgende Bericht schaut einer Notfallseelsorgerin über die Schulter, als sie zu einem Einsatz gerufen wird und zeigt unmittelbar, wie eine betroffene Frau in einer Ausnahmesituation Beistand erfährt.

Die Alarmierung über die Rettungsleistelle erreicht die Mitarbeiterin der Notfallseelsorge, als sie gerade auf dem Parkplatz des Supermarktes ihre Einkäufe in den Kofferraum lädt. Eine Polizeistreife bittet um Unterstützung bei der Überbringung einer Todesnachricht. Hastig packt die Seelsorgerin Äpfel, Milchtüten und Joghurtbecher in die Kiste und fährt zum angegebenen Ort, wo sie zwei Polizeibeamte trifft. Herr Becker, 66 Jahre, war mit einem Bekannten zum Waldspaziergang unterwegs, wobei er einen Herzinfarkt erlitten hat. Unter Reanimationsbedingungen wurde er in die Klinik gebracht, wo er aber verstorben ist. Nun ist seine Frau zu unterrichten.

Notfallseelsorge ist da, wenn die Welt stillzustehen scheint

Beamte und Seelsorgerin begeben sich zum Haus und treffen Frau Becker an, die längst ihren Mann zurückerwartet. Ein Polizist überbringt die traurige Nachricht; in der Folge steht die Seelsorgerin der Ehefrau von Herrn Becker bei. Nachdem die Beamten sich verabschiedet haben, bleiben Frau Becker und die Mitarbeiterin der Notfallseelsorge in der Küche, wo die noch unter Schock stehende Frau die Türen des Schrankes öffnet, Tassen, Teller, Gläser, Schüsseln und Töpfe heraus- und wieder hineinräumt. „Merkwürdig“, denkt die Seelsorgerin und erinnert sich dann, dass dies eine Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung sein könnte: Ordnung schaffen im inneren Chaos, das durch die Nachricht vom Tod des Ehemannes ausgelöst wurde.

Hand eines Notfallseelsorgers hält die andere Hand eines Menschen

© Dirk Ostermeier, fundus-medien.de

Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger sind da, hören zu, begleiten und trösten, wenn es darauf ankommt: nach schweren Unfällen, bei plötzlichen Todesfällen oder dem Überbringen von Todesnachrichten durch die Polizei.

Beistand in schwersten Zeiten des Lebens

Still wartet die Seelsorgerin am Tisch, bis Frau Becker sich zu ihr setzt. Nach einiger Zeit schüttelt die Frau den Kopf und sagt: „Dass Sie als Seelsorgerin zu uns kommen… mein Mann war gar nicht in der Kirche…“ „Das ist schon in Ordnung, Frau Becker, und wenn Sie möchten, bleibe ich noch eine Weile bei Ihnen“, sagt die Seelsorgerin. Die Frau nickt. „Ich kann es nicht glauben“, sagt sie dann. „Er war doch gerade erst im Ruhestand… hat sich so darauf gefreut und immer gesagt, dass wir noch viel unternehmen, wenn er erst einmal Zeit hat.“ „Warum das denn jetzt“, klagt Frau Becker und weiß, dass es keine Antwort gibt auf die Frage.

Die Notfallseelsorgerin hält ein langes Schweigen mit ihrem Gegenüber aus, nimmt auch einmal die Hand, um im Hier und Jetzt zu verorten, bis Frau Becker auf einmal fragt, wo ihr Mann denn nun hingebracht wurde. „Frau Becker, Ihr Mann wurde in die Klinik gebracht, wo er aber leider gestorben ist.“

„Kann ich zu ihm? Ich kann ihn doch da nicht alleine lassen… ich muss doch bei ihm sein!“

„Ich würde erst einmal in der Klinik anrufen und mich erkundigen, wenn Ihnen das recht ist. Haben Sie denn jemanden, der Sie dorthin bringen kann?“

Den Besuch bei dem aufgebahrten Verstorbenen begleiten

Die Seelsorgerin erfährt, dass das Ehepaar keine Kinder hat, aber eine Nichte, die eineinhalb Autostunden entfernt wohnt, sie regelmäßig besucht. Die Seelsorgerin ruft im Krankenhaus an und erhält im Gespräch mit einer Ärztin die Information, dass Herr Becker bereits durch ein Bestattungsunternehmen abgeholt wurde. Sie kontaktiert den Bestatter und klärt die Möglichkeit, mit der Ehefrau des Verstorbenen vorbeizukommen.

„Frau Becker, wir können gemeinsam zu Ihrem Mann fahren. Sollen wir denn auch Ihre Nichte informieren und sie bitten zu kommen?“

Dankbar nickt die Frau, zeigt sich aber außer Stande, die Telefonnummer aus einem Wust von Notizzetteln herauszufinden. Geduldig und besonnen unterstützt die Seelsorgerin dabei.

Als sie nach einiger Zeit den Bestatter aufsuchen, begleitet die Seelsorgerin Frau Becker in den Raum, wo der Verstorbene aufgebahrt ist. Frau Becker erstarrt, macht dann einige Schritte rückwärts, wieder nach vorne – die Seelsorgerin fasst sie an der Schulter und geht langsam mit ihr ein paar Schritte weiter.

Als die Nichte eintrifft, bietet die Seelsorgerin eine Aussegnung an, der die beiden Frauen zustimmen.

Längerfristige Hilfe durch psychologische Beratungsstellen

Später beim Verlassen des Bestattungsinstituts erwähnt die Nichte, dass das Ehepaar Becker schon manchen Schicksalsschlag verarbeiten musste. „Hoffentlich kann sie das jetzt schaffen“, murmelt sie nachdenklich. „Sie müssen das nicht alleine schaffen“, sagt die Seelsorgerin. „Wenn Sie Unterstützung brauchen, kann ich Ihnen die Adresse einer psychologischen Beratungsstelle empfehlen.“ Sie gibt der Nichte eine Karte mit den Daten und verabschiedet sich nach einiger Zeit von den beiden Frauen.  

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