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Spirituelles Laufen: Wie Bewegung Körper und Seele stärkt
veröffentlicht 22.01.2025
von Rita Haering
Viele suchen nach Wegen, Stress abzubauen, innere Ruhe zu finden und gleichzeitig etwas für ihre Gesundheit zu tun. Spirituelles Laufen verbindet genau das: Bewegung, Achtsamkeit und kurze Glaubensimpulse. Wer spirituelles Laufen praktiziert, spürt, wie der Kopf frei wird und man mit frischer Energie zurückkehrt. Es eignet sich für alle, ob allein, zu zweit oder in einer kleinen, privat organisierten Gruppe.
Bewegung tut gut, das bestätigen zahlreiche Studien: Wer sich regelmäßig sportlich betätigt, stärkt seine mentale Widerstandskraft, lebt gesünder und länger. Eine besonders bereichernde Form des Laufens ist das spirituelle Laufen. Dabei verbindet sich körperliche Aktivität mit einer achtsamen, meditativen Haltung. So entsteht ein Raum, in dem man während des Laufens zur Ruhe kommt, neue Kraft schöpft, eine tiefere Verbindung zu sich selbst spürt und zugleich offener für Glaubenserfahrungen wird.
„Das Laufen ist für mich Einswerden mit dem Körper, Einswerden mit der Schöpfung.“
Frank Hofmann
Laufgruppe „Luft nach oben“ in Wiesbaden mit Pfarrer Johannes Lösch
Hier kommen Teilnehmende laufend ins Gespräch, denken nach und tanken auf. Gelaufen wird etwa eine Stunde, also rund 6–8 km in zwei Tempostufen mit einer kurzen Dehn- und Gesprächspause auf halber Srecke. Am Anfang steht ein biblischer oder spiritueller Impuls, unterwegs gibt es Fragen zum Nachdenken, und am Ende einen gemeinsamen Gebets- und Segenskreis. Das Langzeitziel ist die Teilnahme am 25‑Stunden‑Lauf im September.
Eingeladen sind Menschen jeden Alters, egal ob gemütlich oder sportlich.
Termine: jeweils um 9 Uhr am 17.5. / 21.6. / 23.8.
Treffpunkt: an der Lutherkirche in Wiesbaden
Jetzt ist ein guter Moment, den eigenen Antrieb zu wecken und die Laufschuhe zu schnüren. Aus der Sportpsychologie weiß man: Der Einstieg gelingt leichter, wenn man eine Form wählt, die zur eigenen Situation passt. Allein oder gemeinsam laufen: Beides hat jeweils Vorteile:
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Allein laufen bietet die Chance, den Fokus nach innen zu richten und die umgebende Schöpfung bewusst wahrzunehmen. Viele Menschen wählen diese Form auch deshalb, weil nicht in jeder Region eine spirituelle Laufgruppe angeboten wird. Studien zeigen zudem, dass Solo‑Läufe besonders geeignet sind, um Stress abzubauen, in einen meditativen Flow zu kommen und die eigene Körperwahrnehmung zu stärken.
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Gemeinsam laufen wirkt motivierend und steigert das Durchhaltevermögen. Die Sportpsychologie spricht hier vom „sozialen Antrieb“: In der Gruppe fällt es leichter, dranzubleiben, Freude an der Bewegung zu erleben und neue Ziele zu entwickeln. Der Austausch unterwegs kann inspirieren und das Gemeinschaftsgefühl stärken.
Tipps für den gelungenen Start ins spirituelle Laufen
Hier die wichtigsten Tipps in Anlehnung an Empfehlungen der Sporthochschule Köln, um den sportlichen Wiedereinstieg zu meistern:
- Gesundheitscheck: Untersuchung beim Arzt um sicherzustellen, dass Gelenke, Knochen und Organe bereit für das Laufen sind, insbesondere wenn beispielsweise schon jetzt Schmerzen im Knie auftauchen.
- Langsam starten: Mit kurzen Läufen beginnen und allmählich die Distanz steigern.
- Regelmäßigkeit: Feste Laufzeiten einplanen, um eine Routine zu entwickeln.
- Passende Ausrüstung: Bequeme und atmungsaktive Kleidung sowie gut sitzende Laufschuhe tragen.
- Gemeinschaft: Einer Gruppe oder Laufgemeinschaft anschließen.
- Dehnen und aufwärmen: Vor dem Laufen aufwärmen und im Anschluss sich dehnen, um Verletzungen vorzubeugen.
- Spaß haben: Natur und frische Luft genießen – Laufen soll Freude bereiten!
Positive Auswirkungen des spirituellen Laufens
Dabei gibt es eine gute Nachricht für Sportmuffel: Spirituelles Laufen schenkt innere Bereicherung und die Fitness wird dabei fast automatisch gefördert. Es eignet sich aber auch für trainierte Sportlerinnen und Sportler, denn das regelmäßige Laufen intensiviert das Glücksgefühl. Wer es ruhiger angehen möchte, ist beim Pilgern willkommen. Das spirituelle Laufen ist eine weitere Chance, den Erfahrungsschatz der persönlichen Religiosität zu erweitern. Für Johannes Lösch, Pfarrer aus der EKHN an der Lutherkirche in Wiesbaden, ist diese Variante des Joggens eine bereichernde Erfahrung: „Lauf-Zeit ist eine heilige Zeit. Ich bekomme den Kopf frei und kann beim Joggen mir selbst und Gott begegnen.“ Der alltägliche Stress trete immer mehr in den Hintergrund. Dabei werde er frei für seine innere Stimme, mit der er sich eng mit Gott verbunden fühle. So kommen ihm gerade beim spirituelle Laufen oft gute Ideen.
Spirituelles Laufen als „Gottes-Dienst“ außerhalb der Kirchenbank

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Während des Laufens fasziniert ihn die ganzheitliche Erfahrung, dass Glaube mit körperlicher Erfahrung verbunden ist. Er erklärt: „Spirituelles Laufen ist ein `Gottes-Dienst´ mit einem ganzheitlichen Ansatz - jenseits der Kirchenbank. Es ist eine Chance, den Morgen in seiner Heiligkeit neu zu begreifen – auf seelischer, geistiger und auch auf körperlicher Ebene.“ Allerdings versteht er das spirituelle Laufen als zusätzliches Angebot zum klassischen Gottesdienst. Gerade für Menschen, die zeitlich eingespannt seien, biete das spirituelle Laufen die Gelegenheit, Sport und Glauben zu verbinden. Pfarrer Lösch erinnert an die Worte des Paulus´, nach denen der Körper „ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt.“ (1.Korinther 6,19) Das bedeutet für den gläubigen Christen Johannes Lösch, auf seinen Körper acht zu geben, für ihn zu sorgen, sich fit und gesund durch gute Ernährung und Sport zu halten. Er erklärt: „Gott hat uns unseren Körper gegeben und wir geben darauf acht.“
Seine positiven Erfahrungen hinsichtlich des spirituellen Laufens gibt er seit März 2024 mit seinem Lauftreff „Luft nach oben“ in Wiesbaden an andere weiter. In der Evangelische Melanchthongemeinde in Griesheim hat sich bereits der wöchtentliche Lauftreff „Walk & Pray“ etabliert. (Termine siehe unten).
Empfehlung für das spirituelle Laufen
Bevor es losgeht, sollte sicher sein, dass die Läuferin oder der Läufer in einem guten Gesundheitszustand ist. Eine sportmedizinische Untersuchung zuvor wird empfohlen. Mit erfolgreichem Gesundheits-Check, Lauftipps und den passenden Laufschuhen steht dem Start nichts mehr im Weg. Für das Laufen allein und in der Gruppe hat Pfarrer Lösch einige Empfehlungen:
Impulse für die individuelle Praxis
Viele spirituelle Läuferinnen und Läufer haben die Erfahrung gemacht, dass sie beim individuellen Laufen besonders mit sich und ihrem eigenen Rhythmus verbunden sind. So lässt sich die persönliche Joggingrunde um eine spirituelle Lauferfahrung erweitern:
Vorbereitung:
- Strecke mit religiösen Landmarken planen, beispielsweise von der Kirche im Heimatort zur Kirche im Nachbarort, einen Abschnitt auf einem Pilgerweg, etc.,
- Die Streckenlänge sollte an die persönliche Fitness angepasst sein,
- Einen Bibelspruch auswählen, der zur aktuellen Lebenssituation passt oder eine persönliche Frage mit auf den Weg nehmen, z.B.: An welche Person habe ich lange nicht gedacht und könnte mich mal wieder melden?
Beim Laufen:
- Ablenkungen wie Musik über Kopfhörer am besten weglassen, um sich zu fokussieren,
- Sich selbst und die Umgebung wahrnehmen,
- Offene Haltung ohne Erwartung, aber mit dem Vertrauen, dass Gott schon zu mir kommt.
- An bestimmten Landmarken oder während einer kleinen Pause sich an den Bibelspruch oder die Frage erinnern und auf innere Regungen achten.
Impulse für die spirituelle Lauf-Gruppe:
„Das Laufen in der Gruppe ist etwas ganz Besonderes: Die Teilnehmenden stellen sich darauf ein, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Vor allem ist es eine gute Gelegenheit, neue Leute kennen zu lernen“, so der sportbegeisterte Pfarrer Lösch. Für die Planung eines Gruppen-Laufes empfehlen er und Barbara Wehrstein, die in Griesheim ehrenamtlich den spirituellen Lauftreff leitet:
- Eine zusätzliche Alternativ-Runde für weiteres Fitness-Level anbieten.
- Begrüßung und evtl. Vorstellungsrunde der Teilnehmenden,
- gemeinsames Gebet,
- Impuls zum Nachdenken geben: Frage und / oder Bibelvers
- gemeinsames Laufen,
- Pause für leichte Dehnübungen,
- Möglichkeit zum freiwilligen Austausch über die Erfahrungen mit dem Bibelvers oder der Impulsfrage,
- Nach der Rückkehr: Vaterunser und / oder Segen für die Woche.
Gelegenheit für Gespräche und seelsorgerliche Anknüpfungspunkte

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In Griesheim bei Darmstadt organisiert Barbara Wehrstein ehrenamtlich seit 2008 den Lauftreff der Evangelischen Melanchthongemeinde, der an jedem Dienstag bei Hitze, Regen, Wind und Wetter stattfindet - außer bei lebensgefährlichen Wetterbedingungen und unter -10°C. Von den insgesamt 16 Teilnehmenden finden sich meist vier bis acht zum Walken oder Laufen ein. Dabei hat Barbara Wehrstein die Erfahrung gemacht, dass Läufer:innen mit ihr auch über Sorgen und Ängste sprechen wollen und das Angebot eines Seelsorgegespräches gerne wahrnehmen. Ihre Seesorge-Ausbildung sei dafür eine gute Voraussetzung. Dabei läuft sie dann nur neben ihrer Gesprächspartnerin, um eine geschütze Atmosphäre zu schaffen. Bisher hat Barabara Wehrstein viel positives Feedback erhalten: "Unsere meist weiblichen Teilnehmerinnen schätzen Momente der Stille, in denen die Zeit zum Nachdenken über den geistlichen Impuls haben. Sie freuen sich aber auch über den gemeinsamen Austausch. Und natürlich, dass sie ihre Figur behalten."
Enge Verbindung zwischen beten und laufen
Auch außerhalb der EKHN haben Christinnen und Christen praktizieren das spirituelle Laufen seit Längerem. So wurde im Erzbistum Köln bereits ein Konzept zur Einführung eines Lauf-Treffs entwickelt. Aber auch aus der Schweiz kommen Impulse. „Ich erfahre meditatives Laufen als Reinigungs- und Verwandlungsprozess, der den Körper einbezieht“, berichtet beispielsweise die katholische Theologin Maria Regli aus der Schweiz in der Berner Zeitung. Sie hat das Konzept des „Spiritualmoves“ entwickelt. Dabei verbindet sie verschiedene Meditationstechniken mit Gehen, Walken oder Laufen. Auch der Kommunikationsexperte, ehemalige Chefredakteur von Runner´s World und evangelische Theologe Frank Hofmann hat das spirituelle Laufen intensiv praktiziert und gegenüber dem epd von seinen Erfahrungen berichtet: „Das Laufen ist für mich Einswerden mit dem Körper, Einswerden mit der Schöpfung". Zudem hatte er darauf hingewiesen, dass Laufen und Beten physiologisch und psychologisch nahe Verwandte seien. Tatsächlich hat eine Untersuchung der Sporthochschule Köln ergeben, dass sich nach einem Gebet die Motivationslage und die körperliche Befindlichkeit verbessere. Beten führt damit zu einem Entspannungszustand, ähnlich wie es das Laufen auch bewirkt. Diese Erkenntnis lädt dazu ein, beides beim spirituellen Laufen miteinander zu verbinden.
Termine für spirituelle Fitness:
Weitere Sport- und Bewegungsmöglichkeiten, in die der spirituelle Aspekt integriert werden kann:
Quellen:
- Interview mit: Pfarrer Johannes Lösch
- Burkhard R. Knipping: Laufen als Übung für die Spiritualität
- evangelisch.de / epd: "Laufen ist Einswerden mit der Schöpfung" (28.05.2020)
- Deutschlandfunk online: Beten wirkt wie joggen (26.12.2011)
- Maria Regli: Spiritualmoves: https://www.mariaregli.ch
- Berner Zeitung: Joggen bis zur Erleuchtung (20.03.2010)
- Frankfurter-Rundschau: Sport verlängert das Leben - Studie zeigt, was man verändern muss (16.08.2022)
- Deutsches Ärzteblatt: Sport als Prävention. Jg. 116 | Heft 35–36 | 2. September 2019
- epd-Video / Hagen Grützmacher: Joggen bei Eis und Schnee - so klappt das Lauftraining im Winter
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