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Goodbye Deutschland, hello Church of Scotland - ein hessischer Pfarrer wandert aus
veröffentlicht 13.10.2025
von Traudi Schlitt, Online-Redaktion der EKHN
Eine Auswanderung ist immer ein Wagnis. Pfarrer Wildner ist es eingegangen und ist mit seiner Familie nach Schottland gezogen. Was ihn dort erwartet hat? Herzlichkeit, Gelassenheit – und eine neue Art, Kirche zu leben.
Auswandern als Pfarrer? Johannes Wildner hat es gewagt – und mit seiner Familie das hessische Pfarrhaus gegen die raue Schönheit Schottlands getauscht. Heute lebt er in Dumfries, arbeitet als Minister in der Church of Scotland und sagt: „Es war ein Segen.“
Mut zur Veränderung – und Vertrauen in Gott
2020 verlässt Johannes Wildner mit seiner Frau Käthe und den vier Kindern das beschauliche Schlitz in Hessen. Ziel: Dumfries, eine charmante Stadt im Südwesten Schottlands. Was als mutiger Schritt begann, wurde zur Erfolgsgeschichte: Die Kinder studieren heute in Aberdeen, Edinburgh, Glasgow und auf den schottischen Inseln.
„Die Menschen hier suchen sehr häufig das Verbindende mit anderen Menschen, nicht das, was trennt.“
Johannes Wildner
Die Familie ist angekommen. Wildner selbst ist inzwischen Gemeindepfarrer der „Maxwelltown West and New Abbey Church of Scotland“.
Kirche leben – ganz anders als in Deutschland
In Schottland erlebt Johannes Wildner eine Kirche, die mit viel Herzlichkeit und erstaunlich wenig Verwaltung auskommt. So werde in Schottland gefragt, „ob der Mensch für die Gesetze da ist oder die Gesetze für den Menschen.“ Und doch funktioniere das Gemeindeleben lebendig und verbindlich. Die Verwaltung in der Gemeinde übernimmt ein ehrenamtliches Gremium, sodass Wildner sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: Seelsorge, Gottesdienste, Bibelkreise. So habe er mehr Zeit für theologisches Arbeiten. Jeden Morgen lädt er zum Gebet, sonntags predigt er, unter der Woche leitet er „Bible Studies“.

© Wildner
Lebensfreude statt Perfektion
Feiern, Fußball, Alltag – in Schottland zählt das Miteinander. „Bei der EM zum Beispiel: Da sind sich die Schotten ihrer geringen Aussichten bewusst und feiern daher umso mehr. Sie haben einfach Spaß, auch wenn sie verlieren.“ Wildner liebt den britischen Humor: „Sie lachen über ihre eigenen Fehler, und selbst bei Trauergesprächen gibt es das eine oder andere Lachen.“ Auch die anfänglichen Herausforderungen haben der Familie Kraft gegeben: „Man muss gar nicht so viel planen, sondern kann sich mitreißen lassen und leben.“ Für ihn ist das gelebter Glaube: ohne Angst, ohne Erwartungen.
Reformen? Geht auch unkompliziert
Anfang 2025 erlebt Wildner eine Gemeindefusion. Er war überrascht, wie reibungslos der Verwaltungsakt in Schottland verlief – getragen von einem gemeinsamen Willen zu pragmatischen Lösungen auf beiden Seiten. Heute leitet er die vereinte Gemeinde – und erlebt, wie Kirche auch ohne überbordende Verwaltung funktioniert.
Natur, Gelassenheit und keltische Weisheit
Privat genießen Johannes und Käthe Wildner die Natur, gehen in den Pub, tanzen beim Country Dancing. „Die Menschen hier suchen sehr häufig das Verbindende mit anderen Menschen, nicht das, was trennt.“ Wildner hat das auch mit der keltischen Weisheit zu tun: Die Natur relativiere vieles – und schaffe Raum für Gelassenheit und Gotteserfahrung.
Bleiben oder weiterziehen?
Ob Schottland für immer Heimat bleibt? Wildner lässt die Frage offen. „Gott zieht uns – und er lässt uns ziehen.“ Seine Wurzeln, sagt er, seien nicht auf der Erde, sondern im Himmel. „Und dann kann man überall zu Hause sein.“
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