
© gettyimages, mheim
Gesprächs-Tipps für schwerhörige Menschen
veröffentlicht 17.07.2024
von Schwerhörigenseelsorge / Online-Redaktion der EKHN
Bei Schwerhörigkeit kann ein alltägliches Gespräch zur Herausforderung werden. Doch statt sich zurückzuziehen, ermutigt die Schwerhörigenseelsorge mit den entsprechenden Tipps, sich auch mit Guthörenden auszutauschen.
Schwerhörigkeit kann jeden treffen. Eine Hörminderung wird beispielsweise durch besonders lauten Lärm, Krankheit oder zunehmendes Alter verursacht. Einige erben auch die Beeinträchtigung. Wer im Laufe seines Lebens von Schwerhörigkeit betroffen ist, erfährt plötzlich: Die Kommunikation mit anderen wird zunehmend mühsamer. So erleben Schwerhörige auf Feiern oder in kirchlichen Gruppen, dass sie bei lauten Hintergrundgeräuschen Gesprächen schwer folgen können.
Für diese Situationen kennen Gabriela Hund, die Beauftragte für Schwerhörigen-Seelsorge in der EKHN, und ihre Kollegin Maren Dettmers Empfehlungen. Zum einen können Hörende zu einem besseren Verständnis beitragen - aber auch Menschen mit einer Hörminderung können selbst mitmachen, um den Austausch zu verbessern. Das ist ein wichtiger Schritt, um mehr Gemeinschaft und weniger Einsamkeit zu erleben.
Empfehlungen für Schwerhörige im Gespräch mit Guthörenden:
- Über die eigene Hörbehinderung sollte die oder der Gesprächspartner:in aufmerksam gemacht werden. Die Schwerhörigenseelsorge ermutigt, das Hörgerät deshalb gut sichtbar zu tragen, damit die Behinderung sichtbar ist.
- Vor einem Gespräch ist es hilfreich, die Hörgeräte auf die richtige Einstellung und die Batterie auf ihre Leistung zu prüfen.
- Während des Gespräches unterstützt es das Verstehen, wenn das Gegenüber „im Licht steht“, sodass das Auge dem Ohr beim Hören helfen kann. Dafür sollte man sich selbst gegenüber der sprechenden Person hinsetzen, um den Lippenbewegungen und Gesten folgen zu können. Vor einer Gardine oder einem Vorgang zu sitzen, erleichtert das Verstehen.
- Auch als Schwerhörige:r sollte man ruhig und deutlich (artikuliert) sprechen, dadurch wird das auch das Gegenüber eher tun.
- Wenn etwas nicht oder falsch verstanden wurde, sollte freundlich um Wiederholung gebeten werden. Wer schwer hört, kann das Gesagte wiederholen - zum Zeichen, dass es verstanden wurde.
- Verstehen vortäuschen, wenn man nicht verstanden hat, erschwert das Gespräch, führt zu Missverständnissen und ist nicht wertschätzend.
- Falsch Verstandenes offen zu sagen, lockert das Gespräch auf und kann sogar Humor hineinbringen.
- In einer Gesellschaft sollte man sich möglichst neben jemanden setzen, der auf Schwerhörige eingehen kann, der deutlich spricht und sie auf dem Laufenden hält.
- Als Schwerhörige:r sollte man sich nicht verdrießen lassen, wenn man im Augenblick nicht mitreden kann. Es hilft wahrzunehmen was möglich ist und an anderer Stelle wieder in das Gespräch einzusteigen.
- Menschen mit Hörminderung können darum bitten, dass nacheinander statt durcheinander gesprochen wird.
- Schwerhörige strengt das Hören besonders an. Wenn man deshalb ermüdet ist, sollte es offen gesagt werden. Das Gegenüber versteht das und respektiert es, wenn man sich zurückzieht.
- Auch guthörende Gesprächspartner strengt das Sprechen mit Schwerhörigen an. Darauf sollte Rücksicht genommen und das Gespräch freundlich beendet werden, wenn sich Anzeichen der Ermüdung zeigen.
Seelsorge mit seh- und hör-beeinträchtigten Menschen
Gemeindepädagogin Gabriela Hund
Das könnte dich auch interessieren

Zentrum der EKHN erhält Auszeichnung für gelebte Inklusion
Anlässlich des "Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen" am 3. Dezember wurde das Zentrum Seelsorge und Beratung der EKHN barrierearm zertifiziert. In sieben von neun Bereichen wurde es mit dem Prädikat „exzellent“ ausgezeichnet.

„Coole Socke, du“: Mitmachen und Vielfalt zeigen am Welt-Down-Syndrom-Tag
Der Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März 2026 setzt mit der Aktion "Coole Socke, du" bunte Zeichen für Vielfalt: mit bunten Socken, Foto- und Postkartenaktionen, kreativen Ausmalbildern, Erfahrungsberichten zu Trisomie 21 und Materialien für Gemeinden. Dabei greift die Aktion das diesjährige Motto auf: „Together against loneliness“ – Gemeinsam gegen Einsamkeit.

Coole Socke, starke Familie: Unser Weg mit Trisomie 21
Viele Eltern stehen nach der Diagnose Down‑Syndrom vor einem Berg aus Fragen, Ängsten und Unsicherheiten. Zum Welt‑Down‑Syndrom‑Tag erzählt Nina Barth offen von ihrem Weg: von großen Herausforderungen über kleine und große Lernschritte bis hin zum erfolgreichen Start ihres Sohnes in der Regelschule. Ihre Geschichte macht Mut – und zeigt, warum Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für die Anliegen von Menschen mit Down‑Syndrom weiterhin so wichtig sind.
