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Zuneigung und Respekt können in einer Ehe abhandenkommen. Dann kann laut dem Alten Testament der Bibel ein Mann seiner Frau einen Scheidebrief geben, wenn sie „keine Gnade vor seinen Augen findet“ oder wenn er „ihrer überdrüssig“ geworden ist (5. Mose 24, 1 ff). Diese Aussagen zeigen die Zeitgebundenheit der Bibel, da sie patriarchal für den Mann formuliert sind.
Scheitern am Ideal ist möglich
Jesus vertritt eine radikalere Auffassung: Dieses Gebot habe Gott nur wegen „eures Herzens Härte“ geschrieben (Markus 10, 5). Jesu Ideal heißt: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ (Markus 10, 9) Gleichzeitig weiß Jesus um die Realität, am Ideal zu scheitern. Während er im Tempel lehrt, wird eine Frau zu ihm gebracht, die beim Ehebruch ertappt wurde. Einige schlagen vor, die Ehebrecherin zu steinigen. Jesus sagt zu ihnen: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“ (Johannes 8, 7) Die Leute lassen ihre Steine fallen. Einer nach dem anderen.
Heute: Begleitung geschiedener Menschen in der EKHN
In der evangelischen Kirche gilt das Versprechen der Ehe als vorbehaltlos. Wenn Beziehungsprobleme auftauchen, können die psychologischen Beratungsstellen der EKHN oder evangelische Seelsorger:innen neue Perspektiven schenken. Dennoch können Ehen scheitern. Wenn Geschiedene wieder heiraten möchten, ist in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ein Traugottesdienst möglich. In einem zuvor vereinbarten Gespräch kann über die Gründe des vorausgegangenen Scheiterns gesprochen werden, um eine Wiederholung möglichst zu vermeiden. Dabei sollte das christliche Leitbildes der Ehe bejaht werden.
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