Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Christiane Tietz

© Clemens von Dressler

Kirchenpräsidentin Christiane Tietz tauschte sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräften, Mitarbeitenden und der Leitung des Gymnasiums Philippinum Weilburg aus
  • Bildung
  • Demokratie gestalten
  • Schule

Kirchenpräsidentin Christiane Tietz im Gespräch mit Abiturientinnen und Abiturienten in Weilburg

veröffentlicht 11.03.2026

von Clemens von Dressler

Demokratie braucht Menschenwürde

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Christiane Tietz, hat am Dienstag das Gymnasium Philippinum Weilburg besucht. Dort diskutierte sie mit mehr als 60 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe über Kirche, Glauben und gesellschaftliche Verantwortung.

Zuvor war Tietz im Evangelisches Dekanat an der Lahn in Limburg zu Gast. Dort lernte sie das Gebäude und die Mitarbeitenden kennen und tauschte sich bei einem gemeinsamen Kaffee über aktuelle Themen der kirchlichen Arbeit in der Region mit Dekan Johannes Jochemczyk aus.

Anschließend ging es nach Weilburg zum Gespräch mit Schulleiter Stefan Ketter. Dabei stand unter anderem der Religionsunterricht am Philippinum im Mittelpunkt. In einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre tauschten sich Schule und Kirche über die Rolle religiöser Bildung im Schulalltag aus.

Kirche steht für Demokratie und Menschenwürde

Im anschließenden Vortrag vor den Schülerinnen und Schülern sprach Tietz über die Rolle von Kirche in einer demokratischen Gesellschaft. Orientierungspunkt für Demokratie sei die Würde jedes Menschen, betonte sie.

„Unsere Demokratie in Deutschland lebt nicht einfach davon, dass Mehrheiten entscheiden. Für sie ist auch grundlegend, dass Minderheiten geschützt werden“, sagte die Kirchenpräsidentin. Gerade deshalb sehe sich Kirche in der Verantwortung, für Menschenwürde und demokratische Werte einzustehen.

Glaube habe für sie dabei auch gesellschaftliche Konsequenzen. „Wenn wir glauben, dass Gott alle Menschen liebt, dann können wir nicht nur beten. Dann müssen wir auch handeln.“ Ein Beispiel dafür sei die diakonische Arbeit der Kirche, die sich besonders für Schwache und Benachteiligte einsetze, indem sie ihnen helfe, aber auch indem sie sich in politische Debatten einbringe.

Gleichzeitig schaffe Kirche Räume für Begegnung und Austausch. Menschen mit unterschiedlichen Meinungen könnten hier miteinander ins Gespräch kommen. „Unsere Gesellschaft braucht solche Orte“, so Tietz.

Intensive Diskussion mit den Jugendlichen

Im Mittelpunkt des Besuchs stand der Austausch mit den Jugendlichen. Die zahlreichen Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit für eine lebhafte Fragerunde.

Die Themen waren breit gefächert: Es ging um die Rolle der Kirche für junge Menschen, um Erfahrungen mit Religionsunterricht und Konfirmandenzeit, aber auch um gesellschaftlich kontroverse Fragen wie Schwangerschaftsabbruch, Sterbebegleitung, queere Menschen oder den Nahostkonflikt.

Die Jugendlichen hatten ihre Fragen lange vorbereitet und stellten diese direkt an die Kirchenpräsidentin. Die Gesprächsatmosphäre war besonders wertschätzend. Die Teilnehmenden ließen sich gegenseitig ausreden und die Kirchenpräsidentin nahm sich für jede Frage Zeit. Tietz nahm aus dem Gespräch unter anderem mit, dass junge Menschen stärker angesprochen werden wollen – auch in einer Sprache, die sie erreicht.

Idee aus dem Religionsunterricht

Die Einladung nach Weilburg geht auf eine Idee aus dem Religionsunterricht zurück. Lehrer Christof Trümner hatte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr nach einem Klausurtext zum Thema „Kirche und Christsein in der Gesellschaft“ gesucht. Dabei stieß er auf einen Beitrag von Tietz, der in einer gekürzten Version als Klausurgrundlage diente.

Die intensive Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Text führte schließlich zu der Idee, die Autorin selbst einzuladen. Tietz sagte spontan zu.

„Wir danken Ihnen für Ihren Besuch und dass Sie sich den Fragen unserer Schülerinnen und Schüler gestellt haben“, sagte Trümner zum Abschied.

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