Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Zwei Hände stecken Puzzleteile zusammen

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Kooperationen ermöglichen Lernerfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen

10 Jahre Kooperation EKKW–EKHN: Was hat sich bewährt – und was fordert heraus?

veröffentlicht 06.01.2026

von Silke Bremer, Online-Redaktion der EKHN

Zehn Jahre nach dem Zusammenschluss in Ökumene und Religionspädagogik ziehen Dr. Anke Kaloudis und OKR Christina Schnepel Bilanz: Was haben die Kooperation zwischen der EKKW und der EKHN verändert? Wohin geht die künftige Entwicklung?

Seit dem 1. Januar 2015 arbeiten die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in zentralen Punkten eng zusammen: in den Bereichen Ökumene und Religionspädagogik. Das Zentrum Oekumene mit Sitz in Frankfurt am Main und das Religionspädagogische Institut (RPI) mit Sitz in Marburg erfüllen für beide Landeskirchen gemeinsam die anstehenden Aufgaben aus den jeweiligen Handlungsfeldern. Wir wollten von den beiden Leiterinnen wissen, wie es mit der Kooperation läuft. Pfarrerin Dr. Anke Kaloudis ist seit  dem 1. September 2023 Direktorin des RPI und Oberkirchenrätin Pfarrerin Christina Schnepel leitet seit dem 1. März 2025 das Zentrum Oekumene.

Wie läuft die Zusammenarbeit der beiden Landeskirchen in den beiden Instituten? 

Anke Kaloudis: Die Zusammenarbeit der beiden Landeskirchen ist von gegenseitigem Respekt geprägt. Trotz unterschiedlicher   Unternehmenskulturen wollen wir eine tragfähige Arbeitsgrundlage und ein gutes Miteinander gestalten. Dies ist nicht immer leicht: Unterschiedliche organisationale Logiken, z. B. in der Besoldungsfrage, der religionspädagogischen Aufsicht, dem Prozedere der Stellenbesetzung oder der Vikarsausbildung, stellen uns immer wieder vor große Herausforderungen. Aber wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: die religionspädagogische Unterstützung von Schule und Gemeinde nachhaltig zu gewährleisten.

Christina Schnepel: Grundlage ist ja, dass sich die beiden Landeskirchen trotz mancher Unterschiede einig sind in der ökumenischen Ausrichtung. Der Dialog mit anderen Religionen, mit anderen Konfessionen, internationalen Kirchenbünden und Partnerkirchen, die Arbeit an Frieden und Gerechtigkeit gehören zum Wesen unserer Kirchen. Unsere Zusammenarbeit lebt von klaren Strukturen, regelmäßiger Abstimmung und der Bereitschaft, Unterschiede bewusst auszuhalten und produktiv zu nutzen – ganz ökumenisch!

Wo erweist sich die Fusion als echter Mehrwert?

Anke Kaloudis: Die Fusion hat die Erschließung neuer Arbeitsfelder im Religionspädagogischen Institut ermöglicht, die vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen notwendig geworden sind, etwa im Bereich des interreligiösen Lernens oder in der Auseinandersetzung mit Fragen der Inklusion. Diese inhaltliche Weiterentwicklung wird getragen von einer hohen theologischen Kompetenz sowie einem ausgeprägten Arbeitsethos der Studienleitungen, der Sachbearbeitungen und der Bibliothekarinnen.

Christina Schnepel: Der größte Mehrwert liegt in der Bündelung fachlicher Kompetenzen und Netzwerke. Dadurch gewinnen beide Landeskirchen an Profil und können Themen mit größerer Reichweite, Wirkung und Qualität bearbeiten. Die Kooperation, die vor zehn Jahren begonnen wurde, hat den Grundstein für ein Fachzentrum gelegt, das EKD weit hoch anerkannt ist.

Im Gegensatz zum gemeinsamen RPI gab es das Zentrum Oekumene bereits vor der Fusion. Daher die Frage nur an Sie, Frau Schnepel: Was hat sich für das Zentrum Oekumene geändert, als die EKKW dazukam?

Christina Schnepel: Das Zentrum hat deutlich an Perspektivenvielfalt gewonnen. Die Erfahrungen und Kontexte der EKKW haben die Arbeit bereichert und dazu beigetragen, ökumenische Themen breiter und gesellschaftlich anschlussfähiger zu profilieren. Die starke Verankerung ehrenamtlichen Engagements in der EKKW und die lange Tradition thematischer Arbeit in der kirchlichen Partnerschaft hat die gemeinsame Ökumene bereichert. 
Welche Hemmnisse gab es vielleicht am Anfang – und wie konnten sie überwunden werden?

Anke Kaloudis: Die anfänglichen Hemmnisse waren vor allem dadurch gekennzeichnet, Altes zu verlassen und Neues zu wagen. Hinzu kam zu Beginn mitunter ein argwöhnischer Blick auf die jeweils andere Landeskirche. Diese anfängliche Skepsis konnte jedoch gut überwunden werden. Es wurde deutlich, dass das fusionierte Institut ziel- wie sachorientiert daran arbeitete, religiöse Bildung in Schule und Gemeinde verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. 
Gleichwohl ist nach zehn Jahren Fusion festzuhalten, dass grundlegende Unterschiede in strukturellen Fragen weiterhin bestehen und insbesondere die Frage der Rechtsangleichung weiterhin offen ist.

Christina Schnepel: Unterschiedliche Kulturen, Rechtssysteme und Entscheidungswege waren anfangs eine große Herausforderung. Überwunden wurden sie durch transparente Prozesse, kontinuierliche Kommunikation und eine Leitung, die auf Ausgleich und Verlässlichkeit gesetzt hat. Eine große Herausforderung war der deutlich vergrößerte Arbeitsradius für die Referent*innen und die damit verbundene geringere Präsenz in der Fläche. Teilweise kompensiert werden konnte dies durch digitale Formate und technische Möglichkeiten wie Videokonferenzen, die neue Formen der Zusammenarbeit eröffnet haben.

Fusion RPI und Zentrum Oekumene, eine Blaupause also für weitere Zusammenschlüsse?

Anke Kaloudis: Nach zehn Jahren Fusion lassen sich deutliche Lernerfahrungen benennen: etwa die Frage, welche Faktoren zum Gelingen beigetragen haben, wo Schwierigkeiten lagen und immer noch liegen und wie damit umzugehen ist. Wie in jeder tragfähigen Beziehung gab und gibt es auch herausfordernde Situationen. Wir stellen uns aber den Spannungen und können sie so bewältigen. Entscheidend ist stets die Orientierung an der Sache und ein klares Ja beider Kirchen zur Fusion, das sich dann auch in den organisationalen Logiken wiederspiegeln muss. 

Christina Schnepel: Eher eine Lernwerkstatt als eine Blaupause. Die Erfahrungen zeigen, was Kooperationen brauchen: klare Ziele, verlässliche Rahmenbedingungen, Beteiligung der Mitarbeitenden und den Mut, kulturelle Unterschiede offen zu bearbeiten. Natürlich sind Humor und Gottvertrauen immer hilfreich. Aber tatsächlich glaube und hoffe ich, dass die Erfahrungen von zehn Jahre Zentrum Oekumene der EKKW und EKHN als Modell dienen können für weitere Landeskirchen übergreifende Fachzentren. In Zeiten zurückgehender Mitgliederzahlen liegt im Moment der Fokus auf neuen Modellen für die Kooperations- und Nachbarschaftsräume – also der Gemeindeebene. Wir dürfen wir die fachliche Ebene von Kirche nicht aus dem Blick verlieren, in der aktuelle und brisante Fragen von Kirche und Gesellschaft analysiert, verarbeitet und umgesetzt werden. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

Religionspädagogisches Institut der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Ev. Kirche in Hessen und Nassau

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Leiterin Oberkirchenrätin Christina Schnepel

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