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Vorbereitet sein auf Katastrophen
veröffentlicht 06.08.2026
von Online-Redaktion der EKHN
Katastrophen wie Großbrände, Hochwasser oder Attentate kommen selten mit Vorwarnung. Aber Empfehlungen zur Vorsorge unterstützen dabei, im Katastrophenfall besonnen zu reagieren. Außerdem ist es wichtig zu wissen, wer im Ernstfall hilft und welche Aufgaben Kirche und Diakonie haben.
Vorsorgen mit Weitblick - ein Gedanke mit christlichen Wurzeln
Die Idee, sich auf Notlagen vorzubereiten, hat auch biblische Wurzeln, die Jahrtausende zurückreichen. Die biblischen Worte "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit" (2. Timotheus 1,7) bringen die Haltung auf den Punkt. Auch einige Erzählungen veranschaulichen eine besonnene und vorausschauende Grundhaltung. So konnte der barmherzige Samariter einen verletzten Reisenden deshalb gut versorgen, weil er das damals verfügbare Wissen dazu hatte (Lukas 10,34). Bereits im Alten Testament empfiehlt Josef dem Pharao, Getreidevorräte anzulegen, damit die Menschen Dürrejahre überstehen können (Genesis 41,33–36). Und angesichts einer militärischen Bedrohung ließ König Hiskia vorausschauend die Wasserversorgung für Jerusalem sichern und verstärkte die Stadtmauern. Neben den praktischen Maßnahmen bat er auch um Gottes Beistand (2.Könige 20,20 sowie 2.Chronik 32 ff).
Eben noch beim Frühstück – und plötzlich steht die Feuerwehr vor der Tür. Eine Evakuierung wegen eines Großbrandes, aber auch Unwetter, Stromausfälle, extreme Hitzewellen oder Attentate sind in Deutschland nicht ausgeschlossen. Deshalb geht manchen durch den Kopf: Wie kann ich meine Familie und mich schützen? Was brauche ich im Notfall? Andere hoffen, dass schon nichts passieren werde.
„Bei der Vorbereitung für Katastrophen geht es nicht darum, Ängste zu schüren. Wer ein paar Dinge im Voraus klärt, kann im Ernstfall besonnener und schneller helfen: den eigenen Kindern, Nachbarn oder anderen Menschen, die Unterstützung brauchen. Vorbereitung schafft Sicherheit und entlastet“, ermutigt Maren Heincke, Referentin für den ländlichen Raum im Zentrum Bildung und Gesellschaft der EKHN. Sie hebt die Notwendigkeit hervor, sich schon im Vorfeld damit mental zu befassen, dass der eigene Alltag plötzlich unterbrochen werden könne. Heincke plädiert dafür: „Lieber sich einmal zu früh einer unbequemen Situation wie einer Evakuierung aussetzen, als in eine echte Notlage zu geraten.“
Konsequenzen aus der Ahrtal-Katastrophe
Sie erinnert daran, dass bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 über 135 Menschen starben und Tausende verletzt wurden. Den Grund dafür benennt sie: „Viele Ebenen und Verantwortliche haben auf die drei Tage langen eindringlichen Vorwarnungen der Wetterdienste vor Starkniederschlägen nicht angemessen reagiert. Ein großes Problem ist dabei die Verantwortungsdiffusion. Keiner wollte die Verantwortung für einen eventuellen Fehlalarm übernehmen, wertvolle Zeit ging so verloren.“ Deshalb sollten Warnmeldungen ernst genommen werden, wodurch man auch handlungsfähiger werde.
Krisenresilienz: Austausch und Reflexion in Publikationen und am 6./7. November
Vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels tauschen Theologinnen und Theologen sich über theologischen Konzepte und eine möglichst stabile Infrastruktur aus. Sie fragen sich dabei, wie die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft gegen Krisen gestärkt und ein solidarisches Leben auch im Krisenfall ermöglicht werden kann:
- Barcamp am 6./7. November 2026 in Berlin: Menschen aus Kirche und Diakonie sprechen über innovative Vorsorgestrategien, seelsorgliche Begleitung im Klimawandel und theologische Perspektiven.
- Impulse zur theologischen Reflexion: Theologische und seelsorgerliche Impulse veröffentlicht die “AG Kirche und Theologie im Klimakollaps”. Zudem bietet sie Veranstaltungen an.
1. Vorsorgen: Was jeder Haushalt tun kann
Solange alles ruhig ist und seinen gewohnten Gang geht, ist das eine hervorragende Gelegenheit, für den Krisenfall vorzusorgen. Das epd-Video „Wenn der Alltag stillsteht: Vorbereitung auf den Ernstfall“ zeigt erste Schritte zur Vorbereitung
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Verlässliche Warnungen erhalten
Warnungen des Bundes — Die Warnkarte des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zeigt aktuelle Warnungen zu Unwetter, Hochwasser und Gefahrenlagen.
Warn-App NINA — Offizielle Warnungen, Verhaltenstipps und Notfallhinweise direkt aufs Smartphone.
Warn-App KATWARN — Lokale Warnungen per App, SMS oder E-Mail – ideal für schnelle Orientierung.
Kurbelradio, Solarradio oder Batterieradio: liefert Informationen der Radiostationen über aktuelle Maßnahmen bei vorübergehendem Ausfall der digitalen Infrastruktur.
Anleitungen zur Vorsorge im Haushalt
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bietet leicht verständliche Anleitungen, um für den Katastrophenfall vorbereitet zu sein:
Kompetenzen in Erster Hilfe und Selbstschutz aneignen
- Kurse „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“: Bürgerinnen und Bürger lernen, wie sie im Ernstfall sich selbst, Angehörige und Nachbarn unterstützen können. Über das BBK oder auch beim DRK.
- Jugendrotkreuz: Erste Hilfe für Jugendliche als Ersthelfende.
- Johanniter - Katastrophenschutz Rhein-Main : Ehrenamtliche können sich engagieren und aktiv helfen. Teilweise werden kostenlose E-Learning-Kurse angeboten.
2. Im Katastrophenfall: Schützen und Leben retten
Arbeit der Einsatzkräfte wertschätzen und unterstützen
Bei einer Naturkatastrophe oder nach einem Attentat werden die Einsatzkräfte aktiv. Maren Heincke betont: „Ich habe sehr großen Respekt und empfinde starke Dankbarkeit gegenüber allen haupt- und ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen aus den Bereichen Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk usw.. Sie riskieren tatsächlich ihre Gesundheit und teilweise auch ihr eigenes Leben, um anderes Leben zu retten und um die Gesellschaft aufrecht zu erhalten.“ So sei beispielsweise ohne die Freiwillige Feuerwehr in vielen ländlichen Regionen gar keine zeitnahe Hilfe bei Unfällen oder Bränden vorhanden. Der Referentin ist bewusst, dass die Ehrenamtlichen sehr viel Freizeit in die regelmäßigen Übungen stecken. Deshalb wünscht sie sich: „Als Gesellschaft sollten wir uns deshalb viel mehr als bisher für eine gute technische Ausrüstung und die problemlose Freistellung durch Arbeitgeber einsetzen.“
Bei einem Schadensereignis ist jede und jeder Einzelne aufgefordert, den Anweisungen der Einsatzkräfte Folge zu leisten und angemessen zu handeln.
In Sicherheit bringen
Manche Ereignisse verlangen schnelle Entscheidungen: Welche Orte sind jetzt für mich und meine Nächsten am sichersten? Je nach Situation kann der beste Schutzort völlig unterschiedlich sein. Bei einem Unwetter ist es oft das Innere eines stabilen Gebäudes, bei einem Hochwasser höher gelegene Sammelpunkte. Wichtig ist, den offiziellen Warnhinweisen und Empfehlungen der Behörden zu folgen. Sie wissen, welche Orte in welcher Lage wirklich Schutz bieten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zeigt, welche Schutzorte in verschiedenen Situationen geeignet sind:
Koordinierte Zusammenarbeit
Eine gute Vorbereitung wirkt besonders dann, wenn alle Beteiligten ihre Rollen kennen:
- Bürgerinnen und Bürger: reagieren direkt auf einen Notfall, schützen sich und leiten Hilfsmaßnahmen ein,
- Familien: haben Kinder und pflegebedürftige Angehörige im Blick,
- Ehrenamtliche: unterstützen Rettungsmaßnahmen,
- Integrierte Leitstellen (ILS): koordinieren alle Einsatzkräfte,
- Kommunen & Städte: organisieren lokalen Schutz,
- Feuerwehren (Tel. 112): löschen Brände, leisten technische Hilfe,
- Rettungsdienste (Tel. 112): leisten medizinische Erstversorgung,
- Technisches Hilfswerk (THW): leisten technische Hilfe, stützen Infrastruktur
- Polizei (Tel. 110): zuständig für Evakuierungen, Absperrungen
- Kirchengemeinden & Diakonie: leisten Notfallseelsorge, Telefonseelsorge (Tel. 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222), konkrete Hilfe
- Katastrophenschutzbehörden: koordinieren Einsätze
- Bund: leisten Amtshilfe, koordinieren Zivilschutz
Kirche im Katastrophenfall:
Die kirchlichen Leitungsgremien entscheiden, ob und wo für den Katastrophenfall neue Schwerpunkte gesetzt und Strukturen angepasst werden. Christinnen und Christen sind aufgefordert, im Bedarfsfall in kreativer Weise Mittel und Wege zu finden, aus dem Glauben heraus ihren Mitmenschen beizustehen.
Seelsorge als wesentliche Aufgabe der Kirche:
Die Aufgaben der Kirchen fokussieren sich im Katastrophenfall vor allem auf die angemessene krisensensible, seelsorgerliche Begleitung.
Besondere Rolle der Notfallseelsorge:
In akuten Notsituationen kann über die Leitstellen von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei die Notfallseelsorge alarmiert werden. Die Notfallseelsorge ist zwar 24/7 erreichbar, kann aber nicht direkt kontaktiert werden. Die Notfallseelsorge unterstützt Betroffene in akuten Notsituationen. Für viele ist sie der erste menschliche Kontakt nach einem Schockereignis. Die Nofallseelsorgende hören den Betroffenen zu, stabilisieren sie, begleiten sie und bieten erste Orientierung.
Bei größeren Schadenslagen ist der gesamte Seelsorge-Bereich involviert.
Die Aufgaben sind:
- betroffene Personen emotional und seelisch stabilisieren, Halt und Orientierung vermitteln,
- grundlegende Erfahrungen vermitteln: Sicherheit, Beruhigung, Selbst- und kollektive Wirksamkeit, Kontakt und Anbindung, Hoffnung,
- Angebote spiritueller Begleitung besonders betroffener Personengruppen,
- Bekanntmachen der Seelsorge-Angebote,
- Mithilfe bei der Schaffung von Begegnungsräumen und Anlaufstellen,
- Klärung vorhandener Kompetenzen,
- Organisation benötigter Ressourcen wie Dolmetscher, Räume etc,
- Einbindung kirchlicher Werke wie der Diakonie und Caritas,
- Kooperation mit Netzwerken wie der Ökumene oder staatlichen Stellen,
- Befähigung von Seelsorgenden und professionelle Begleitung von Seelsorgenden und Helfenden,
- Anpassungen an den Krisenfall der Krankenhaus-, Notfall-, Feuerwehr-, Gemeinde-, Polizei- und Militärseelsorge, beispielsweise in der verstärkten Betreuung von Personen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS),
- Überbringen von Todesnachrichten, organisierte und strukturierte Trauerbegleitung, Schaffung von Gedenkorten
Weitere zentrale und mögliche Aufgaben der Kirche:
- Gottesdienste und Veranstaltungen für die Bevölkerung, die sich mit der Krise auseinandersetzen,
- kirchliche Orte als Schutzraum oder Zufluchtsstätte, stärkende Inhalte in digitalen Orten,
- Beerdigungen und Gedenkfeiern,
- gemeinsame Angebote mit Diakonie und Caritas.
Organisatorisches:
- Kirchliche Büros in beiden Bundesländern: Abstimmung und Informationsaustausch
Den kirchlichen Büros bei den Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz kommt eine entscheidende Funktion zu, um den Informationsaustausch und die Abstimmung zwischen den Ländern und den Kirchen in einem Katastrophenfall zu gewährleisten. - Krisenstäbe in der Kirche: Handlungsfähigkeit gewährleisten
Der Krisenstab der Landeskirche wird aktiviert, ggf. bildet sich auch ein regionaler Krisenstab. Ein Krisenstab hat die Aufgabe, Ruhe, Orientierung, Ordnung und Handlungsfähigkeit im eigenen Verantwortungsbereich herzustellen. Er kann angesichts neuer Situationen effizient handeln, kurzfristig Entscheidungen treffen und diese dokumentieren und evaluieren. Über die Entscheidungen sollte angemessen über tragfähige Kommunikationswege informiert werden. - Meldeketten: zuverlässigen Informationsfluss sichern
Innerhalb der Landeskirche werden Kommunikationswege definiert, über die Informationen zu Katastrophenfällen zeitnah an die entscheidenden Stellen weitergegeben werden.
3. Nach einer Katastrophe
Meistens wird das ganze Ausmaß einer Katastrophe dann offenbar, wenn das Schadensereignis vorüber ist. Nun geht es darum, das Erlebte zu verarbeiten, den Zusammenhalt zu stärken und Schäden zu beheben.
Finanzielle Hilfen beantragen
Durch eine Katastrophe können auch Häuser, Autos und landwirtschaftliche Flächen zu Schaden kommen. Betroffene können sich an folgende Stellen wenden:
- Die private Versicherung: Sofortige Meldung an die Elementarschadens-, Wohngebäude-, Hausrat- oder Kfz-Kaskoversicherung.
- Die Kommunen, den Magistrat oder die Kreisverwaltung: Hier wird die akute staatliche Soforthilfe beantragt.
- Die Regierungspräsidien (Hessen) oder die Investitions- und Strukturbank (Rheinland-Pfalz): Zuständig für langfristige Wiederaufbauhilfen. Staatliche Programme werden je nach Schadenslage aufgelegt.
- Hilfsorganisationen: Zur Überbrückung von Notlagen oder teilweise auch zur Übernahme von finanziellen Eigenanteilen helfen Organisationen wie das DRK, die Diakonie Katastrophenhilfe, die Caritas, die Malteser, die Johanniter-Unfall-Hilfe oder die AWO mit Spendengeldern.
- Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt oder Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz: Landwirtinnen und Landwirte können hier finanzielle Hilfen wie die Extremwetter-Nothilfe oder den Ausgleich für Elementarschäden beantragen. Zudem unterstützen die Maschinenringe sowie die regionalen Bauernverbände unbürokratisch mit Futtermittelbörsen, Notfall-Netzwerken und technischer Nachbarschaftshilfe.
Belastende Ereignisse verarbeiten
Die Bürgerinformation des BBK bietet Ratschläge für den Umgang mit Ereignissen wie Unfällen, Gewalttaten oder Katastrophen. Betroffene, Augenzeugen und Angehörige und Freunde finden hier hilfreiche Informationen für die entsprechenden Situationen:
Broschüre: Mit belastenden Ereignissen um gehen (PDF)
Broschüre: Wenn Kinder ein Unglück miterleben (PDF)
Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe
Die Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH) bietet psychosoziale Versorgung nach schweren Unglücksfällen, Terroranschlägen und Katastrophen im Ausland. NOAH vermittelt sowohl akute als auch längerfristige psychosoziale Hilfe für Opfer und Angehörige.
Psychologische Beratungsstellen der EKHN
Die psychologischen Beratungsstellen der EKHN begleiten Menschen in belastenden Lebenssituationen – unabhängig von Alter, Herkunft, Religion oder Familienform. Hier finden Einzelne, Paare und Familien professionelle Unterstützung. Sie hilft dabei, nach schwerwiegenden Ereignissen mit schwierigen Gefühlen und Gedanken umzugehen.
Weitere Informationen im Katastrophen- oder Krisenfall:
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
- Bundesinnenministerium: Hintergrundinfos zum Bevölkerungsschutz
- Hessisches Innenministerium: Katastrophenschutz
- Rheinland-Pfalz: Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz
- Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG)
Weitere Informationen und Impulse:
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