Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Zerstörte Stadt

© gettyimages.com/RadekProcyk

Kobanê ist die Hauptstadt des Distrikts Ain al-Arab im Gouvernement Aleppo in Syrien. Die Stadt wird mit 54.681 Menschen überwiegend von Kurden bewohnt. (Archivaufnahme 2015)

Zum Sonntag Reminiszere: Persönliche Eindrücke aus Nordsyrien

veröffentlicht 06.02.2026

von Peter Bernecker

Die politischen und humanitären Entwicklungen in Nordostsyrien geben weiterhin großen Anlass zur Sorge. Was in politischen Nachrichten oft abstrakt bleibt, hat für die Menschen vor Ort dramatische und existenzielle Konsequenzen.

In diesen Tagen erreichten Bischöfin Beate Hofmann der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und Kirchenpräsidentin Christiane Tietz der EKHN Berichte aus der Region, die das auf eindrückliche Weise verdeutlichen.

Eine Person aus Nordostsyrien, die der EKKW und der EKHN in ökumenischen Zusammenhängen verbunden ist, schildert – aus Sicherheitsgründen hier anonym – ihre aktuelle Lebenswirklichkeit: Seit Tagen halten sich die Menschen aus Angst vor Konflikten und militärischen Auseinandersetzungen in ihren Häusern auf. Märkte und öffentliche Einrichtungen waren über lange Zeit geschlossen, die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt; erst nach Tagen konnten grundlegende Besorgungen erfolgen. Gleichzeitig sind zentrale Verkehrswege blockiert, so dass viele Menschen, darunter Familienmitglieder, nicht zu ihren Familien zurückkehren können.

Leben unter militärischem Druck

Die Berichte beschreiben eine tägliche Anspannung zwischen militärischer Präsenz und unklaren politischen Vereinbarungen, während Gefangene aus ehemaligen IS-Lagern verlegt werden und Flugbewegungen über der Region anhalten. Für die Zivilbevölkerung bedeutet dies: permanente Unsicherheit, eingeschränkte Versorgung und fehlende Perspektiven.

Inmitten dieser Rahmenbedingungen brachte eine Frau aus einer christlichen Gemeinde ihr Kind zur Welt – eine Frühgeburt infolge einer schweren Schwangerschaftskomplikation. Aufgrund des Personalmangels im Krankenhaus konnte die medizinische Versorgung nur eingeschränkt geleistet werden. Umso größer ist die Erleichterung darüber, dass Mutter und Kind trotzdem wohlauf sind.

Kirchliche Präsenz in einer herausfordernden Realität

Christliche Gemeinden in Nordostsyrien sind Teil einer vielschichtigen religiösen und gesellschaftlichen Landschaft und tragen Verantwortung für Seelsorge und Zusammenhalt in ihrem Umfeld – selbst in höchst gefährdeten Lagen. Die geschilderten Eindrücke machen deutlich, dass es nicht allein um politische Nachrichten, sondern um konkrete Lebenswirklichkeiten und existentielle Herausforderungen geht.

Verbundenheit im Gebet und in der Öffentlichkeit

„Wir gehen diesen Weg des Glaubens gemeinsam“ – so endet ein Bericht aus Syrien. Diese Zusage gilt über alle Grenzen hinweg.

Unsere Kirchen stehen in ökumenischer Verbundenheit mit Christinnen und Christen im Nahen Osten. Die Berichte aus Nordostsyrien erinnern uns daran, wie wichtig es ist, ihre Stimmen wahrzunehmen und verantwortlich weiterzugeben, ohne ihre Sicherheit zu gefährden.

Anlässlich des Sonntags Reminiszere (1. März 2026) ruft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Gemeinden dazu auf, in Gottesdiensten und Gebeten besonders der bedrängten und verfolgten Christinnen und Christen in Syrien zu gedenken. Zu diesem Anlass stellt die EKD Materialien, Anregungen und Fürbitten bereit, die als Impuls für die gemeinsame Gebets- und Erinnerungsarbeit genutzt werden können.

Wir laden dazu ein, diese Materialien zu nutzen, um in unseren Gemeinden für die Menschen in Syrien zu beten und ihnen in Solidarität verbunden zu sein. 
 

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind über diverse ökumenische Beziehungen mit Kirchen und Christ*innen in der Region verbunden:

Near East School of Theology (N.E.S.T.), Beirut

Die EKHN ist seit vielen Jahren mit der N.E.S.T. verbunden, einer theologischen Hochschule in Beirut (Libanon). Über Studium, Delegationsreisen und persönliche Begegnungen bestehen Kontakte zu Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Libanon und aus Syrien. Das Sabbatical-Programm der N.E.S.T., das Geistliche aus Krisenregionen stärkt und begleitet, wird von der EKHN maßgeblich unterstützt. Regelmäßig nehmen Pfarrerinnen und Pfarrer aus EKKW und EKHN am dreimonatigen Studienprogramm an der N.E.S.T. teil.

Evangelische Mission in Solidarität (EMS)

Sowohl EKHN als auch EKKW sind Mitglied der EMS. Über dieses internationale Netzwerk bestehen kirchliche Beziehungen und Austauschformate mit Kirchen im Nahen Osten, darunter auch in Syrien.

Kirchliche Freundschaft der EKKW mit der Rum-Orthodoxen Kirche von Antiochien

Die EKKW pflegt freundschaftliche Beziehungen zur Rum-Orthodoxen Kirche von Antiochien, deren Wirkungsbereich sich auch auf Syrien erstreckt. Diese Freundschaft ermöglicht Räume für Begegnung, theologischen Austausch und Solidarität mit Christinnen und Christen in der Region.

Engagement des Gustav-Adolf-Werks (GAW)

Die Gustav-Adolf-Werke beider Landeskirchen unterstützen evangelische Minderheitskirchen weltweit, auch im Nahen Osten. In Syrien engagiert sich das GAW seit Jahren in der Förderung kirchlicher Strukturen, in Bildungs- und Wiederaufbauprojekten sowie in der Unterstützung von Gemeinden, die unter den Folgen von Krieg und Vertreibung leiden. Über diese Arbeit besteht eine weitere wichtige Verbindung in die Region.

Spendenkonto des GAW

Empfänger: Gustav-Adolf-Werk e.V.

IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11

BIC: GENODED1DKD

Nutzen Sie auch die Möglichkeit der Online-Spende!

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