
© Nora Hechler
Notfallseelsorgerin Simone Drost berichtet von ihrem Ehrenamt
veröffentlicht 17.02.2026
von Peter Bernecker
Simone Drost hat im vergangenen Jahr ihre Ausbildung zur Notfallseelsorgerin im Main-Taunus-Kreis abgeschlossen und ist seitdem in diesem Ehrenamt tätig. Im Interview berichtet sie von ihren bisherigen Erfahrungen.
Rund 50 Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger sichern in ihrer Freizeit an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr den Bereitschaftsdienst im Main-Taunus-Kreis. Sie werden jährlich zu rund 170 Einsätzen gerufen und übernehmen zum Beispiel nach häuslichen Todesfällen die Betreuung der Angehörigen. Koordiniert wird dieses Angebot von der hauptamtlichen Leiterin Pfarrerin Christine Zahradnik. Bevor man Dienste übernehmen kann, durchläuft man eine Ausbildung mit Theorie, praktischen Übungen sowie Hospitationen bei der Polizei, dem Rettungsdienst und der Leitstelle. Danach darf man die ersten Bereitschaftsdienste gemeinsam mit langjährig erfahrenen Kollegen der Notfallseelsorge übernehmen. Jeder im Team verpflichtet sich zu zwölf Stunden Bereitschaft pro Woche.
Eine richtige Entscheidung
Simone Drost hat inzwischen die ersten Einsätze während ihrer Dienste erlebt. Hauptberuflich ist sie im Projektmanagement bei der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) tätig. Ihre Bereitschaften in der Notfallseelsorge kann sie sich an Wochenenden oder abends und nachts einplanen. „Als ich 2024 nach Kelkheim gezogen bin, war ich begeistert, wie viele Menschen sich dort ehrenamtlich einbringen und Freizeitangebote durchführen. Also wollte ich selbst auch etwas für die Allgemeinheit tun und habe nach einem Ehrenamt gesucht. In der Zeitung habe ich dann von der Ausbildung in der Notfallseelsorge gelesen und war beim Infoabend“, erklärt die 38-Jährige. Die Entscheidung für dieses Ehrenamt war für sie genau das Richtige. „Erstens glaube ich, dass meine Talente in der Notfallseelsorge gut aufgehoben sind. Denn ich habe schon in meinem Freundeskreis erlebt, dass ich in Krisen-Situationen gut für andere da sein kann“, so Drost. „Zweitens bin ich grundsätzlich ein Mensch, der mehr Freude an ernsthaften Gesprächen als an Smalltalk haben kann, und habe deshalb schon manches Mal an mir gezweifelt. Aber in diesem Ehrenamt ist diese Eigenschaft eben gerade gut“, erzählt sie weiter. „Drittens hatte ich den Eindruck, dass in der Ausbildung auch ganz viel für meine eigene Haltung und Persönlichkeitsentwicklung drin ist“, ergänzt sie.
Das Ehrenamt gibt etwas zurück
Inzwischen hat sich für sie bestätigt, dass dieses Ehrenamt ihr viel zurückgibt. „Ich habe noch nie einen mir nahestehenden Menschen verloren, aber bin durch die Beschäftigung mit dem Tod jetzt viel sicherer im Umgang damit – und das führt auch im privaten Umfeld zu vertrauensvollen Gesprächen darüber. Gleichzeitig ist meine Dankbarkeit dafür, wie gut es mir geht, nochmal viel größer geworden“, so Drost. Darüber hinaus habe sie eine andere Sicht auf das Thema Suizid gewonnen. „Ich habe gelernt, dass eben auch das passieren kann und eine Krankheit dahinterstecken kann. Hilfreich war in der Ausbildung für mich außerdem, psychologisch zu verstehen, warum wir Menschen beim Tod eines Anderen häufig Schuldgefühle entwickeln“, berichtet sie.
Gute Begleitung nach den Einsätzen
Gefremdelt habe sie bei der Ausbildung mit den praktischen Übungen. „Ich musste mir bei den Rollenübungen, wo wir Krisensituationen aus verschiedenen Perspektiven geübt haben, jedes Mal einen Ruck geben“, erklärt Drost. Aber sie habe immer gewusst, dass sie diese sehr gute Vorbereitung später in der Praxis sehr schätzen würde. „Es gab dadurch in meinen Einsätzen keine Überraschungen oder Situationen, mit denen ich nicht umgehen konnte“, erzählt sie weiter. „Auch nach den Einsätzen werden wir extrem gut begleitet, damit wir das Erlebte gut verarbeiten können. Mit dem zweiten Teammitglied gibt es immer sofort eine Nachbesprechung und darüber hinaus sollte ich dem Hintergrunddienst jedes Mal Bescheid geben, wenn ich gut zu Hause angekommen bin“, ergänzt sie.
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