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Ramadan als Anlass für interreligiösen Dialog im Alltag
veröffentlicht 11.02.2026
von Online-Redaktion der EKHN
Wer muslimische Kolleg:innen oder Schulfreund:innen hat, erfährt vielleicht so manches darüber, wie sie den Ramadan erleben. So kann der interreligiöse Dialog ganz persönlich und entspannt im Alltag starten – und Gemeinsamkeiten werden offenkundig. Denn Fastenzeiten kennt auch das Christentum.
Einmal im Jahr ändert sich der Tagesablauf für viele gläubige Musliminnen und Muslime für 29 oder 30 Tage – im Fastenmonat Ramadan. Dann frühstücken sie sehr früh noch vor dem Sonnenaufgang und trinken besonders viel Wasser – denn tagsüber wird gefastet. In diesem Jahr findet der Ramadan vom 18. Februar bis 20. März 2026 statt – in diesen Zeitraum fällt in diesem Jahr übrigens auch die christliche Fastenzeit. Ein guter Anlass, um sich über die unterschiedlichen Erfahrungen beim Fasten ausszutauschen.
Worum geht es im Ramadan?
Der Fastenmonat Ramadan ist tief im Islam verwurzelt – übrigens auch eine monotheistische Religion wie das Christentum. Der Ramadan gilt als Gebot Gottes und ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islam. Gläubige sind im Monat Ramadan aufgerufen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr zu verzichten. Nach Eintritt der Dunkelheit wird in oft großen Feiern das Fastenbrechen zelebriert.
Ramadan endet mit dem großen Fastenbrechen-Fest (Zuckerfest)
Mit dem Ramadan verbinden sich im religiösen Jahreskreis die wichtigsten Feste, wie das große Fastenbrechen zum Ende der etwa vierwöchigen Zeit. Ein morgendliches Festgebet signalisiert den Beginn des Fastenbrechen-Festes, das zu den wichtigsten Festen dieser Religion gehört. Im Zentrum des mehrtägigen Festes stehen vor allem Freude und Begegnung. Gläubige Muslime danken Allah dafür, dass sie die Fastenzeit und die zugehörigen Aufgaben geschafft haben. Sobald die Gläubigen in ihren Wohnungen und Häusern ankommen, genießen sie köstliche Getränke und Speisen wie beispielsweise Hühnchen, unterschiedliche Reissorten und Süßigkeiten. Letztere sind der Grund dafür, dass das Fest bei türkischstämmigen Muslimen auch als Zuckerfest bezeichnet wird.
Bedeutung für den Glauben
Der Fastenmonat erinnert gläubige Muslime an eine wichtige Zeit. Ein Engel soll dem Propheten Mohammed Gottes Botschaften verkündet haben, die er dann im Koran aufgeschrieben hat. Im Islam gilt der Prophet Mohammed als der erste Muslim, der im Ramadan gefastet hat. Deshalb konzentrieren sich viele Musliminnen und Muslime im Ramadan besonders auf ihren Glauben und ihre Verbindung zu Gott – also Allah. In dieser Zeit nehmen viele von ihnen auch öfter den Koran zur Hand.
Regelungen und Symbole des Ramadan
Ein Kennzeichen für den Ramadan erscheint oft die Ramadan-Laterne, auch wenn sie keine besondere religiöse Bedeutung haben. Sie erhellen aber viele Wohnungen und Straßen und tragen damit zu einer festlichen Stimmung bei.
Kinder und alte oder kranke Menschen sowie Schwangere sind vom Fasten ausgenommen. Da der Ramadan nach dem Mondkalender berechnet wird, der nur 354 Tage umfasst, verschiebt er sich jedes Jahr um etwa zehn Tage gegenüber dem üblicherweise heute genutzten Sonnenkalender. Weltweit hat der Islam rund 2 Milliarden Angehörige. In Deutschland leben rund 5,5 Millionen Muslime.
Fokus auf friedliches Miteinander
Gläubige Muslime sind während des Ramadan bemüht, besonders freundlich zu ihren Mitmenschen zu sein und auf Streit zu verzichten. In dieser Zeit wird der Fokus besonders auf Selbstreflexion und ein gutes Miteinander gelegt. Ein respektvoller interreligiöser Austausch im direkten Kontakt kann zusätzlich beitragen, Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln. Impulse für ein gelingendes Miteinanders und für Frieden lassen sich in beiden Religionen entdecken.
Quellen:
- Religionenen-entdecken.de: Ramadan- der Fastenmonat der Musliminnen und Muslime
- Zentrum Oekumene EKHN und EKKW: Das Verhältnis des Christenums zum Islam
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