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Schritt für Schritt durch die Fastenzeit: So kann Verzicht gut tun
veröffentlicht 20.02.2026
von Rita Haering
Fasten hat längst auch unter evangelischen Christ:innen seinen Platz gefunden. Im Mittelpunkt steht nicht der Verzicht, sondern die Chance, bewusst Raum für spirituelle Erfahrungen zu schaffen.
Eben noch den letzten Kreppel genossen – und plötzlich steht der Aschermittwoch vor der Tür. Für viele beginnt jetzt eine Zeit, in der sie bewusst Tempo rausnehmen, Ballast abwerfen und sich neu sortieren. Fasten ist längst nicht nur eine Methode, um Gewicht zu reduzieren, und auch kein rein katholisches Ritual mehr. Immer mehr evangelische Christ:innen entdecken es als Chance, Körper und Seele zu entlasten, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und inneren Raum zu schaffen für das, was wirklich trägt.
Fasten auf evangelisch: Raum schaffen für das Wesentliche
Ob du abnehmen möchtest, dich nach mehr Klarheit sehnst oder einfach neugierig bist, wie Fasten aus evangelischer Perspektive funktioniert: Diese Form des Fastens ist weniger strenge Diät und viel mehr Einladung, bewusst in sich zu gehen und sich neu auszurichten. Es geht darum, sich leer zu machen, um wieder empfänglicher zu werden – für Gott, für sich selbst, für das Leben. Inspiration bieten dabei auch die Fastenaktionen „Sieben Wochen ohne“ und „Klimafasten“.
epd-Video: Was hat Fasten mit Glauben zu tun?
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Spirituelle Orientierung: Schritt für Schritt durch die Fastenzeit
1. Äußere Reize reduzieren
Wenn wir „voll“ sind mit Terminen, Nachrichten, Essen oder Dauerscrollen in Social Media, bleibt kaum Raum für spirituelle Impulse. Deshalb beginnen viele Fastende damit, äußere Reize bewusst zu reduzieren. Was du weglassen oder einschränken möchtest, entscheidest du selbst. Erfahrene Fastende haben gute Erfahrungen gemacht mit:
- weniger Snacks & Süßes,
- weniger Alkohol,
- weniger Termine,
- weniger Social Media,
- weniger TV,
- weniger Dauer‑Erreichbarkeit.
2. Freiraum schaffen
Fasten bedeutet auch: sich leer machen, sich selbst ein Stück zurücknehmen. Dahinter steht die Vorstellung, dass Gott dort einkehren kann, wo Platz ist. Wer weniger Ablenkung hat und seine Gedanken beruhigt, kann leichter hören, was Gott einem sagen möchte – oder was das eigene Herz mitteilen will. Nur so kann man es wahrnehmen.
3. Inspiration wirken lassen
Jetzt kommt der bereichernde Teil: Du kannst den gewonnenen Raum mit ausgewählten Impulsen füllen. Beispielsweise mit:
- Gedanken aus den Publikationen der Fastenaktionen „Sieben Wochen ohne“ oder Klimafasten,
- der Konzentration auf biblische Texte. Wichtig ist, sich Zeit zu geben, auf Einsicht zu warten, wie sich die Bibelstelle mit dem eigenen Leben verknüpfen lässt.
- Zeit in der Natur verbringen, z.B. bei Pilgerspaziergängen,
- kreativen Tätigkeiten wie Malen, Schreiben oder Musizieren und mit Glaubensinhalten verbinden wie Bible-Journaling oder Bible-Lettering,
- Achtsamkeitsübungen, christliche Meditation oder christliches Yoga praktizieren,
- Zeit mit Menschen verbringen, die dir guttun,
- unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse essen.
- Kräuter- oder Früchtetees genießen.
4. Ausrichten auf die Antwort Gottes
Der Sinn des Fastens besteht darin, sich auf Gott zu konzentrieren. Deshalb kannst du dich jetzt im Gebet oder einer Meditation auf Gott ausrichten. Es ist empfehlenswert, dafür zehn Minuten einzuplanen. Fastende berichten, dass dann Einsichten allmählich in einem selbst wachsen können. Dabei geht es nicht so sehr um aktives Denken, sondern vielmehr um inneres Empfangen.
Hintergrund: Warum Christ:innen fasten
Im Christentum fasten die Gläubigen jedoch aus religiösen Gründen. Aus Trauer über den Tod Jesu am Karfreitag beginnen traditionell vor allem katholische Christ:innen ab Aschermittwoch weniger zu essen und auf Genussmittel zu verzichten. Das Fasten ist ein äußeres Zeichen dafür, dass die Gläubigen in dieser Zeit über ihren Lebensstil und ihre eigenen Entscheidungen nachdenken, Mitgefühl für den leidenden Jesus und heute leidende Menschen empfinden, Veränderungen anstoßen wollen und sich auf Ostern vorbereiten. Kinder und Jugendliche sind vom Fasten ausgenommen, können aber über die Praxis informiert und langsam herangeführt werden. In der katholischen Kirche sind Aschermittwoch und Karfreitag gebotene Fastentage.
Kritik am Fasten kam von evangelischer Seite: Der Reformator Martin Luther hatte sich gegen den Zwang zum Fasten ausgesprochen. Doch durch die protestantische Aktion "7 Wochen ohne" und das ökumenische Klimafasten interessieren sich evangelische Christ:innen wieder verstärkt für das Fasten.
Fachliche Beratung durch das Zentrum Verkündigung der EKHN
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