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Fastnacht feiern in Hessen-Nassau - bunt, heiter und gern auch kritisch
veröffentlicht 11.02.2026
von Online-Redaktin der EKHN
Rund um den Rosenmontag am 16. Februar 2026 zieht die Fastnacht in Hessen und Rheinland‑Pfalz wieder Tausende auf die Straßen. Zwischen „Helau“, politischer Satire und bissigen Motivwagen gibt es viele Anlässe, die Mächtigen humorvoll aufs Korn zu nehmen – mal heiter, mal mit einer gut gewürzten Prise Ironie.
Kindermaskenfeste, Umzüge, Prunksitzungen und Fastnachtspartys sorgen 2026 wieder für ausgelassene Stimmung in den Fastnachtshochburgen von Hessen und Rheinland‑Pfalz. In Mainz, Seligenstadt, Frankfurt‑Heddernheim, Dieburg, in Rheinhessen, im Rheingau und im Nassauer Land ist die fünfte Jahreszeit rund um den Rosenmontag in vollem Gange.
An Fastnacht steht die Welt Kopf: Mitarbeitende erscheinen plötzlich als Piraten, Prinzessinnen oder Mönche, und was sonst irritiert, gehört dann zum guten Ton. Auf den Motivwagen in Mainz werden politische Persönlichkeiten humorvoll und kritisch beleuchtet, während Büttenreden lokale Größen mit spitzer Zunge aufs Korn nehmen. Auch einige evangelische Gemeinden greifen die närrische Stimmung auf und gestalten Gottesdienste mit Mundart‑ oder gereimten Predigten.
Feiern trotz Krisen? Warum Lachen trotzdem seinen Platz hat
Viele Menschen fragen sich angesichts von Kriegen, Krisen und Naturkatastrophen, ob ausgelassene Fastnacht überhaupt angemessen ist. Die evangelische Seelsorge betont: Lachen hat seine Zeit – und gerade in belastenden Zeiten kann Humor helfen, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen.
Die Bibel erinnert daran:
„Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“
Bibel - Prediger 3,4
Fastnacht bietet die Möglichkeit, für einen Moment in eine andere Welt einzutauchen, Gemeinschaft zu erleben und mit Humor auf das zu blicken, was uns bewegt – ohne die Ernsthaftigkeit der Welt zu verdrängen. Viele Büttenreden zeigen zudem, wie kreativ und pointiert gesellschaftliche Missstände benannt werden. Auch darin liegt eine Chance zur Veränderung.
Wie Fastnacht entstanden ist
Der Name "Fastnacht" zeigt, wie eng diese ausgelassene Zeit mit der Kirche verbunden ist: Er bezieht sich auf die Fastenzeit, die in der Nacht auf den Aschermittwoch beginnt. Das laute und lustige Treiben hat ursprünglich seinen Anfang in den christlichen Klöstern genommen, in denen die Tage vor der Fastenzeit mit opulenten Mahlzeiten gestaltet wurden. Erstmals werden die Fastnachtsfeiern im Kontrast zur nachfolgenden Fastenzeit im 12. oder 13. Jahrhundert erwähnt. Die übrige Bevölkerung griff diesen Brauch auf und verlieh ihm regional unterschiedliche Ausprägungen – ob als Maskenball, Frühlingsitus im süddeutschen Raum oder als Kritik an der Obrigkeit. Als die Ausschweifungen allerdings überhand nahmen, war dies der katholischen Kirche ein Dorn im Auge. Bis heute integrieren dennoch viele ihrer Pfarrgemeinden die Fastnacht in ihrem Jahresprogramm.
Der ersten Umzug in Mainz
Das Bürgertum entwickelte im 18. Jahrhundert schließlich die Prunkzüge und Karnevalssitzungen. 1837 bewegte sich schließlich der erste bunte Zug der Narren durch Mainz, ein Jahr später wurde der erste Karnevalsverein in der Stadt an der Mainmündung gegründet. Das Grundprinzip war: Frohsinn und Wohltun.
Warum haben die Evangelischen früher Fastnacht kritisiert?
Besonders die Reformatoren äußerten sich kritisch, sie haben das bunte Treiben in ihren Gebieten verboten. Da Evangelische ohnehin keine strengen Fastenvorschriften haben, sahen sie auch keinen Anlass, es vor der Fastenzeit noch mal richtig krachen zu lassen. Sie widersprachen zudem der Vorstellung, die alkoholischen und erotischen Exzesse mit der anschließenden Fastenzeit ausgleichen zu wollen. Mit Blick auf Ausschweifungen rund um Fastnacht befürchtete damals die evangelische Seite, dass die Menschen auf Dauer der sittlichen Zügellosigkeit verfallen könnten. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ging der evangelische Pfarrer und Pietist Philipp Jakob Spener in Frankfurt am Main gegen das Feiern des Faschings vor. Dadurch verlagerten sich die Feiern nach Heddernheim, das damals noch zum (katholischen) Mainz gehörte. Die Faschingszeit gehört auch bis heute nicht zum evangelischen Kirchenjahr.
Warum feiern die Evangelischen Fastnacht heute begeistert mit?
Doch das Blatt wendet sich: Heute laden einige evangelische Kirchengemeinden in Hessen und Nassau zu besonderen Gottesdiensten ein, in denen die Predigt in Reimform an eine Büttenrede erinnert und in denen die Gottesdienstbesucher als Prinzessinnen, Mönche oder Eisbären verkleidet kommen. Die Devise lautet: Feiern und Lachen erlaubt – aber das Gewissen wird auch in der fünften Jahreszeit nicht in den Urlaub verabschiedet.
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