Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Kastiger Kirchebau

© Volker Rahn

Das Gemeindeleben rund um die Michaeliskirche in Darmstadt wird neu ausgerichtet. Es soll auch geprüft werden, welche Gruppen das Gebäude nutzen können.

Dekanat Darmstadt hat Arbeit in Michaelsgemeinde neu geordnet

veröffentlicht 07.03.2025

von Volker Rahn

Welche Konsequenzen gab es nach dem „antikolonialistischen Weihnachtsmarkt“?

Das Dekanat Darmstadt hat die Arbeit in der Evangelischen Michaelsgemeinde im Darmstädter Martinsviertel neu ausgerichtet. Bei einem Weihnachtsmarkt in der Kirchengemeinde wurden im Dezember 2024 unter anderem Produkte mit mutmaßlich israelfeindlichen und möglicherweise verbotenen Motiven angeboten. Dies hatte zu Strafanzeigen, polizeilichen Ermittlungen und deutschlandweiten Medienberichten geführt. In der Folge waren unter anderem mehrere Mitglieder des Kirchenvorstands der Michaelsgemeinde zurückgetreten. Der Kirchenvorstand verlor damit seine Beschlussfähigkeit. Wie in solchen Fällen kirchenrechtlich vorgesehen, übernahm der Dekanatssynodalvorstand die Leitung der Gemeinde. 

Neuordnung in der Michaelsgemeinde

Schließlich hatte der Dekanatssynodalvorstand die Grundlagen für eine Neuordnung in der Michaelsgemeinde beschlossen, wie die Pressestelle der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau am 7. März 2025 in Darmstadt mitteilte. Es gehe darum, „die bisherigen Angebote der Michaelsgemeinde zu überprüfen und zu klären, was fortgeführt wird und was nicht“. Ziel sei es, „tragfähige Lösungen zum Wohl der Gemeindemitglieder und des kirchlichen Lebens im Martinsviertel“ zu finden. Damit dies gelingt, seien zunächst „ordnende Schritte und klare Entscheidungen“ notwendig, die gemeinsam mit dem Dekanat auch von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mitgetragen würden.

Nutzung der Gebäude wird überdacht

Dazu gehört, dass die Nutzung der Gebäude der Michaelsgemeinde grundlegend überdacht wurde und alle Gruppen  pausieren. Dies sollte dazu dienen, zahlreiche offene Fragen zu klären. Bei der Aufarbeitung der Vorfälle rund um den Weihnachtsmarkt war zu Tage getreten, dass die Räume in der Gemeinde und im zugehörigen Jugendhaus von Gruppen und Initiativen teilweise ohne Autorisierung genutzt wurden. Lange bestehenden Gemeindegruppen wie einem Seniorenkreis wurden alternative Räume in Nachbargemeinden zur Verfügung gestellt. 

Kirchenvorstand nach Weihnachtsmarkt beschlussunfähig

Gleichzeitig wurde dem Hauptorganisator des Weihnachtsmarkes, der dem beschlussunfähig gewordenen Kirchenvorstand formal noch angehört, die Mitgliedschaft in dem Gremium entzogen. Er war einer Bitte des Dekanats um Aufgabe seines Ehrenamtes zuvor nicht nachgekommen. Dem Pfarrer der Gemeinde war bereits im Dezember 2024 durch die Kirchenleitung der EKHN die weitere Ausübung seines Amtes vorübergehend untersagt worden. Er hatte unter anderem auch Morddrohungen erhalten. Es wird weiter geprüft, welche Aufgaben er künftig übernimmt.

Betreuung gesichert, Kita geöffnet

Die seelsorgliche und gottesdienstliche Betreuung der Gemeindemitglieder wird nun von Kirchengemeinden des Nachbarschaftsraums wahrgenommen (Christophorus-, Martin-Luther-, Philippus- und Thomasgemeinde). Eine zentrale Anlaufstelle beim Gemeindebüro der Martin-Luther-Gemeinde war eingerichtet worden. Der Dekanatssynodalvorstand ist in enger Abstimmung mit diesen und weiteren Nachbargemeinden, um das kirchliche Leben im Sinne des kirchlichen Reformprozesses „ekhn2030“ regional abzustimmen. Der Dekanatssynodalvorstand hatte als verantwortliches Leitungsgremium die Situation  beraten und aufagearbeitet, um zu guten Lösungen für die rund 1500 Mitglieder umfassende Michaelsgemeinde als Teil des knapp 10.000 Mitglieder umfassenden Nachbarschaftsraums „City Ost“ in Darmstadt zu kommen. Die Kita auf dem Gelände der Michaelsgemeinde blieb von den Maßnahmen unberührt und selbstverständlich geöffnet. 

Michaelskirche mit Baumängeln

Zu klären ist schließlich auch, wie im Rahmen eines kirchlichen Gebäudenutzungsplans für Darmstadt künftig mit der wegen Baumängeln gesperrten Michaelskirche aus dem Jahr 1960 umgegangen wird. In der Kirche ist aktuell ein Stützgerüst aufgebaut und die Kirche ist daher nicht nutzbar. Es werde ergebnisoffen geprüft, welche zukünftigen Nutzungen für die Kirche möglich seien. Die Klärungen zur Zukunft der Kirche werden wegen der Vielzahl der zu beachtenden Aspekte voraussichtlich mehrere Monate dauern.

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