Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

© Matthias Schäfer

Der Bergmannsgottesdienstes machte bewusst, wie man in schwierigen Situationen auf Hoffnung setzen kann. Die Kirchenpräsidentin der EKHN, Professor Dr. Christiane Tietz war zu Gast in Siegbach (v.r.) sowie weitere vier Gäste des Bergbau- und Feldbahnverein Schelderwaldes gemeinsam mit Pfarrerin Jelena Wegner und Vikarin Nele Fornoff.
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Ein Vorbild für Hoffnung

veröffentlicht 05.03.2026

von Holger J. Becker-von Wolff

Was wir heute von Paulus und den Bergmännern lernen können, darüber hat die Kirchenpräsidentin Christiane Tietz in Siegbach gepredigt. Sie war zu Gast beim 129. Bergmannsgottesdienst in der Evangelischen Kirche Eisemroth.

Den musikalischen Gottesdienst haben der Gesangsverein "1851 Einigkeit" unter der Leitung von Michael Bertelmann, der Posaunenchor Eisemroth (verstärkt mit Spielern aus Manderbach und Herborn-Seelbach) unter der Leitung von Johannes Weg sowie Werner Rex an der Orgel gestaltet, die liturgische Leitung hatten Vikarin Nele Fornoff und Pfarrerin Jelena Wegner. Mit dabei waren vier Gäste des "Bergbau- und Feldbahnverein im Schelderwald". Im Anschluss an den Gottesdienst gab es für die Gottesdienstbesucher Bergmannswurst nach einem Geheimrezept. Die Kirchenpräsidentin durfte später noch das Bergbaumuseum in Tringenstein besuchen.

Der Alltag durchdrungen von Hoffnung

Im Gottesdienst sagte Christiane Tietz, sie habe als Kind den etwa 400 Meter langen Stollen im Deutschen Museum in Münschen besucht. Das habe sie sehr beeindruckt. Ausgehend vom Predigttext aus dem Römer-Brief des Paulus und ihrer Kindheitserinnerung spannte sie in ihrer Predigt einen Bogen zu den Bergleuten, die mit ihrer schweren Arbeit sich täglich gefährlichen Situationen ausgesetzt sahen. Sie und ihre Familien hätten viel Mut und Standhaftigkeit in einem entbehrungsreichen Leben bewiesen - möglich wurde dies durch einen Grundfrieden in ihren Herzen.

"Der Alltag der Bergmänner war durchdrungen von Hoffnung. Oft wurden im Bergbau vor Schichtbeginn kurze Andachten gehalten und ein, zwei Lieder gesungen. Die Andacht wurde mit den Worten geschlossen: „Nun fahrt in Hoffnung an“. Diese Hoffnung war ganz konkret. Sie bezog sich nicht auf ein fernes Himmelreich, sondern auf die kommenden Stunden. Die Bergmänner konnten nur in die Grube einfahren, weil sie die Hoffnung hatten, dass Gott sie beschützte und sie am Ende der Schicht wieder ans Licht zurückkehren ließ", sagte Tietz in Siegbach.

In schwierigen Situationen auf Hoffnung setzen

Die Hoffnung auf Gott blende die Gefahren nicht aus. Das sei gerade in schwierigen Situationen nötig. Die Kirchenpräsidentin erinnerte an den Zusammenhalt der Kumpel unter Tage und das sie sich aufeinander verlassen können. Paulus war überzeugt, dieser Zusammenhalt liege daran, dass der Heilige Geist uns mit Liebe füreinander füllt, so Tietz.

Sie erinnerte an die Grubenlampen als Zeichen der Hoffnung: "Hoffnung heißt, beim Einstieg in das Dunkle und Schwere darauf zu vertrauen, dass Gott dabei ist", sagte Tietz. Weiter sagte sie,  "in der Hoffnung wendet man den Blick vom Dunkel weg auf das, wo man Helligkeit entdeckt. Hoffnung heißt, das kleine Licht in der Lampe als Zeichen für das bald wieder kommende Tageslicht zu sehen. Hoffnung heißt, auf das Licht am Ende des Schachtes zu schauen, auch wenn die Auffahrt noch dauert".

Von den Bergleuten lernen

Bergmänner könnten ein Vorbild der Hoffnung sein. "Wir Menschen heute können von Bergleuten lernen. Denn auch heute sind die Zeiten schwierig. Gemeinsam können wir sie besser bewältigen als jeder für sich. Mich hat gestern ein Brief des anglikanischen Erzbischofs von Jerusalem erreicht. Er bittet uns darum, aus Liebe zu allen Menschen für Frieden im Nahen Osten zu beten und für eine Rückkehr zu Verhandlungen", sagte die Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz. Sie zitierte Bischof Hosam Naoum, der schreibt: „Die anderen sind nicht Feinde, sondern Nächste, ganz gleich, ob sie in Teheran sind, in Tel Aviv oder auf den Militärbasen am Golf.“

Bergbau hat lange Tradition in Siegbach

Seit 129 Jahren gibt es den Bergmannsgottesdienst in Siegbach. Im Gottesdienst wurde auch der verstorbenen Bergleute gedacht. Besonders ergreifend ist das Steigerlied, das traditionell am Ende des Gottesdienstes gesungen wird. Die Kirchenpräsidentin war von der  festlichen Musik und der gut besuchten Kirche beeindruckt. "Es war für mich zu spüren, wie wichtig die Bergbautradition dort ist". Nach dem Gottesdienst und dem Imbiss hat sie noch das Bergbaumuseum in Tringenstein besucht: "Ein ehemaliger Bergmann hat dort Werkzeuge, Kleider, Kristallfunde und viele Erinnerungsstücke zusammengetragen, damit diese Tradition in lebendiger Erinnerung bleibt. Ich bin glücklich, dass ich diese besondere Region unserer Kirche heute kennenlernen durfte.“

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