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Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz: Kirchenpräsidentin Tietz betont bleibende Verantwortung
veröffentlicht 26.01.2026
von Peter Bernecker
Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026 erinnert die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Christiane Tietz, an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 81 Jahren und hebt die bleibende Verantwortung in der Gegenwart hervor.
Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft habe sie seit ihrer Schulzeit nicht mehr losgelassen, so Tietz in einem persönlichen Beitrag, der auf der Internetseite der EKHN www.ekhn.de erschienen ist. Besonders erschütternd seien für sie die Bilder der befreiten Konzentrationslager gewesen. „Diese Zeit ist nicht abgeschlossen. Wir tragen Verantwortung dafür, dass sich dieses Grauen nicht wiederholt“, so Tietz.
Bei einem Besuch in Auschwitz habe sie die bürokratische Perfektion erschüttert, mit der Gewalt und Unrecht dokumentiert worden seien. Die nationalsozialistische Politik der Entmenschlichung habe dazu geführt, dass Täter jedes Mitgefühl verloren und Verbrechen als scheinbar normale Verwaltungsvorgänge behandelt hätten. Auschwitz stehe für Tietz wie kein anderer Ort für die Einmaligkeit der Shoah. Er löse die erschreckende Frage aus, was im Empfinden von Menschen geschehen ist, dass sie anderen Menschen solch grausames Leid antaten.
Mit Sorge blickt die Kirchenpräsidentin auf die Gegenwart: Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe der Antisemitismus in Deutschland deutlich zugenommen. Jüdische Menschen fühlten sich wieder bedroht, ebenso nähmen Antiziganismus sowie Hass und Diskriminierung gegenüber anderen Minderheiten zu. „Das entsetzt mich“, so Tietz.
Der Gedenktag erinnere deshalb nicht nur an die Vergangenheit, sondern verpflichte zum Handeln heute. Er rufe dazu auf, berührbar zu bleiben für das Leid von Menschen, die heute ausgegrenzt, verachtet oder diskriminiert werden. „Überall dort, wo wir das Mitgefühl verlieren, verlieren wir unsere Menschlichkeit“, so die Kirchenpräsidentin.
Dokumentation: Vollständiger Beitrag
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