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Kirchenpräsidentin der EKHN würdigt „Realitätssinn“ der neuen EKD-Friedensdenkschrift
veröffentlicht 10.11.2025
von Pressestelle der EKHN, Online-Redaktion der EKHN
Die EKD hat ihre neue Friedensdenkschrift vorgestellt. Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz hebt deren realistische Perspektive und theologische Tiefe hervor. In den Debatten um Krieg und Waffenlieferungen sieht Christiane Tietz die Rolle der Kirche insbesondere darin, an die Zwiespältigkeit menschlichen Handelns zu erinnern.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat am 10. November 2025 im Rahmen ihrer Synodentagung in Dresden ihre neue Friedensdenkschrift vorgestellt: „Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick“. Das Grundlagenpapier bietet eine friedensethische Orientierung für Politik und Gesellschaft. Dabei wurden die Positionen der bisherigen Denkschrift von 2007 angesichts einer deutlich veränderten Weltlage neu überarbeitet. Der Denkschrift zufolge sind nachhaltiger Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit nur dann erreichbar, wenn körperliche Unversehrtheit und der Erhalt staatlicher Integrität gesichert sind. Eindringlich warnt die Denkschrift vor der wachsenden Gefahr hybrider Kriegsführung. Durch Desinformation, digitale Manipulation und gezielte Polarisierung drohe die Aushöhlung demokratischer Strukturen.
Kirchenpräsidentin der EKHN äußert sich zur neuen Denkschrift
Nach Worten der hessen-nassauischen Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz überzeugt die neue EKD-Friedensdenkschrift zunächst durch ihren „Realitätssinn“. So erkenne sie an, dass friedensethische Überlegungen heute in einer veränderten weltpolitischen Lage geschähen. „Friedensethik geschieht immer im Kontext konkreter Herausforderungen“, so Tietz. Die Denkschrift nehme ernst, dass sich die Welt – anders als viele nach dem Mauerfall gehofft hatten – nicht zu mehr Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit entwickelt habe.
Ambivalenzen und Dilemmata benennen
Theologisch bedeutsam sei dabei, so Tietz, dass die Denkschrift die Ambivalenz und Sündhaftigkeit des Menschen neu in den Blick nehme. Menschen seien sowohl zu tiefem Miteinander als auch zu Bosheit und Gewalt fähig. Vor diesem Hintergrund leuchte ihr der in der Denkschrift betonte Vorrang des Schutzes vor Gewalt und damit auch der rechtserhaltenden Gewalt ein.
Um zum Gerechten Frieden zu ermutigen, seien Friedensinitiativen wichtig. Die Erfahrung von Frieden ermutige zu weiterem Engagement für Frieden. In den aktuellen Debatten um Krieg, Waffenlieferungen und Gewissensentscheidungen sieht Tietz die Rolle der Kirche insbesondere darin, an die Zwiespältigkeit menschlichen Handelns zu erinnern. „In solchen Situationen werden wir so oder so schuldig“, sagt sie. Aufgabe der Kirche sei es, diese Spannung zu benennen – in der Hoffnung auf Gottes Frieden.
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