Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Anna Packeiser

© Dek. Oppenh. / A. Packeiser

Mit fachlichem Blick und feinem Gespür hat die Biologin und Gärtnerin einen Kirchgarten gestaltet, der zum Staunen, Verweilen und Innehalten einlädt – durchzogen von christlichen Bezügen.
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Best Practice: Pflanzen mit christlich geprägten Namen bereichern biologische Vielfalt

veröffentlicht 06.03.2026

von Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim, Online-Redaktion der EKHN

Der Frühling ist die passende Zeit, Gärten und Kirchengrundstücke so zu gestalten, dass sie die Schöpfung feiern: naturnah, klimafit und voller Symbolik. Rund um die Oppenheimer Katharinenkirche zeigt Dr. Anna Packeiser mit einem Gartenprojekt, wie biologische Vielfalt auf kirchlichen Flächen gelingen kann. Die vielen Pflanzen mit christlichen Namen machen sichtbar, wie eng Schöpfung, Glauben und das Miteinander der Geschöpfe verbunden sind.

Mitten in Oppenheim hat Dr. Anna Packeiser ein lebendiges Beispiel dafür geschaffen, wie Kirchengrundstücke zu Orten der Artenvielfalt und spirituellen Inspiration werden können. Dabei passt sie die Bepflanzung Stück für Stück dem Klimawandel an. Die promovierte Biologin und leidenschaftliche Gärtnerin gestaltet seit Jahren die Grünanlagen rund um die Katharinenkirche – mit hitze-, kälte- und trockenheitsresistenten Pflanzen.

Königskerze

© A. Packeiser

Stauden

© A. Packeiser

Wollziest

© A. Packeiser

Polsterphlox

© A. Packeiser

Königskerze

© A. Packeiser

Stauden

© A. Packeiser

Wollziest

© A. Packeiser

Polsterphlox

© A. Packeiser

Königskerze

© A. Packeiser

Stauden

© A. Packeiser

Wollziest

© A. Packeiser

Polsterphlox

© A. Packeiser

Die Königskerze, die seit Jahrhunderten als Nutz- und Heilpflanze bekannt ist, blüht vor der Oppenheimer Katharinenkirche.

Die Vielfalt der Stauden bringt Farbe und Leichtigkeit in den Kirchgarten – ein einladender Ort mitten in Oppenheim

Der silbrig schimmernde Wollziest bringt Ruhe und Struktur in den Kirchgarten der Katharinenkirche

Hellrosa Polsterphlox breitet sich wie ein weiches Blütenpolster aus – ein schöner Farbakzent im Kirchgarten

Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist es, möglichst vielen Insekten zu jeder Jahreszeit Nahrung zu bieten. „Mit unseren Gärten schaffen wir für die Besucher:innen eine Kulisse für Gedanken und Inspirationen“, so Packeiser. Ein Garten, der Rückzug ermöglicht und zugleich einen lebendigen Zugang zu Glauben und Kirche schafft.

Pflanzen mit christlichen Bezeichnungen und ihrer Bedeutung

Christliche Namen und Symbole finden sich übrigens in der Pflanzenwelt an der Katharinenkirche und vor dem Martin-Luther-Haus in großer Zahl. Viele der Pflanzen tragen Namen, die biblischen Erzählungen oder der christlichen Tradition entstammen. Hier wachsen:

  • Johanniskraut: Traditionell Johannes dem Täufer zugeordnet; seine leuchtend gelben Blüten stehen für Licht, Trost und Heilung.
  • Christrose: Blüht mitten im Winter und gilt als Symbol für Hoffnung in dunklen Zeiten; in der Volksfrömmigkeit mit der Weihnachtsbotschaft verbunden.
  • Salomonssiegel: Die narbenartigen „Siegel“ an den Wurzeln erinnern an König Salomo und stehen für Weisheit, Schutz und göttliche Ordnung.
  • Königskerze: Wegen ihrer kerzenartigen Form ein Sinnbild für Christus als „Licht der Welt“; früher oft in Prozessionen verwendet.
  • Brennender Busch: Name verweist auf die Mose‑Erzählung (Ex 3); die Staude kann ätherische Öle verströmen, die sich bei Hitze entzünden und in bläulichen Flammen verpuffen – ein Symbol für Gottes Gegenwart.
  • Judasbaum: Seine Blüten erscheinen vor dem Laub rund um den Karfreitag und erinnern somit in der Tradition an Judas Iskariot. Die rosa‑purpurne Blütenfarbe wurde in früheren Zeiten mit Scham in Verbindung gebracht. Vor allem aber ist der Baum ein Beispiel für das Zusammenspiel der Pflanze mit  Bienen und Vögeln, die Blüten und Samen nutzen.
  • Marienblümchen:  Ein zartes Frühlingsblümchen, das Maria gewidmet ist; steht für Reinheit, Demut und Neubeginn.
  • Madonnenlilie: Eine der ältesten Marienpflanzen; ihre weißen Blüten symbolisieren Reinheit, Verkündigung und göttliches Licht.

Neben den Pflanzen im Oppenheimer Kirchgarten gibt es noch weitere Gewächse mit biblischen Namen oder christlichem Bezug: Aaronstab, Barbarakraut, Christusdorn, Christuspalme, Frauenmantel, Jakobsleiter, Kapuzinerkresse, Mariendistel, Marienglockenblume, Mönchspfeffer, Osterglocke, Passionsblume, Pfaffenhütchen, Pfingstnelke, Pfingstrose, Pfingstveilchen.

Ästhetik und Insektenfreundlichkeit verbinden

Zu den besonderen (Pflanzen-)Lieblingen von Anna Packeiser gehören im Katharinengarten die Glockenblumen. „Die Wildbienen lieben sie“, schwärmt die Gärtnerin. Daher hat sie dafür gesorgt, dass rund um die Katharinenkirche eine Vielzahl von Glockenblumenarten zu finden ist.

Mit meiner Arbeit möchte ich nicht nur in einem Garten die Schöpfung bewahren, sondern auch die Kirche wachsen lassen.

Dr. Anna Packeiser, Biologin und Gärtnerin der Oppenheimer Katharinenkirche

Weil viele insektenfreundliche Pflanzen in ihrer Blüte nicht so spektakulär sind wie Glockenblumen, die Gärtnerin aber auch den BesucherInnen des Kirchengeländes ästhetisch Interessantes bieten möchte, ist bei der Auswahl der Pflanzen große Umsicht gefragt. „Die richtige Mischung macht es, damit hier rund um die Kirche etwas Paradiesisches entsteht.“

Insektenfreundliche Rosen gedeihen besonders gut

Als Biologin weiß Anna Packeiser viel über die Ökosysteme, die in einem Garten für Artenvielfalt sorgen können. Kein Wunder, dass sie z. B. für den noch „jungen“ Rosengarten an der Katharinenkirche Pflanzen ausgesucht hat, die nicht nur widerstandsfähig sind, sondern auch offene Blüten haben. Sie machen es den Insekten leicht, hier Pollen zu sammeln. Und weil insbesondere die Hagebutten im Herbst und Winter eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tiere sind, hat sie auch darauf geachtet, dass die Hagebutten der Rosen auch dem Futterschema der Vögel entsprechen. Nach nur zwei Jahren fühlen sich die neu gepflanzten Rosen an der Oppenheimer Katharinenkirche schon sehr wohl. Stolz erzählt Anna Packeiser, dass der ehemalige Chef des Mainzer Botanischen Gartens bei seinem Besuch in Oppenheim staunte, wie schnell die Rosen gewachsen sind.

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