Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Adventsstimmung mit Plätzchenteller und Kerze

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Bräuche wie das Plätzchenbacken unterstreichen die besondere Stimmung im Advent
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Advent – Bedeutung, Botschaft und Bräuche

veröffentlicht 30.11.2025

von Hans Genthe

Der Advent bringt Licht in die dunkle Jahreszeit: Mit der ersten Kerze am Adventskranz beginnt die Vorfreude. Bräuche wie Adventskalender und Adventslieder begleiten diese Zeit, die in der christlichen Tradition als Vorbereitung auf die Ankunft Jesu verstanden wird.

Die Atmosphäre im Advent ist einzigartig. Vom klassischen Schokoladen‑Adventskalender über Beauty‑, Müsli‑ oder Spielfiguren‑Kalender – sie spiegeln die Vorfreude auf Weihnachten vieler Menschen wider. Auch die Kerzen am Adventskranz, Lichter in den Straßen, vertraute Adventslieder und kleine Bräuche wie Weihnachtswichtel tragen dazu bei.

Offiziell beginnt der Advent am 30. November 2025. Der erste Adventssonntag eröffnet die Adventszeit, gefolgt von drei weiteren Sonntagen bis Weihnachten.

Christliche Wurzel des Advents

Der Advent hat seine Wurzeln im Christentum und ist so bedeutsam, dass mit dem ersten Adventssonntag auch das neue Kirchenjahr beginnt. Gläubige Christinnen und Christen bereiten sich innerlich auf die Ankunft Jesu Christi vor – des Friedenbringers. In früheren Zeiten war diese innere Ausrichtung zudem mit einer Fasten‑ und Bußzeit verbunden.

Diese Haltung zeigt sich bereits in der Wortbedeutung: Advent stammt aus dem Lateinischen adventus und bedeutet „Ankunft“. Damit ist nicht nur die Geburt Jesu gemeint, sondern auch die Hoffnung auf seine zweite Ankunft.

Im Advent sich auf Christus einzustimmen bedeutet: das Herz für Gott und seinen Frieden zu öffnen. Dieser Friede stärkt uns, anderen in Achtsamkeit und Liebe zu begegnen. Advent ist so im christlichen Sinne eine Zeit der Vorbereitung – und zugleich voller Vorfreude.

Das epd-Video erklärt: Warum feiern wir Advent?

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Adventsbräuche

Der Adventskalender

Adventskalender sind bei vielen Menschen beliebt – egal ob Kinder, Jugendliche oder ErwachseneSie laden dazu ein, sich an jedem Tag der Adventszeit einen kleinen Moment der Freude zu gönnen. Ursprünglich erfunden von christlichen Eltern, sollten die mit Leckereien oder kleinen Aufmerksamkeiten gefüllten Kalender ihren Kindern die Wartezeit bis zum Heiligen Abend – dem Fest der Geburt Jesu – erleichtern. Heute begleiten auch Online-Adventskalender besinnlich durch die Adventszeit.

Der lebendige Adventskalender

Der Lebendige Adventskalender bringt Nachbarschaften und Gemeinden zusammen. Jeden Abend öffnet sich ein „Türchen“ – nicht aus Papier, sondern in Form von Begegnungen: Menschen laden ein zu kurzen Andachten, Liedern, Geschichten oder einem heißen Getränk. So entsteht eine besondere Gemeinschaft, die die Vorfreude auf Weihnachten teilt und den Advent sichtbar macht.

Der Adventskranz

Mit der ersten Kerze am Adventskranz beginnt die Adventszeit. Die dekorierten Gestecke schaffen eine besondere Atmosphäre und veranschaulichen die christliche Lichtsymbolik: In die Dunkelheit kommt an Weihnachten das Licht der Welt. Als Erfinder gilt Johann Heinrich Wichern, der 1839 im „Rauen Haus“ in Hamburg den ersten Adventskranz aufhängte, um Kindern die Wartezeit anschaulich zu verkürzen.

Die Adventslieder

Wenn „Tochter Zion, freue dich“ oder „Macht hoch die Tür“ erklingen, stimmen viele Menschen sofort mit ein. Adventslieder tragen zur festlichen Atmosphäre in Fußgängerzonen und zu Hause bei. Sie drücken oft die  Freude und Sehnsucht aus, bald Jesu Christi nahe zu sein. Für alle, die noch etwas üben möchten, gibt es Noten und Hörbeispiele.

Der Nikolaus

Der Nikolaustag am 6. Dezember bringt kleine Geschenke und Naschereien im Stiefel – und erinnert zugleich an echte Nächstenliebe. Nikolaus von Myra, der im heutigen Gebiet der Türkei lebte, soll Schwestern aus großer finanzieller Not geholfen haben. Seine Geschichte prägt bis heute die Tradition.

Die Barbarazweige

Frühling mitten im Winter: Am 4. Dezember, dem Barbaratag, werden Obstbaumzweige geschnitten und ins Wasser gestellt und blühen zu Weihnachten. Die sogenannten Barbarazweige erinnern an die Legende der Heiligen Barbara und stehen bis heute für Hoffnung, neues Leben in der dunklen Jahreszeit.

Weihnachtswichtel – reingeschneit aus Skandinavien

Die kleinen Wichtel haben längst auch in deutschen Wohnzimmern Einzug gehalten. Mit Türchen, Schüsselchen und Miniaturgeräten ergänzen sie die Adventsdekoration und sorgen für Spannung und Freude. Vor allem Kinder warten gebannt auf den nächsten Streich oder die kleine Bitte eines Wichtels – liebevoll vorbereitet von den Eltern. Der Brauch aus Skandinavien lässt sich spielerisch mit christlichen Werten verbinden: Aufmerksamkeit füreinander, kleine Gesten der Liebe und die Freude am Teilen.

Luciasingen - reingeschneit aus Schweden

Ein besonderer Brauch aus Schweden hat inzwischen Hessen-Nassau erreicht: das Luciasingen. Es geht zurück auf die Heilige Lucia, eine christliche Märtyrerin aus dem sizilianischen Syracus, die Menschen in Not half. Um die Hände frei zu haben und den Weg zu beleuchten, soll sie Kerzen auf dem Kopf getragen haben. Im 18. Jahrhundert tauchte in Schweden eine Erscheinung von ihr wieder auf und daraus entwickelte sich das Luciafest. fest. Typisch dabei sind die weißen Gewänder und die elektrischen Kerzen auf dem Kopf, die das traditionelle Licht sicher nachbilden.
In einigen Orten wird auch hier die Tradition aufgegriffen: Am dritten Advent, Sonntag, 14. Dezember 2025, lädt der Evangelische Kirchenchor Seeheim gemeinsam mit dem Kinderchor zu einem stimmungsvollen Konzert "Luciasånger" in die Laurentiuskirche Seeheim ein.

Der Advent: Eine Zeit der Besinnung und spirituellen Einkehr

Eine Frau zündet eine Kerze an, daneben Holzdeko in Form von Tannenbäumen und ein Tannenzweig

© Getty Images, Bogdan Kurylo

Einen Moment die To-Do-Liste beiseite schieben und eine kleine Zeit der Stille im Advent zelebrieren - das tut gut.

Inmitten der vielen Aufgaben des Alltags lädt der Advent ein, Adventsandachten zu besuchen oder sich zu Hause einige Momente der Stille zu gönnen. Diese Zeit bietet die Möglichkeit, das Warten und Nichtstun einzuüben, sich christlichen Adventsbotschaften zu öffnen und sie mit der persönlichen Lebenssituation in Verbindung zu bringen.

Eine kurze spirituelle Übung für die Adventszeit

Nehmen wir uns jetzt eine Zeit der Stille, des Nichtstuns, im Dunkeln – und lassen unser Herz wachen und sehen.

  • Eine schöne Kerze kann angezündet werden.
  • Wer mag, bleibt sitzen.
  • Wer möchte, kann aufstehen und die Hände öffnen.

Nach einigen Minuten der Stille können dann diese Worte ihre Wirkung entfalten:

"Das Licht der Herrlichkeit scheint mitten in der Nacht. Wer kann es sehen? Ein Herz, das Augen hat und wacht."
(Angelus Silesius)

Ein Adventsgebet kann den persönlichen Moment der Stille abschließen.

(Idee aus: Adventsandacht - Warten und Nichtstun - von Zentrum Verkündung der EKHN)

Häufig gestellte Fragen über die Bedeutung und Hintergründe des Advents

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