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Kirchenpräsidentin schließt sich Kritik an ÖRK-Material zu Gebetswoche für den Frieden an
veröffentlicht 22.09.2025
von Peter Bernecker
Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz und EKD-Auslandsbischof Frank Kopania kritisieren die Materialien des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Gebetswoche im Nahen Osten als unausgewogen und rufen zu eigenen Friedensgebeten auf.
Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Prof. Dr. Christiane Tietz, hat sich der Kritik des Auslandsbischofs der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Frank Kopania, angeschlossen, die Materialien des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zur weltweiten Gebetswoche für Frieden in Palästina und Israel im September 2025 seien nicht hilfreich. Diese seien nicht ausgewogen und trügen „eher zur Polarisierung als zur Förderung des Friedens“ bei..
Kritik von EKD an Material für Gebetswoche für den Frieden 2025
Auch EKD-Auslandsbischof Frank Kopania äußerte deutliche Bedenken zur Friedenswoche des ÖRK ("World Week for Peace in Palestine and Israel 2025"): Zwar sei die Wahrnehmung palästinensischen Leids wichtig, doch die Texte benutzten Begriffe wie „Besatzung“, „Unterdrückung“, „Apartheid“ und „Genozid“ ohne Einordnung und ohne gleichzeitig das Leiden Israels, die Sicherheitsbedürfnisse oder die Opfer von Terroranschlägen zu benennen. Das Schweigen zu den Opfern des 7. Oktober und zu Friedensinitiativen auf beiden Seiten mache die Darstellung „unausgewogen“.
Aufruf an Gemeinden zu eigenen Gebeten für Israel und Palästina
Tietz ruft Gemeinden deshalb dazu auf, in dieser Woche eigene liturgische Formen zu entwickeln, die das Leiden und die Hoffnung aller Menschen in der Region in den Blick nehmen. Sie betonte: „Weil jeder Mensch von Gott gewollt ist und die gleiche Würde besitzt, kann in der Wahrnehmung des Leidens aller unser Beitrag zum Frieden liegen.“
Gebet um Frieden im Nahen Osten
Barmherziger, menschenfreundlicher Gott,
wir bitten dich für alle Menschen im Nahen Osten,
für die Opfer von Gewalt,
für die Geiseln,
für die, die in Angst leben,
für die, die auf der Flucht sind,
für die, denen das Nötigste zum Leben fehlt,
und für die, die sich für Versöhnung und Frieden einsetzen.
Sei du ihnen nah,
hilf ihnen.
Berühre du die Herzen aller,
die dazu beitragen können,
dass das Leid ein Ende findet.
Lass sie den Menschen im Anderen sehen.
Du bist mächtiger als Hass und Terror,
als Gewalt und Krieg.
Zeige du Wege der Hoffnung auf,
dass eines Tages Versöhnung und dauerhafter Frieden
im Nahen Osten möglich sein werden.
Amen.
(Christiane Tietz)
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