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Wenn der Lebensplan zerbricht: Was in Krisen helfen kann, sich neu auszurichten
veröffentlicht 02.03.2026
von Christian Weise, Online-Redaktion der EKHN
Wie findet man Halt, wenn das Leben komplett aus der Spur gerät? Der Autor und Schauspieler Samuel Koch teilt seine Erfahrungen über Resilienz, Hoffnung und die Kraft, weiterzugehen.
Manchmal verändert ein einziger Moment das ganze Leben. Der Schauspieler und Autor Samuel Koch hat genau das erfahren - und wie man dennoch wieder Boden unter die Füße bekommt. Bei einem Besuch im Evangelischen Dekanat Rheingau-Taunus teilte er seine ganz persönlichen Erfahrungen mit Krisen, Verlust und Neubeginn. Als ehemaliger Stuntman und Leistungsturner war sein Plan für folgende Karriereschritte nicht ohne seine Beweglichkeit vorstellbar. Doch 2010 brach er sich während der Sendung „Wetten, dass…? “ die Halswirbelsäule viermal und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. Heute zeigt er, was ihm geholfen hat, seine seelische Widerstandfähigkeit, also seine Resilienz wiederzugewinnen.
Akzeptanz als zentrale Herausforderung
Während seines Vortrages in Taunusstein 2026 beschreibt Samuel Koch drei Phasen, die ihn zu mehr Resilienz verholfen haben: reagieren, akzeptieren, agieren. Akzeptanz sei die Grundlage jeder Resilienz, erklärte Koch, der als Schauspieler an den Münchener Kammerspielen ein Engagement hat. Doch gerade die Akzeptanz der neuen Situation sei ihm anfangs alles andere als leichtgefallen: Er erinnerte sich an den Moment, als er sich nach dem Unfall im Spiegel sah und sein Selbstwertgefühl komplett zerbrach. Das Gefühl der Nutzlosigkeit habe ihn überwältigt. „Der Duden kennt für Nützlichkeit nur ein Wort: Wert. Demnach ist man nur nützlich, wenn man etwas wert ist“, sagte er. Heute sei er ein klarer, fröhlicher und wertvoller Mensch. „Mein Wert hängt nicht von meiner Nützlichkeit ab“, betonte er. Sein Vater, ein gläubiger Christ, habe ihm früh vermittelt: „Ich liebe dich, weil du bist.“
Den Selbstwert entdecken
Der Wert eines Menschen, so Koch, hänge nicht von Tun oder Haben ab. „Ich bin wertvoll, weil ich bin.“ Im Englischen drücke das Wort „human being“ dies treffender aus. Daraus folgt für alle Menschen: „So sieht ein Mensch aus, den Gott liebt, auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann. Es ist unsere Aufgabe überall da zu helfen, wo das nicht geschieht“, sagte Samuel Koch.
Vom verzweifelten Schrei zu Gott zur Zukunftsfreude
Trotz Schmerzen habe er inneren Frieden gefunden. „Es gibt immer die Möglichkeit zur Freude“, sagte er und zitierte Friedrich Nietzsche: „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Deshalb halte er an der Zukunftsfreude fest. Koch sprach auch offen über seine Gottesbeziehung. In seinen Nöten habe er zu Gott geschrien, der ihm Halt und Sinn gebe. „Wenn etwas im Körper nicht funktioniert, wendet man sich an den Hersteller“, beschrieb er sein Gebet. Immer wieder zitierte er den Kernsatz aus dem Neuen Testament: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. “
Wenn die Lebensreise ungeplant zu einem anderen Ziel führt
Vor dem Hintergrund der Erzählungen aus seinem Buch vermittelte er auch seine Lebensmetapher: Ein Mensch plant eine Reise nach Italien, lernt die Sprache, packt die Koffer – und landet in Holland. „Wer immer Italien nachtrauert, sieht nie, was Holland zu bieten hat. Ich habe in meinem Holland ein italienisches Restaurant eröffnet“, sagte Koch schmunzelnd.
Das Teilen seiner Erfahrungen dankte ihm das Publikum mit minutenlangen stehenden Ovationen.
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